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Menschen des Jahres 2015 : Ein Heim auch für besondere Fälle

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Auf dem Winderthof von Simone Niklas kommen die Tiere unter, die woanders wohl keinen Platz mehr finden würden. Trotzdem sieht sie in ihrem Hof nicht nur eine Hilfe für Tiere, sondern auch für Menschen.

„Nicht wundern“, sagt Simone Niklas, als sie die Tür zu Matzkes Zwinger öffnet, „das ist nur ein halber Hund.“ Und herausgerannt kommt ein freudig erregter Schäferhund – ohne Hals, ohne Rute und mit verkürztem Rücken – aber mit bester Laune. An der nächstbesten Ecke hält er an, um sich zu scheuern. „Das macht er, weil er mit seinen Beinen nicht an seinen Rücken kommt“, sagt Niklas. „Der ist so auf die Welt gekommen.“

Matzke ist eines von rund 60 Tieren, die zusammen mit Simone Niklas auf dem Winderthof in Lütjenholm leben. Da, ganz im Süden der Gemeinde, unweit der Grenze zu Högel, betreibt die 49-Jährige seit 19 Jahren ein privates Tierheim. Und das sieht so gar nicht aus, wie man sich ein Tierheim sonst vorstellen würde: Katzen haben ihre eigenen Zimmer, Hunde liegen vor dem knisternden Kamin, Pferde grasen im idyllisch angelegten Garten. Matzke ist einer der wenigen Hunde, der seinen Zwinger vorzieht. „Er versteht sich gut mit den Anderen“, sagt Simone Niklas, „aber er ist einfach auch mal gern für sich allein.“ Der Schäferhund mit dem ungewöhnlichen Aussehen ist einer der Bewohner des Winderthofs, die in anderen Tierheimen wohl keinen Platz gefunden hätten. Aber bei Simone Niklas bekommen auch die eine Chance, die anderswo vielleicht nicht mehr so viel Glück hätten: Behinderte und kranke Tiere, bissige Hunde oder Wildkatzen.

Es ist etwa zweieinhalb Jahre her, da klingelte eines Abends das Telefon von Simone Niklas. Matthias Matzke vom Husumer Ordnungsamt war in der Leitung: Er komme heute Abend mal vorbei, habe hier etwas für sie, sagte er. Der kurze Schäferhund war ausgesetzt worden und der Mitarbeiter des Ordnungsamtes wusste, wo er wohl am besten aufgehoben sein würde. Simone Niklas nahm das Tier auf – und benannte es nach seinem Boten.

Ihren Traum von einem Tierheim hatte die gebürtige Berlinerin schon immer. Nur bis sie den geeigneten Ort gefunden hatte, vergingen einige Jahre. „Es gab eigentlich nur drei Voraussetzungen: Das passende Haus, abseits gelegen und nicht weit weg vom Wasser.“ Dass es am Ende Nordfriesland geworden ist, war ein Zufall. „Es hätte genausogut die Bretagne werden können“, sagt sie. Doch in Lütjenholm hat alles gepasst. Also zog sie 1996 in das im Grunde unbewohnbare Haus, fing an zu renovieren und nahm schon ein Jahr später die ersten Tiere auf.

Seitdem hat die Hufpflegerin Lütjenholm nur selten für längere Zeit verlassen können. Das Tierheim bedeutet für sie fast einen 24-Stunden-Job, 365 Tage im Jahr. Die Hunde werden dreimal am Tag spazieren geführt, Katzen und Enten versorgt, Pferde auf die Wiesen geführt und deren Boxen ausgefegt und sauber gemacht. Zwar gibt es auch treue Helfer, die Niklas seit Jahren unterstützen – Geld verdient aber niemand. „Die Spendengelder werden ausschließlich für Futter und Tierarztkosten eingesetzt“, erzählt sie. Der Rest finanziert sich aus einer Tierpension und ihrem eigentlichen Job als Hufpflegerin.

Trotzdem sieht sie in ihrem Hof nicht nur eine Hilfe für die Tiere. „Alles hier kommt auch Menschen zugute.“ Niklas nimmt die Tiere von Verstorbenen auf und somit den Angehörigen eine Last ab, regelmäßig kommen Jugendgruppen vorbei, um zu helfen. „Eine meiner Helferinnen kam vor 15 Jahren über ,Schüler helfen leben’ zu mir.“ Bis heute hilft sie ehrenamtlich mit. „Die jungen Leute merken, dass mehr dazugehört, als sich um die Tiere zu kümmern. Es gibt ihnen selbst etwas, sie können etwas bewegen und lernen Verantwortung zu übernehmen“, ist sich Simone Niklas sicher.

2004 gründete sie mit ein paar Freunden schließlich den Verein „Natur- und Pferdehilfe zur Selbsthilfe“ – mit dem einzigen Grund, Spendenbescheinigungen ausstellen zu können. Doch auch die Vereinsmitglieder bringen sich ein – obwohl sie in ganz Deutschland verteilt wohnen. Die eine läuft in Berlin über Secondhand-Märkte und schickt beispielsweise Pferdedecken, die andere betreut die Homepage des Vereins, über die auch Tiere vermittelt werden.

Doch nicht jeder bekommt so leicht ein Haustier aus Lütjenholm. Zuerst lernt Niklas den Menschen kennen, dann entscheidet sie, welches Tier zu ihm passen könnte. „Hier sind schon Leute gewesen, die einen Labrador haben wollten und dann mit einem Pudel nach Hause gegangen sind“, sagt sie und lacht.

Teilweise dauere es nur einen Tag – „wenn ich eine Anfrage habe und dann ein Tier kommt, das zu dem Menschen passt, rufe ich an, und es ist gleich wieder weg“, sagt sie. Andere bleiben über Jahre. So wie der von Geburt an blinde Pok oder Djego, ein ehemaliger Schutz- und Wachhund der Bundeswehr. Neun Jahre lebte dieser im Zwinger. Irgendwann war er so scharf, dass sein komplettes Umfeld Angst vor ihm hatte. Heute aber sind Pok und Djego die besten Freunde. Und Simone Niklas weiß, dass sie wahrscheinlich für immer bei ihr auf dem Winderthof bleiben werden.

Der vor elf Jahren gegründete Verein „Natur- und Pferdehilfe zur Selbsthilfe“ arbeitet unabhängig von anderen Organisationen und erhält keine Zuwendungen von Dachverbänden oder dem Staat. „Mit Tieren Geld zu verdienen – das passt für mich nicht“, sagt Simone Niklas. Das Motto des Vereins lautet 100 Prozent Tier, null Euro Bürokratie. Spendengelder landen also auf direktem Wege da, wo sie ankommen sollen. Wer an Natur- und Pferdehilfe zur Selbsthilfe spenden will, tut dies an die Kontonummer 100  081  00 bei der Nord-Ostsee Sparkasse (BLZl: 21750000) bzw. an die IBAN: DE70217500000010008100 (BIC: NOLADE 21NOS).

Abstimmen: Menschen des Jahres 2015

Leser können sich auf vielfältige Weise an der Aktion „Menschen des Jahres 2015“ beteiligen: www.shz.de/nachrichten/aktionen/mensch-des-jahres. Sie können für ihren „Menschen des Jahres“ auch anrufen (für 14 Cent pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunk deutlich teurer). Die Stimmen werden bis zum 22. November, 24 Uhr, gesammelt.

 

Die Rufnummer für Simone Niklas lautet: 01375-80400489-02

Oder schicken Sie eine SMS mit dem Inhalt „shz hn“ und der Kandidatennummer 02 für Simone Niklas an die Nummer 42020 (Kosten tarifabhängig, wie normale SMS).

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erstellt am 04.Nov.2015 | 16:00 Uhr

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