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Jubiläum an Tönninger Orgel : Ein Kirchenmusiker aus Passion

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Seit 20 Jahren kümmert sich Christian Hoffmann in Tönning um Gottesdienste, Chöre und Konzerte. Er „brennt“ noch immer für seine Aufgabe, die inzwischen umfangreicher geworden ist.

Vor 20 Jahren war Tönning für ihn noch ein unbeschriebenes Blatt: „Ich musste mich erst schlau machen“, sagt Christian Hoffmann schmunzelnd. Das Internet steckte noch in den Kinderschuhen, also machte der Kirchenmusiker Nägel mit Köpfen, fuhr kurzentschlossen die 600 Kilometer von Hessen nach Nordfriesland und schaute sich um. Die Ausschreibung einer Kantorenstelle hatte ihn neugierig auf die Stadt an der Eider gemacht. „Die in Aussicht gestellte Bezahlung war gut, die äußeren Bedingungen stimmten und auf kirchenmusikalischem Sektor war bereits gute Arbeit geleistet worden“, erinnert sich Hoffmann: „Das war keine Diaspora-Gemeinde.“ Auch die Stadt selbst mit ihrem pittoresken Hafen und dem schönen Marktplatz gefiel ihm. Er bewarb sich – und wurde genommen.

„Man hat mich hier sehr herzlich empfangen“, betont der Kirchenmusiker. Was er vorfand, gefiel ihm: „Die sehr schöne Orgel, der gute Probenraum, die Ausstattung mit Instrumenten“, listet er auf, „und es gab den Propsteikantatenchor, 80 Sängerinnen und Sänger, mit denen man große Oratorien inszenieren konnte.“ Hoffmann stürzte sich in die Arbeit, füllte den Orgeldienst aus, spielte bei Trauungen, Taufen und Beerdigungen, leitete neben dem Probsteikantatenchor auch den Kirchen-, den Kinder- und den kleinen Kinderchor, später auch den neu gegründeten Gospelchor, gab der Flöten- und Trommelgruppe Profil, bereitete Konzerte vor, inszenierte Jahr für Jahr Kinder-Musicals, nahm pflichtbewusst an allen Sitzungen des Kirchenvorstandes teil – und fand nebenbei noch Zeit, sich ganz privat um den „kleinen Chor“ zu kümmern, der Sänger aus ganz Deutschland in seinen Reihen hat, die einmal im Jahr entweder in hessischen Bad Soden-Salmünster oder in Tönning zu einem einwöchigen Workshop zusammenkommen.

Dieser „kleine Chor“ liegt Hoffmann immer noch am Herzen, auch wenn sich seine Arbeit als Kantor längst verdichtet hat und viele neue Aufgaben hinzugekommen sind. Denn: Seit 2009, als das bis dahin selbstständige Eiderstedt ein Teil des Kirchenkreises Nordfriesland wurde, ist Hoffmann auch Kreiskantor. „Das heißt: Ich leiste seither auch den Orgeldienst für Kating und Kotzenbüll, nehme weit mehr Amtshandlungen und Aufgaben wahr und absolviere natürlich auch deutlich mehr Sitzungen“, erläutert der 49-Jährige. Sechs freie Sonntage hat er im Jahr. Als Kreiskantor kamen noch vier Sonntagsdienste hinzu. „Aber jeder Montag ist mein Kantorensonntag“, sagt Hoffmann lachend. Da hat er frei, entspannt, ist nur Privatmann, Ehemann und Vater. Trotz der Arbeitsverdichtung, „brennt“ er noch für seinen Job – „auch nach 20 Jahren“. Und er ist Tönning treu geblieben, obwohl Kantoren in der Regel nach sieben Jahren die Stelle wechseln. Zugegeben: Daran gedacht hat er auch schon. „Es ist nicht gut, wenn man zu lange auf einer Position bleibt“, räumt Hoffmann ein. Aber die Bedingungen in Tönning seien einfach zu perfekt. „Da werde ich wohl auch in Rente gehen“, stellt er lächelnd fest.

Was ihn an seiner Arbeit reizt? „Die Menschen“, sagt er: „Man muss sie nehmen wie sie sind – mit allen ihren Eigenheiten.“ Und natürlich die Musik: „Das Spannungsfeld zwischen kirchenmusikalischem Auftrag und künstlerischem Anspruch ist eine ständige Herausforderung.“ Tönning sei für ihn eine Glücksgeschichte: „Ich habe hier ganz großartige Leute in der Gemeinde – Kinder, Jugendliche und Erwachsene –, die musikalisch voll mitziehen und richtig gut sind.“ Nur einmal habe er eine Auszeit gebraucht, als seine Mutter starb: Hoffmann zog sich eine Woche auf die Hallig Hooge zurück, verbrachte dort viele Stunden in der Halligkirche, fand Trost. „Der Glaube hilft einem, wenn die Wogen über einem zusammenzuschlagen drohen“, sagt er.

Hätte er einen Wunsch frei, würde der Bruckner-Fan gern Bruckners 5. Sinfonie aufführen. „Aber das bleibt ein Traum“, weiß er: „Da braucht man ein großes Orchester und das kostet viel Geld.“ So bleibt es vorerst bei einem traumhaften Oratorienkonzert, das Christian Hoffmann am 21. November in Wesselburen leitet: Dann bringen der Propsteikantatenchor Eiderstedt in Kooperation mit der Stadtkantorei Husum und der Hamburger Camerata Beethovens 4. Sinfonie und Dvoráks Messe D-Dur zu Gehör. Mit Spannung erwartet er außerdem das Benefiz-Konzert mit Star-Trompeter Ludwig Güttler und Friedrich Kircheis am Sonntag (6.) in „seiner“ Kirche. Sie spielen zugunsten der wertvollen Färber-Orgel in der Kotzenbüller Kirche. Es beginnt um 20 Uhr, Einlass ist ab 19 Uhr.

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