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Schifffahrtsmuseum Nordfriesland : Ein Hafen im Laufe der Jahrhunderte

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Neue Sonderausstellung im Schifffahrtsmuseum Nordfriesland beschäftigt sich mit dem maritimen Wirtschaftsmittelpunkt der Stadt.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2013 | 08:00 Uhr

Husum | Husum hat eine Besonderheit: Einen Hafen, der praktisch bis in die Innenstadt reicht. Und genau mit dieser Besonderheit beschäftigt sich eine Institution, die direkt am östlichen Ende des Beckens zu finden ist: das Schifffahrtsmuseum Nordfriesland. "Der Husumer Hafen und seine Schiffe von der Entstehung bis heute" heißt die neue Sonderausstellung, die bis zum Herbst zu sehen ist, und sie schlägt einen Bogen von 1588 bis ins Jahr 2013.

"Eigentlich reicht die Entstehungsgeschichte sogar bis 1362 zurück, als Husum durch die große Sturmflut an die Hever angeschlossen wurde", erläutert Museumsleiterin Karin Cohrs und deutet auf die Nachdrucke zweier Kupferstiche des Hafens von Franz Hogenberg, die 1588 und 1598 in zwei Bänden des Werks "Die 500 berühmtesten Städte des Erdkreises" des Gelehrten Georg Braun erschienen sind. Warum Husum gleich zwei Mal in dieser Liste erscheint? "Das kann man nicht erklären", sagt Karin Cohrs kopfschüttelnd.

Die Karten aus früheren Jahrhunderten muten für uns seltsam an - sie sind nicht nach Norden ausgerichtet, sondern zeigen Inselwelt und Hafeneinfahrt aus ungewöhnlicher Perspektive. "Die Nordausrichtung begann erst im 17. Jahrhundert, aber es brauchte seine Zeit, bis sie sich komplett durchgesetzt hat", so die Museumsleiterin. Ungewöhnlich daher der Anblick der ausgestellten Kopie der ältesten gedruckten Seekarte Nordeuropas von 1543. Und auch die Karte von Kapitän Hinrich Frahm-Rosencrantz - übrigens die einzige Leihgabe in der Sonderschau - ist noch gedreht. Immerhin enthält das wertvolle Stück von 1767 eine Segelanweisung, die den Skippern von damals helfen sollte, sicher durch die Untiefen des Wattenmeeres in den Hafen zu gelangen. Und wie bei allen ausgestellten alten Schriften ist auch hier der Text noch einmal in heutiger Schreibweise auf einem separaten Schild aufgeführt, was das Lesen ungemein erleichtert.

Weiter geht es zu schematisierten Darstellungen, wie die Sturmfluten den Weg zum Hafen immer weiter öffneten, und auch das untergegangene Rungholt ist präsent. Die Ausstellung streift kurz die Geschichte des Husumer Walfangs, die 1698 mit zwei Schiffen begann. "Aber das war nicht sonderlich erfolgreich und wurde schnell wieder eingestellt", weiß Karin Cohrs. Auch die im Jahr 1700 erbaute Tranbrennerei in Husum habe nicht sehr lange existiert.

Eine Stellwand beschäftigt sich mit den Fischern, eine weitere zeigt Schiffsbilder und -register aus dem 19. Jahrhundert. Das geplante Dockhafenprojekt von 1848 wird ebenfalls vorgestellt. Und alte Fotos gibt es zuhauf, vom Hafen selbst, von den Schleusen und den angrenzenden Straßen, von den Silos und von Wasserfahrzeugen.

200 Jahre Werftgeschichte verteilen sich auf Fotos, Pläne, Skizzen und Modelle. Vom Seebäderschiff "Malmö", das 1969 auf der Werft gebaut wurde, ist ein edles Halbmodell aus Holz ausgestellt. "Die wurde drei Mal verkauft und fährt heute noch, als ,Saga Lejon von Stockholm aus", erläutert Karin Cohrs. Auch ein Modell der 1912 als "Fritz Reuter" eigentlich für die Fahrt auf Flüssen gebauten dritten "Stadt Husum" ist zu sehen, die vor dem Zweiten Weltkrieg und dann wieder ab 1949 durch die Insel- und Halligwelt schipperte, bis sie 1963 mitten im Husumer Hafen unterging.

Den Übergang vom Schiffsbau zur Windkraft und die heutige Ausrichtung und Wirtschaftskraft des Hafens dokumentieren großformatige Farbfotos, ergänzt durch eine mit Leuchtdioden bestückte Karte der Bojen und Lichtzeichen im Wattenmeer vor den Toren der Stadt. Mit der Positionierung dieses Exponats ist die Museumsleiterin aber noch nicht ganz zufrieden: "Die Stelle hier ist zu hell, im Halbdunkel kommt die Karte viel besser zur Geltung."

Das Museum am Zingel 15 ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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