zur Navigation springen

St. Peter-Ording : Ein Kindergarten im Wandel der Zeit

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die evangelische Kita in St. Peter-Ording feiert am 13. September ihr 50-jähriges Bestehen mit einem öffentlichen Fest. Mit 66 Plätzen fing es damals an, heute kommen 188 Jungen und Mädchen.

von
erstellt am 11.Sep.2015 | 11:00 Uhr

Mittlerweile besuchen schon die Enkel der ersten St. Peteraner Kindergarten-Kinder die Einrichtung in der Kirchenleye. 50 Jahre gibt es die Kindertagesstätte nun schon. Das wird am Sonntag, 13. September, groß gefeiert. Los geht es um 14 Uhr mit einem festlichen Auftakt im Zelt auf dem Sportplatz. Von 14.30 bis 15 Uhr sind die Grußworte zu hören, und um 15 Uhr startet dann das bunte Programm rund um Kindergarten und Hort. In einer Dia-Show werden Bilder von früher und heute gezeigt. Sicherlich werden viele Ehemalige die Gelegenheit nutzen, sich zu erinnern.

50 Jahre Kindergarten – das sind auch 50 Jahre Wandel im Familienleben und in der Pädagogik. Während früher die Mütter sich vielfach ausschließlich um Kinder und Haushalt kümmerten, sind heute viele alleinerziehend und/oder berufstätig. Sie sind auf einen Kindergartenplatz angewiesen, entsprechend hoch ist die Nachfrage. Schon damals hatte das Haus bis 17 Uhr geöffnet, wenn der Betrieb auch erst um 8.30 Uhr begann und eine Mittagspause von 12 bis 14 Uhr gemacht wurde. Heute gibt es ein durchgehendes Angebot von 7 bis 17 Uhr – für alle Kinder – vom Baby bis zum Grundschüler. Anders war es 1965, da mussten die Kinder trocken sein, wenn sie die Einrichtung besuchen sollten. Nur Drei- bis Sechsjährige wurden damals aufgenommen.

Kirchengemeinde und politische Gemeinde hatten das Projekt ins Leben gerufen. Die Kita im Badeort war eine der ersten auf der Halbinsel. Die Zusammenarbeit zwischen Kirche und Gemeinde besteht noch heute, es hat sich aber einiges geändert. Seit 1972 sind Tating und Tümlauer-Koog mit im Boot, und seit einigen Jahren ist der Träger nicht mehr die evangelische Kirchengemeinde des Badeorts, sondern das Kindertagesstättenwerk des Kirchenkreises Nordfriesland.

Und geändert hat sich vieles an der Arbeit im Kindergarten. Mit 66 Plätzen startete die Kita unter der Leitung von Katharina Schmidt. Es gab drei Gruppen. Auch Kinder von Feriengästen wurden tageweise betreut. Heute sind es 188 Jungen und Mädchen. Für die ganz Kleinen gibt es drei Krippengruppen mit 30 Plätzen, 15 von ihnen sind ganztägig dort untergebracht. 60 ältere Kinder nutzen die Ganztagsbetreuung von 7 bis 17 Uhr, weitere 20 sind nur bis 13 Uhr da. 18 Kinder besuchen die Naturgruppe, die ihren Standort am TSV-Platz in St. Peter-Böhl hat. Diese Dünenkinder sind in Wald und Dünen sowie am Strand unterwegs. Und dann gilt es noch, sich um die 72 Hortkinder aus der Grundschule zu kümmern, die in vier Gruppen in einem Trakt in der benachbarten Gemeinschaftsschule untergebracht sind. Dass alles reibungslos abläuft, dafür sind die Leiterin Brigitte Ranft-Ziniel und ihr Team zuständig. 38 Mitarbeiterinnen gehören zum pädagogischen Team, auch in Teilzeit, und acht weitere kümmern sich um Verwaltung und Hauswirtschaft. Denn die Kita hat eine eigene Küche, in der Frühstück, Mittagessen sowie ein Imbiss am Nachmittag zubereitet werden.

Die Betreuung der Kinder hat sich ganz und gar geändert. Ihnen wird nicht mehr vorgegeben, was sie zu tun haben, sondern sie dürfen selbst entscheiden, was sie machen, wann sie drinnen spielen, wann draußen, wann und mit wem sie frühstücken, ob sie um 12 oder um 13 Uhr Mittag essen. Erziehung zur Selbstständigkeit ist das oberste Gebot. Das geht schon beim Frühstück los, es ist als Büfett aufgebaut. Die Kinder dürfen selbst entscheiden, was sie essen und wie lange. „Natürlich gibt es Regeln“, betonen Brigitte Ranft-Ziniel und die Heilpädagogin Barbara Kirchner, die seit 20 Jahren in der Kita arbeitet und Koordinatorin für das neue Familienzentrum ist, dort werden die sozialen Angebote für Eltern vernetzt. „Wir beobachten, was die Kinder möchten, und leiten daraus unsere pädagogische Arbeit ab.“ Vor rund vier Jahren hat die Kita auf das Konzept des situationsorientierten Arbeiten umgestellt. Und so ist auch die Einrichtung der Gruppenräume flexibel gestaltet, so dass Tische, Stühle und Regale je nach Bedarf und Projekt umgestellt werden können.

Zwei feste Termine gibt es im Kita-Alltag: Das ist montags das Abenteuerturnen zusammen mit den Grundschülern in der Utholmhalle. „Da lernen sie schon Schüler und Lehrer ein wenig kennen “, sagt Brigitte Ranft-Ziniel. Und einmal die Woche dürfen sie in die Lern-Werkstatt und sich dort mit einem Thema ihrer Wahl befassen: mit Schreiben, Lesen oder Rechnen, mit einfachen Übungen für das tägliche Leben wie Schrauben, Fädeln, Abschließen oder mit einer Pinzette sortieren. „Die Kinder gehen gern hierher“, sagt Brigitte Ranft-Zinie. „Und ich bin immer wieder beeindruckt, wie konzentriert sie bei der Sache sind, welche ruhige Atmosphäre hier herrscht. Diese Ruhe haben die Jungen und Mädchen sehr gern.“

Ein weiterer, sehr wichtiger Grundpfeiler der Kita-Arbeit ist die Inklusion. „Denn was ist eigentlich normal?“, fragt Brigitte Ranft-Ziniel. „Für uns stehen die Stärken und Ressourcen des einzelnen Kindes im Vordergrund: Stärken stärken und Schwächen schwächen ist unser Motto.“ So erhält jedes Kind die individuelle Unterstützung, die es benötig – und das von Anfang an. „Und so war es von Anfang an in diesem Haus – hier war immer Platz für Kinder, ihre Eltern und ihre Bedürfnisse.“

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen