Für Wildtiere in Not : Ein Häschen-Paradies auf Zeit

Gerettet:  Dieser  kleine Geselle wäre  fast  beim  Biikefeuer  verbrannt.   Foto: Kraus
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Gerettet: Dieser kleine Geselle wäre fast beim Biikefeuer verbrannt. Foto: Kraus

Wildtierstation Arlewatt päppelt zurzeit sieben kleine Mümmelmänner auf / Im vergangenen Jahr nahm die Einrichtung 303 notleidende Tiere auf

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30. März 2013, 09:09 Uhr

Arlewatt | Mäxchen hat Hunger. Aufgeregt zappelt er in Steffi Nünnings Hand. Kaum hat sie dem kleinen Feldhasen die Flasche gereicht, schnappt sein kleines Mäulchen auch schon nach dem Schnuller. Mit groß aufgerissenen Kulleraugen saugt Mäxchen, was das Zeug hält. Vor lauter Gier geht dem kleinen Kerl die Hälfte daneben. "Langsam, langsam", lacht Steffi Nünning und rückt die Flasche wieder zurecht.

Mäxchen ist eines von sieben Feldhasen-Babys, die zurzeit in der Wildtierstation in Arlewatt aufgepäppelt werden. Drei waren von Katzen angeschleppt worden, zwei hatten Hunde aufgespürt. Die Halter überließen die Tierbabys nicht ihrem Schicksal, sondern suchten Hilfe bei der Fachfrau. Auch Mäxchen hatte Glück im Unglück: Ein Kind fand das Fellknäuel auf dem Schulweg halb erfroren in einer Eispfütze. Geistesgegenwärtig packte es das zitternde Wesen in seinen Schal und brachte es flugs zu seiner Mutter. Und die rief sofort bei der Wildtierhilfe in Arlewatt an und bat um Hilfe.

"Ich bin richtig froh, dass unser Verein immer bekannter wird, und die Menschen sich bei uns melden", strahlt Steffi Nünning. Die Tierfreundin kümmert sich schon seit elf Jahren ehrenamtlich um hilflose, verwaiste und verletzte Wildtiere. Vor drei Jahren hat sie mit einer Handvoll Gleichgesinnter den Verein Wildtierhilfe Arlewatt gegründet. Dieser wurde als gemeinnützig anerkannt. Das hat auch den Vorteil, dass Spendenbescheinigungen ausgestellt werden können. Denn: Unterstützung tut Not. Die Familie Nünning kann die anfallenden Futter- und Tierarztkosten bei der wachsenden Zahl an Pfleglingen längst nicht mehr aus eigenen Kasse bestreiten. Im vergangenen Jahr, so wurde bei der Jahresversammlung in der Gaststätte Carstens in Horstedt deutlich, waren 303 Tiere aufgenommen worden - vom verwaisen Eichhörnchen bis zum verletzten Schwan. Steffi Nünning: "Gut die Hälfte davon haben wir durchbekommen und konnten sie in die Freiheit entlassen." Das Higlight unter all den Patienten auf Zeit war ein zwei Tage altes Uhu-Küken. Nach etwa sechs Wochen hatte es sich so gut entwickelt, dass es in die Wildtierstation Soltau in der Lünebürger Heide umziehen konnte. Dort gibt es große Volieren, wo Greife durch Flug-Training und Beutefang auf die freie Wildbahn vorbereitet werden können. Und was für den heranwachsenden Uhu aus Nordfriesland ganz toll war: Er hatte dort auch einen Kumpel.

"Man soll ja Zukunfts-Visionen haben", lächelt die 38-Jährige versonnen. "Und so ist unser großer Wunsch, auch einmal eine so große Flug-Voliere zu haben." Aber: Dafür braucht man Platz und das nötige Kleingeld.

Ein großer Wunsch des Vereins ist im vergangenen Jahr schon in Erfüllung gegangen. Seine Wildtierstation - übrigens die einzige in Nordfriesland, die vom Veterinäramt anerkannt ist - durfte ein Wildgatter einrichten. Eine Urlauberin auf Sylt hatte in den Husumer Nachrichten von dem Vorhaben gelesen und wollte helfen. Mit ihrer großzügigen Spende und Dank dem ehrenamtlichen Einsatz vieler Helfer konnte ein Areal in der Hattstedter Marsch dafür hergerichtet werden. Gleich fünf Rehkitze hatten in der ersten Saison gut davon. "Wir haben sie im Oktober als kernige Jungtiere der Natur zurückgeben", freut sich Steffi Nünning.

Mit dem Frühjahr geht es nun wieder los mit dem Nachwuchs in der Tierwelt. "Bitte nicht einfach hilflos erscheinende Jungtiere einsammeln", appelliert die Fachfrau. "Erst vergewissern, ob das Jungtier wirklich Hilfe braucht, und im Zweifel lieber bei uns anrufen und die Situation schildern." Denn ohne Grund ein Kitz, ein Häschen oder einen Jungvogel der Natur entnehmen gleiche einer Kindes-Entführung, macht Nünning deutlich. Und: Keinesfalls aufgesammelte Tiere ohne Rücksprache füttern. Da habe es doch wohlmeinende Zeitgenossen gegeben, die einem Vogelküken Kaffeesahne eingeflößt haben. "Aber Vögel sind keine Säugetiere", so Nünning, und auch für Igel sei Milch das reinste Gift. Sorgen macht sich die Tierfreundin auch, wenn jetzt die Osterfeuer lodern. "Wenn die Reisighaufen vor dem Anzünden nicht umgesetzt werden, verbrennen Igel, Hasen und Insekten qualvoll."

Kontakt: Telefon 04846/1834, E-Mail: Wildtierhilfe.Arlewatt@web.de, Kontonummer: 9456813, Volks- und Raiffeisenbank eG, BLZ: 217 62550.

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