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Bürgermeister sauer : Ein großer Krater für Steuergelder

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Bürgermeister von Seeth beklagt die Investition von 60 Millionen Euro in die Husumer Kaserne. Nach seiner Einschätzung ist die Stapelholm-Kaserne, die in diesem Sommer geschlossen wird, modern ausgestattet.

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erstellt am 22.Apr.2015 | 16:00 Uhr

Peter-Wilhelm Dirks ist sauer, richtig sauer. Der Bürgermeister von Seeth, der knapp 570-Einwohner-Gemeinde, die von der B 202 zerschnitten wird, wirft der Bundesregierung Verschwendung vor. Steuermillionen werden, so sagt er, unnütz ausgegeben. Peter Dirks, in dessen Gemeinde die Stapelholm-Kaserne liegt, die im Sommer dieses Jahres geschlossen wird, war entsetzt, als er durch einen Bericht in unserer Zeitung erfahren hat, dass Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen 60 Millionen Euro in die Modernisierung der Julius-Leber-Kaserne in Husum stecken will. Damit will das Verteidigungsministerium unter anderem die Unterkünfte und die Truppenküche auf den neuesten Stand bringen.

„Das ist für den Standort Husum eine gute Nachricht“, sagt Dirks, „für mich als Standortbürgermeister der Stapelholm-Kaserne in einer strukturschwachen Region ist das nicht nachvollziehbar. Im nur 25 Kilometer entfernten Husum werden Millionen investiert und in unser modernen Kaserne mit Platz für 1000 Soldaten, in der noch 2011 ordentlich gebaut wurde, soll Schluss sein.“ Dirks wundert sich, denn in der Stapelholm-Kaserne gibt es beispielsweise eine nagelneue Lkw-Waschstraße, die noch nie benutzt worden ist, eine Tankstelle für Kartennutzung und jedes Gebäude ist mit einem modernen Breitbandanschluss (eine Million Euro Investition) versehen. Zudem gibt es eine neue Truppenküche, ein großzügiges Übungsgelände von 170 Hektar Größe, das auch von den Husumer Soldaten genutzt wird. Und als besonderes Highlight gibt es dort Übungsgebäude für die Feuerwehr, die auch von den Husumer Soldaten genutzt werden.

„Ich gönne den Husumern die Investition, doch als ehrenamtlicher Bürgermeister frage ich mich schon, ob eine hochmoderne Kaserne geschlossen werden muss, während nur 25 Kilometer entfernt 60 Millionen in die Modernisierung der Dinge investiert werden sollen, die bei uns auf dem neuesten Stand sind.“

Der Bürgermeister ist besonders empört, dass sich weder der damalige Verteidigungsminister Lothar de Maiziere noch seine Amtsnachfolgerin Ursula von der Leyen den Standort Seeth angesehen haben. Er wirft auch dem nordfriesischen CDU-Bundestagsabgeordneten Ingbert Liebig vor, sich „nicht einmal die Mühe gemacht zu haben, sich diesen Standort anzusehen. „Vielleicht hätten sie dann gesehen, dass sie keine 60 Millionen Euro brauchen.“ Peter Dirks, der stets auf eine gesunde Gemeindefinanzierung achtet: „Aber das Geld, das man nicht selbst verdient, lässt sich bekanntlich gut ausgeben.“

Sehr enttäuscht ist Dirks von Liebig, der ihn seinerzeit von der in Berlin beschlossenen Standortschließung telefonisch unterrichtet hatte. „Er wollte mich seinerzeit mit den Worten trösten, stecken sie den Kopf nicht in den Sand, List ist auch geschlossen worden.“

Bürgermeister Peter Dirks fragt sich, wie weit die ehrenamtlichen Gemeindepolitiker noch die „Verschwendungssucht und Willkür der Bundesregierung ertragen können.“ Zumal seiner Ansicht nach das Ehrenamt ohnehin nicht genügend gewürdigt werde. „Wenn wir bei der Europa-Wahl 16 Stunden unserer Freizeit zur Verfügung stellen, dann erhalten wir als Aufwandsentschädigung 21 Euro. Gleichzeitig schleudert das Ministerium 60 Millionen Euro raus und schließt eine hochmoderne Kaserne, um eine andere auf deren Stand zu bringen.“

Frustriert ist der Gemeinde-Chef und weiß nicht, wie er seinen Bürgern die Schließung und Geldverschwendung erklären soll. „Ich habe jegliches Vertrauen und Verständnis in die Politikerinnen und Politiker auf Landes- und auf Bundesebene verloren. Wie kann so mit Steuergeldern umgegangen werden?“

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