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Amtsgericht Husum : Ein kleiner Fehler mit fatalen Folgen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Mildes Urteil: Ein 21-jähriger Nordfriese kam nach einer fahrlässigen Tötung im Straßenverkehr mit einer Geldstrafe davon.

Ein Jahr nach einer Kollision mit tödlichem Ausgang stand der Verursacher des Unfalls nun vor Gericht. Der damals 20-Jährige war im Mai 2016 mit einem Traktor-Gespann auf der Ostenfelder Landstraße in Richtung Ostenfeld unterwegs und zog bereits eine längere Autoschlange hinter sich her, als er nach links in eine Seitenstraße abbiegen wollte. Er verlangsamte die Fahrt auf 12 bis 13 Stundenkilometer (km/h), setzte den Blinker und blickte nach eigener Aussage mindestens einmal in den Rückspiegel, bevor er abbog. Dass er dabei den Motorradfahrer übersah, der zwischenzeitlich zum Überholen der Kolonne angesetzt hatte, führte zu einem folgenschweren Zusammenstoß: Mit einer Geschwindigkeit von 51 bis 69 km/h prallte der Biker gegen das Vorderrad des Traktors und wurde dabei von seiner Maschine geschleudert. Schwer verletzt wurde er mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik eingeliefert, wo er wenige Tage später aufgrund seiner multiplen inneren Verletzungen verstarb.

„Fahrlässige Tötung“ lautete daher der Vorwurf, dem sich der Traktorfahrer stellen musste. Insbesondere ging es dabei um die doppelte Rückschaupflicht: Durch einen von den Fahrzeugspiegeln unabhängigen Schulterblick sollen sich Linksabbieger vor dem Abbiege-Vorgang gründlich vergewissern, dass eine Kollision mit anderen, überholenden Fahrzeugen ausgeschlossen ist. Dass der junge Mann diesen Blick versäumte, war ihm fraglos anzulasten, insgesamt aber ließen Staatsanwaltschaft und Gericht bei der Urteilsfindung Milde walten – auch weil der Biker in dieser unübersichtlichen Situation besser nicht hätte überholen sollen, wie die Richterin anmerkte. „Es war ein ziemliches Unglück – ein kleiner Fehler mit fatalen Folgen“, sagte sie.

Angesichts der eher jugendlichen Verhaltensweise des Angeklagten, der noch bei seiner Familie wohnt und seine Freizeit am liebsten mit Arbeit in der Landwirtschaft verbringt, sah es das Gericht als gerechtfertigt an, den Fall nach dem Jugendstrafrecht zu entscheiden. Die Richterin folgte der Forderung des Staatsanwalts nach einer Ermahnung und Verhängung einer Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro an „Ärzte ohne Grenzen“. Auch die Kosten des Verfahrens gehen zu seinen Lasten. Zusätzlich wurde der junge Nordfriese zu drei Beratungsgesprächen beim Jugendhilfeverein Nordfriesland verpflichtet. Dort soll er das auch für ihn schockierende Geschehen aufarbeiten. Wichtig sei aber auch, sein Fahrverhalten nachhaltig zu verbessern, so die Richterin: „Ein Blick in den Rückspiegel reicht in so einem Fall nicht. Sie müssen genau hinschauen und sich vergewissern, dass Sie gefahrlos abbiegen können“, mahnte sie noch einmal. Insgesamt soll ihm das Ganze eine Lehre fürs Leben sein, nicht aber zu einer lebenslangen Bürde werden. „Ich glaube, Sie haben verstanden, dass da etwas gewaltig schiefgelaufen ist“, sagte sie abschließend. Darauf, Rechtsmittel einzulegen, haben alle Beteiligten bereits verzichtet.

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