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Immer mit einem Lächeln : Ein Job mit Meeresblick

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Günther Ollech kassiert an der Badbrücke in St. Peter-Ording die Tageskurabgabe und hat einen guten Blick für Kurkarten-Schummler. Denn viele versuchen, mit Kassenbons, Essensmarken oder Mitarbeiterausweisen die drei Euro Gebühr zu sparen.

Genau einen Kilometer lang ist die Seebrücke in St. Peter-Ording. „Das sind dann zwei Kilometer hin und zurück“, rechnet Günther Ollech einem Badegast vor. Der steht mit Strohhut und Luftmatratze am Kassenhäuschen, schaut auf den langen Brettersteg und überlegt, ob er die Strecke zurücklegen will oder nicht. Und dann noch drei Euro dafür bezahlen? „Hier wird niemand gezwungen. Man muss da ja nicht runter“, sagt der Kassierer. Irgendwie logisch.

Sonne satt und Hochwasser. Ein idealer Badetag in St. Peter-Ording. Die Menschen strömen an den Strand. An vier Zugängen wird kassiert. Am Yachthafen, in Ording, in Böhl und an der Seebrücke. Und genau dort sitzt Günther Ollech in seinem Kassenhäuschen. Oder er steht davor. Seemannslieder von „Santiano“ dröhnen aus einen kleinen CD-Spieler. Kurze Hose, knallroter Pullover und ein freundliches Lächeln. Ollech ist gut gelaunt. „Das bin ich eigentlich immer“, sagt der ehemalige Bank-Angestellte und wirft einen lockeren Blick auf die vielen Kurkarten, die ihm immer wieder im Vorbeigehen vorgezeigt werden. Rote, grüne, gelbe und weiße Zettel strecken ihm die Badegäste entgegen. Die Kurkarten aus den unterschiedlichen Gemeinden gelten auch für die St. Peteraner Strände. Und nicht nur dort, sondern „in ganz Schleswig-Holstein – bis auf Sylt“, erklärt der 59-Jährige. Besucher aus Friedrichskoog, Nordstrand, Tönning, Lunden, Schönhagen und Westerdeichstrich hat er heute schon passieren lassen. Außergewöhnlich viele Badegäste kommen auch aus dem benachbarten Büsum. „Da ist ja derzeit eine große Baumaschinen-Ausstellung“, scherzt Ollech. Der Hauptstrand des dithmarscher Badeorts ist nämlich in diesem Sommer wegen einer großen Küstenschutzmaßnahme gesperrt. Riesige Kettenbagger und Lastkraftwagen statt Sandburgen und Strandtücher bestimmen dort das Bild.

Nicht so in St. Peter-Ording. Die größte Sandkiste Deutschlands bietet Platz und Ruhe für jedermann. An heißen Sonnentagen und an Wochenenden kann es am Kassenhäuschen deshalb schon mal zum Rückstau kommen. Ollech bringt nichts aus der Ruhe. Karte um Karte lässt er sich zeigen. Wer es nicht freiwillig macht, wird freundlich aufgefordert. Touristen, die keine Gästekarte haben, können sich bei ihm eine kaufen. „Was ist das denn?“, fragt Ollech plötzlich einen eiligen Gast, der den Kassenbereich schon souverän passiert hat – es jedenfalls angenommen hatte. Dessen vermeintliche Kurkarte stellt sich nämlich als Coupon einer Drogeriemarktkette heraus – Ollechs geschultem Blick entgeht nichts. „Drei Euro, bitte.“ Auch Kassenbons, Essensmarken und Mitarbeiterausweise werden dem Kassierer immer wieder als Kurkarten-Ersatz unter die Nase gehalten.

Was befindet sich am Ende der Brücke? Wie lange darf ich am Strand bleiben? Gibt es da unten auch Toiletten? Wie wird das Wetter morgen? Sind noch Strandkörbe frei? Fragen über Fragen – und Günther Ollech hat auf alle eine Antwort. Während der Großteil der Gäste bereitwillig das Portemonnaie öffnet, um zu bezahlen, gibt es immer wieder Strandbesucher, die sich wegen des Eintrittsgeldes beklagen. „Wenn die dann die Brücke halb runter sind, haben sie den Betrag längst vergessen“, sagt er und tippt mit einem kleinen Plastikstift auf sein Registriergerät.

Wenn Ollech nicht den Pullover seiner Arbeitgeberin, die Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording, trägt, zieht er sich ein Trikot seines Lieblings-Fußballvereins an: Borussia Mönchengladbach. „Da entwickeln sich dann automatisch ganz tolle Gespräche“, weiß er. Hin und wieder geht’s auch auch ernst zu. Dann nämlich, wenn Stammgäste, die in all den Jahren als Paar den Übergang nutzten, jetzt allein in den Urlaub fahren, weil ein Partner gestorben ist. Doch auch dann findet Ollech die passenden Worte. So auch bei Helmut Berlin. Der St. Peteraner fuhr früher den Hitzlöper und steuert jetzt täglich mit seinem Elektro-Rollstuhl das Kassenhäuschen an, um mit Ollech zu klönen.

„Nicht einfach nur stur rumstehen, sondern den Gästen mit einem Lächeln begegnen“, umschreib er seine Arbeitsphilosophie. Eigentlich hatte er sich vor einigen Jahren schon in den Vorruhestand verabschiedet, wurde dann aber im Supermarkt auf den Job bei der Tourismus-Zentrale angesprochen und sagte wenig später zu. Mittlerweile ist es seine vierte Saison – und noch lange nicht seine letzte.

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