Friesischer Weihnachtsbaum : Ein Jülbuum als Fensterschmuck

Auch Äpfel sind eine Zierde für den friesischen Weihnachtsbaum: Kai-Uwe Thomsen und sein Schmuckstück.
Auch Äpfel sind eine Zierde für den friesischen Weihnachtsbaum: Kai-Uwe Thomsen und sein Schmuckstück.

Der Fahretofter Kai-Uwe Thomsen und seine Frau Christel pflegen einen alten friesischen Brauch: Sie wissen noch genau, wie ein Jülbuum am schönsten aussieht.

shz.de von
17. Dezember 2014, 06:30 Uhr

In dem malerischen Friesendorf Fahretoft in der Hans-Momsen-Straße 33 nahe der ehemaligen Hans-Momsen-Schule, in der Kai-Uwe Thomsen Hausmeister war und seine Frau Christel Sprachpatin in den Friesischstunden bei Greta Johannsen, wird ein alter friesischer Brauch lebendig gehalten.

Es handelt sich um das alljährliche Schmücken des „Jülbuum“, wie man den einstigen friesischen Weihnachtsbaum nennt. Weil sich die alten Friesen keinen Weihnachtsbaum leisten konnten und weil es an der Küste und auf den Halligen keine Nadelwälder gab, griff man eben zu einem Behelf.

Klever, wie die Friesen sind, verbanden sie beim Schmuck des Baumes Christliches mit Heidnischem und begründeten mit dem „Jülbuum“ einen Brauch, der immer noch gepflegt wird.

Christel Thomsen versteht es meisterhaft, einen solchen „Buum“ herzustellen. Ihr Mann Kai-Uwe baut das alljährlich wieder zu verwendende Holzgestell, bestehend aus einem in einen Untersatz gepflockten Stamm, von dem beiderseits vier Äste ausgehen und um deren Ende sich ein biegsamer Bogen spannt. Letzterer wird von frischem Buchsbaum umwunden, der bei Christel Thomsen im Hausgarten wächst.

Oben auf den Bogen kommen vier Adventskerzen, in das Geäst des „Jülbuum“ sogenanntes Känkentjüch – mit Rote-Beete-Saft bemaltes Gebäck in Form von Figuren mit Bedeutungen teils kalendarischer Art, teils biblischen Ursprungs: Es gibt den Mann, der zum Fischen herausfährt, das Korn für das tägliche Brot, den Hahn, die Milchkuh, das Schwein – und unten Adam und Eva unter dem Apfelbaum.

Was an Figuren in den Baum hineinkommt, wird binnendeichs und auf den nordfriesischen Inseln und Halligen unterschiedlich interpretiert. Doch all diesen kleinen Kunstwerken ist gemein, dass sie als althergebrachter Advents- und Weihnachtsschmuck gelten.

Die 57-jährige Fahretofterin, die die Fertigkeit des Jülbuum-Schmückens einst bei Friesischlehrerin Greta Johansen lernte, hat schon viele solcher Bäume hergestellt – für Freunde, Bekannte und andere Liebhaber friesischen Brauchtums. „Und jedes Jahr natürlich immer einen für uns“, sagt Christel Thomsen.

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