Fluglotsen in Jagel : Ein Job mit besten Aussichten

Volle Konzentration während der Startphase eines Tornados im Jageler Tower: Ausbilder Michael Schröder (30, links) und Azubi Christoph Böhmer (25, Mitte) müssen nicht nur in diesem Augenblick hellwach sein. Foto: wim
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Volle Konzentration während der Startphase eines Tornados im Jageler Tower: Ausbilder Michael Schröder (30, links) und Azubi Christoph Böhmer (25, Mitte) müssen nicht nur in diesem Augenblick hellwach sein. Foto: wim

Eine Unterversorgung von 20 Prozent bei der Besetzung von Fluglotsen-Stellen beklagen sowohl zivile als auch militärische Flughäfen. Auch in Jagel ist das Tower-Team knapp besetzt.

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14. April 2011, 10:50 Uhr

jagel | Die gebräuchliche Berufsbezeichnung lautet schlicht und einfach Fluglotse. Aber selbstverständlich hat man bei der Luftwaffe - wie üblich in solchen Fällen - einen eigenen Ausdruck für diese Aufgabe. Hier sagt man etwas umständlicher: Flugverkehrskontrollleiteroffizier. Klingt kompliziert - und ist auch kompliziert. Deshalb gibt Michael Schröder (30) auch offen zu, "dass ich mir anfangs gar nicht vorstellen konnte, was sich dahinter verbirgt". Inzwischen weiß er es aber ganz genau, denn seit 2007 arbeitet er als eigenverantwortlicher "Kontroller", so die Luftwaffen-interne Kurzform, auf dem Tower und am Radar des Jageler Flugplatzes. Der Busdorfer ist dabei ein wichtiger Baustein in einem mit nur 13 weiteren Kollegen überschaubar kleinen Team - das eigentlich viel größer sein sollte. Denn wie auch im Bereich der zivilen Flugsicherung klagt die Luftwaffe über eine Unterversorgung an Fluglotsen von rund 20 Prozent, wie Schröder berichtet.
Dabei biete der Beruf des Fluglotsen, insbesondere auch bei der Bundeswehr, etliche Vorzüge, die ihn durchaus attraktiv machten. "Und das beschränkt sich nicht darauf, dass man vom Tower aus die beste Aussicht über den ganzen Flugplatz hat", wie Schröder betont. Vielmehr winken den Fluglotsen eine Offizierslaufbahn und gleichzeitig der Status als Berufssoldat, hinzu kommt der Vorteil eines regelmäßigen Schichtdienstes und eine sogenannte Flugsicherungszulage.
Mehr als drei Jahre dauert die Ausbildung zum Fluglotsen
Bis man allerdings endlich selbst in verantwortlicher Position auf dem Tower sitzt, ist es ein weiter Weg. Mehr als drei Jahre dauert die Ausbildung, bei der man sich neben dem spezifischen Fachwissen auch umfangreiches Vokabular in der englischen Sprache aneignen muss. Dazu müssen die Anwärter mehrere Monate in Fürstenfeldbruck und Kaufbeuren die Schulbank drücken. Bereits dabei splittet sich die Ausbildung in die beiden später getrennten Arbeitsbereiche: Tower und Bodenradarstation.
"Das alles ist nicht einfach, und über 50 Prozent der Anwärter scheitern an den Anforderungen", sagt Schröders Kollege Oberleutnant Björn Sievers und fügt an: "Man muss diesen Beruf auch zu einem gewissen Grad im Blut haben." Denn neben einem ausgeprägten Konzentrationsvermögen und räumlichem Verständnis muss man vor allem eines vorweisen können: Die Fähigkeit, auch in extremen Stresssituationen ruhig zu bleiben. "Denn gerade das Wissen darum, dass man die Verantwortung für Menschenleben trägt, damit kommen einige nicht klar." Wenn man diesem Druck jedoch gewachsen ist, "kann man einen echten Traumberuf ausüben", sagt Sievers. Und weiter: "Dieser Job war von Anfang an mein Ding.
Kein eintöniger Bürojob: "Es gibt immer wieder neue Verkehrssituationen"
Das liegt wohl auch daran, dass bei der Arbeit als Fluglotse keinerlei Routine aufkommt. Die Aufgabenverteilung, sowohl auf dem Tower als auch am Radar, werden täglich gewechselt, ebenso wechselt man zwischen den beiden Stationen stets hin und her. Dabei haben die "Kontroller" von der Überwachung des Flugverkehrs im Radius von 30 nautischen Meilen bis hin zur Kontrolle und Hilfestellung bei Starts und Landungen - insbesondere auch bei sogenannten Instrumentenflügen und entsprechend schlechter Sicht - allerhand zu tun. "Das ist kein eintöniger Bürojob. Es gibt immer wieder neue Verkehrssituationen und man wird immer wieder vor Aufgaben gestellt, bei denen man kühlen Kopf bewahren muss. Das ist sehr reizvoll", schwärmt Michael Schröder, der in diesem Jahr zum ersten Mal auch in Afghanistan ein paar Monate als Fluglotse im Einsatz sein wird.
Soweit sind Christoph Böhmer und Christopher Papenburg noch lange nicht. Sie stehen zurzeit in den Startlöchern einer möglichen Karriere als Fluglotse. Während Papenburg noch ganz am Anfang ist und erst einmal reinschnuppert, ob die Aufgabe etwas für ihn sein könnte, steckt der 25-jährige Christoph Böhmer bereits mittendrin in der Ausbildung. "Ich hatte mich schon lange für den Beruf interessiert, habe mich beworben und einige Tests bestanden. Jetzt sitze ich hier", sagt er. Und da die Personalsituation bei den Fluglotsen auch auf längere Sicht noch angespannt ist, sind die Aussichten für eine Zukunft auf dem Tower für ihn vielversprechend. "Ich kann es nur empfehlen. Dieser Job macht Spaß", bestärkt ihn sein Vorgesetzter und Ausbilder Michael Schröder.
(wim, shz)

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