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Speicher in Husum : Ein Haus mit Rundum-Wohlfühl-Paket

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Speicher Husum macht weit über die Grenzen Nordfrieslands hinaus von sich reden – beim Publikum und bei den Bands. Und wenn es etwas nicht gibt: „Nicht meckern, sondern machen“, sagt Geschäftsführerin Noren Fritsch.

Als Kulturzentrum hat er enorme Strahlkraft – und die kommt Husum zugute. Das hat der Speicher jetzt erneut unter Beweis gestellt, als bereits zum fünften Mal Singer und Songwriter aus Deutschland, den USA und Australien beim Husum-Harbour-Festival auf der Bühne standen – in einer bunten Mischung aus Newcomern und etablierten Musikern. Diesmal waren Projektor, Florian Ostertag, Talking to Turtles, Scott Matthew sowie der Nada-Surf-Frontmann Matthew Caws mit von der Partie. Und wie schon seine vier Vorgänger war auch dieses Festival ausverkauft. Aber die sechste Auflage am 9. und 10. April nächsten Jahres steht schon, und auch die ersten Gespräche mit Künstlern wurden bereits geführt. Speicher-Geschäftsführerin Noren Fritsch und Harbour-Mitbegründer Sebastian Madej ziehen Bilanz und wagen einen Ausblick in die Zukunft.

 

Fünf Jahre – ein kleines Jubiläum. Und ein Grund weiterzumachen, oder?

Madej: Auf jeden Fall. Aber das entscheide ich ja nicht allein (sagt er unter Hinweis auf die Montagsrunde, das Entscheidungsgremium des Speichers). Ich meine, wir holen jedes Jahr hochklassige Musiker her. Der Erfolg und das Ansehen, das Husum Harbour bei den Künstlern genießt, geben uns recht. Die Zuschauer kommen von weither – aus ganz Deutschland, Dänemark und zum Teil sogar aus Österreich. Nur
vor Ort könnte das Interesse ein bisschen größer sein.

Fritsch: Das stimmt. Vielleicht treffen wir in diesem Fall den „regionalen Musikgeschmack“ nicht. Aber von unseren Festival-Besuchern profitieren Tourismus, Hotels, Restaurants und Einzelhandel. Und die Stadt natürlich auch, denn viele belassen es nicht bei einem Besuch.

 

Sind diese Haus-In-Haus-Veranstaltungen eigentlich so eine Art Erfolgmodell für den Speicher?

Fritsch: Ja, kann man so sagen. Der „Hafen rockt“ ist ja auch so ein Eigengewächs. Und ich allein könnte das alles gar nicht auf die Beine stellen – weder inhaltlich, noch organisatorisch. Ist doch gut, wenn Leute, die sich für etwas begeistern, diese Sache dann auch selbst in die Hand nehmen. Ich sag’ immer: Wenn jemand im Speicher was vermisst, nicht meckern, machen.

 

Was ist das Besondere gerade am Husum-Harbour-Festival?

Madej: Dass sich die Musiker ganz normal durchs Publikum bewegen, Teil des Ganzen sind, die Gemeinschaft, die Stimmung, die Kommunikation.

Fritsch: Und dass wir das ehrenamtlich wuppen. Wenn schon nachmittags Käsebrötchen gebacken und nachts der letzte euphorische Künstler ins Hotel gebracht wird. Außerdem wird der Speicher jedes Mal eigens für die Bands aufgehübscht.

Madej: Das kommt bei den Musikern richtig gut an. Einige fragen sogar, ob sie die Deko nach dem Konzert mitnehmen können, posten sie bei Facebook oder hängen sie zuhause auf.

 

Angesichts der vielen Retortenbands, die zum Teil wie eigens von den Plattenfirmen gemacht und zum Erfolg verdammt scheinen, ist es ja schon fast verwunderlich, dass es überhaupt noch Singer/Songwriter gibt?

Madej: Ich denke, die meisten arbeiten tatsächlich am Existenzminimum. Das ist kein dankbares Genre. Und die Euphorie ebbt auch schon wieder ab. In letzter Zeit entwickelt sich das Ganze zusehends Richtung Folkrock beziehungsweise Folkpop.

 

Passt dieses Format besonders gut zum Speicher?

Fritsch: Wunderbar, und weil wir inzwischen eine feste Crew haben, die sich darum kümmert, wird es von Jahr zu Jahr ein bisschen einfacher. Anfragen gibt es übrigens überreichlich. Aber das gilt für den Speicher insgesamt (lacht). Alle wollen hier spielen.

 

Wie wichtig sind solche Häuser wie der Speicher für randständige Musikbereiche und ihre Entwicklung?

Fritsch: Es gibt ja außerhalb von großen Hallen und den Charts eine wahnsinnig große, lebendige und vielfältige Musikszene. Da tummeln wir uns und hoffen, die Perlen zu entdecken. Wenn jemand im Speicher spielt und dann „groß“ wird, hat das für uns auch was mit Glück zu tun  .  .  .

Madej: Ich glaube, man kann heute in der Musikbranche nicht mehr groß werden, weil man es will. Promotion und Radio-Sender, die einen spielen, sind die Schlüssel zum Erfolg.

Fritsch: Gelungen ist das zuletzt mit Moop Mama, die jetzt als Vorgruppe von Jan Delay an den Start gegangen sind. Als die im vergangenen Jahr hier spielen sollten, hatten wir gerade mal 20 Karten verkauft. Dann machten sie an der Hafenkante spontan etwas musikalische Eigenwerbung – und abends war die Hütte voll. Auch das ist der Speicher.

 

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erstellt am 15.Apr.2015 | 11:00 Uhr

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