Kreisbauernverband Husum-Eiderstedt : Ein Jahr im Zeichen des Wassers

0m1a2016
Foto:

Überflutete Felder und die afrikanische Schweinepest sind bestimmende Themen beim Kreisbauernverband Husum-Eiderstedt.

von
15. Januar 2018, 08:00 Uhr

Gespräche übers Wetter sind bei Jahresempfängen normalerweise die Verlegenheitslösung, zu der Tischnachbarn greifen, wenn sie sich sonst partout nichts zu sagen haben. Dass der Dauerregen der vergangenen Monate beim Neujahrsempfang des Kreisbauernverbands Husum-Eiderstedt am Freitagabend als Thema immer wieder aufschwappte, ist indes anders zu werten: Schließlich sind die überfluteten Felder für viele der Teilnehmer nicht nur ärgerlich, sondern sorgen teils für massive Einnahme-Einbußen. So lobte Melf Melfsen, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, in seiner Begrüßung den Verlauf des Jahres 2017 zwar als durchaus positiv für die Tierhalter – „auf dem Feld war es aber ein Jahr der Herausforderungen“.

Auch wenn er froh sei, dass es um Deutschland so gut bestellt sei, dass ein derartiges Naturereignis nicht wie vor 50 Jahren zu einer Versorgungskrise führe, müsse er gerade mit Blick auf Nordfriesland doch einige kritische Themen ansprechen: So bereiten dem Bauernverband im Zusammenhang mit der Windkraft die geplanten Landschaftsschutzgebiete weiterhin große Sorgen: „Ich hoffe, dass der Kreis dies noch einmal überdenkt, um den Bauern nicht Entwicklungschancen zu nehmen“, sagte Melfsen mit Blick auf Landrat Dieter Harrsen.

Burkhard Jansen, Fachbereichsleiter für Kreisentwicklung, Bauen, Umwelt und Kultur, ging später am Abend inhaltlich auf diese Bitte ein: Er könne die Betroffenheit der Grundbesitzer zwar verstehen – allerdings sei die Ausweisung der Landschaftsschutzgebiete aufgrund der rechtlichen Unsicherheit schlicht notwendig, wolle man bestimmte Gebiete frei von Windkraft halten.

Jansen sprach zudem das Thema Binnenentwässerung an. Wie auch Hans Friedrichsen vom Deich- und Hauptsielverband Eiderstedt machte er deutlich, dass die Probleme dringend angegangen werden müssen, man aber nicht auf schnelle Lösungen hoffen sollte.

Ein weiterer Themenschwerpunkt des Abends: Die drohende afrikanische Schweinepest, die auch den Tierhaltern in Nordfriesland Sorge bereitet. Harrsen versicherte, mit Vertretern der angrenzenden Kreise Maßnahmen erarbeiten zu wollen, wie man den Norden des Bundeslandes möglichst vor dem Virus schützen könne.

Schließlich sei die Herausforderung gewaltig, betonte der Landrat: Sollte der Virus nach Nordfriesland gelangen, müssten Sperrgebiete für ein Jahr eingerichtet werden. „Und dann sprechen wir nicht mehr von der Jagd auf Wildschweine, sondern von der Tötung ganzer Wildschweinhorden“, sagte Harrsen, dem diese Vorstellung sichtlich unbehaglich war.

Aus „Sicht der Banken“ sprach an diesem Abend Eckhard Rave die Themen an, die ihm auf den Nägeln brennen: „Es macht mich wütend, wenn es heißt, die Landwirte klagen auf hohem Niveau“, sagte der Vorsitzende der VR Bank Westküste vor dem Hintergrund von „Gülle- und Wasserkrise“: „Ich weiß von Landwirten, die überlegen, ihre Felder nicht zu bestellen, weil es sich angesichts der Wetterverhältnisse kaum lohnt.“

Neben den Sorgen der Landwirte bewege ihn aber auch die generelle Entwicklung des Kreises: „Der Zustand der Straßen und der Schienen ist katastrophal. Es gibt so viel zu tun – aber die Zeit läuft uns davon!“ Er forderte von der Politik, Themen nicht am grünen Tisch zu entscheiden, sondern auch „die Praktiker ranzulassen“.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen