Maria-Loge in Husum gegründet : Ein Geheimbund nur für Frauen

Annegret von Hielmcrone präsentiert das gravierte Schild, das am Haus der Johannis-Loge angebracht werden soll.
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Annegret von Hielmcrone präsentiert das gravierte Schild, das am Haus der Johannis-Loge angebracht werden soll.

30 Frauen haben in Husum die zweite Maria-Loge Deutschlands gegründet. Ziel dieses Freundschaftsbundes ist es, die Persönlichkeitsentwicklung von Frauen zu fördern. 230 skandinavische Ordensschwestern verfolgten das Zeremoniell.

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08. Mai 2009, 06:24 Uhr

Husum | Ursula Johannesen war mit 92 Jahren die älteste Teilnehmerin der dreitägigen Veranstaltung. Die Liebe hatte die gebürtige Berlinerin vor 64 Jahren nach Norwegen verschlagen, erzählte sie mit schwärmerischer Leidenschaft und funkelndem Blick. Jetzt sei sie gern wieder nach Deutschland gekommen, um in Husum der Gründung der zweiten Maria-Loge Deutschlands beizuwohnen. "Mit über 90. Das ist doch gut, oder?", so die norwegische Logen-Schwester lächelnd.
Viele bunte Trachten

Vor einem Jahr sei sie während der Planungen schon einmal Gast in der Storm-Stadt gewesen, verriet sie in bestem Deutsch. Und dass sie stolz darauf sei, im Vorfeld der Gründung der ersten deutschen Loge in Bremen die Lehre des Ordens vom Norwegischen ins Deutsche übersetzt zu haben. "So macht es doch wenigsten einmal Sinn, dass ich die beiden Sprachen gelernt habe." Wie die 92-Jährige waren alle Besucherinnen sehr angetan: "Es war überwältigend und wunderschön organisiert - eine beeindruckende Gründungsveranstaltung im Logenhaus. Und so viele schöne bunte Trachten", schwärmte Schwester Brekka aus Stabekk in Norwegen.

Zur Präsidentin der zweiten deutschen Maria-Loge wurde Annegret von Hielmcrone gewählt. Daneben gibt es einen vierköpfigen Vorstand. Von den Freimaurern hat die Maria-Loge zur Gründung ein graviertes Messingschild geschenkt bekommen. Es soll in Kürze am Logenhaus angebracht werden.
Jede Frau könnte Mitglied werden

Mitglied des Maria-Ordens kann jede Frau werden, so die Vorsitzende: "Der Leitspruch des Ordens lautet: ,Erkenne dich selbst." Mindestalter sei 25 Jahre. "Jede kann mitmachen. Man muss nicht in der Kirche sein, darf aber keiner gleichartigen geheimen Vereinigung angehören."

Geheim? Das hört sich für Außenstehende zunächst ein wenig mysteriös, konspirativ, sektenhaft an. Ist es aber definitiv nicht, unterstreicht von Hielmcrone: "Die Maria-Loge ist ein in sich geschlossener Freundschaftsbund gleichgesinnter Frauen aus dem gesamten norddeutschen Raum. Die Gründungsmitglieder sind zwischen 40 und 70 Jahren alt. " In den skandinavischen Logen sei die Altersspanne noch deutlich höher. "Wichtig ist uns vor allem der Glaube an Gott, da die Lehre des Ordens auf christlich-ethischen Grundlagen basiert."

Wesentlich sei der aufrichtige Wunsch, an seiner Persönlichkeit zu arbeiten, und sich sein ganzes Leben lang rücksichtsvoll gegenüber anderen zu verhalten. "Wir bieten keinen Ersatz für Religion und sind auch kein Verein, der psychologisch berät. Es gibt aber international gültige Rituale, einem Gottesdienst vergleichbar. Kehrt man in einem anderen Land bei einer Loge ein, fühlt man sich gleich heimisch."
Maria-Loge stellt sich in der Husumer Kulturnacht vor

Annegret von Hielmcrone pflegt seit 1991 Kontakte zur Loge im südschwedischen Malmö und war 1996 Gründungsmitglied der Bremer Loge. In Husum konnte sie 230 Schwestern aus Dänemark, Finnland, Schweden Norwegen und Bremen begrüßen. Zwei reisten sogar aus dem fernen Island an.

Bis zur Sommerpause werden sich die Logenmitglieder regelmäßig treffen, ab September dann zwei Mal monatlich. Auch wenn die Treffen der Frauen in der Johannis-Loge stattfinden, gibt es keine Verschmelzung: "Wir arbeiten selbstständig und inhaltlich unabhängig", so von Hielmcrone. In der Kulturnacht am Sonnabend, 11. Juli, wird sich die Maria-Loge der Öffentlichkeit vorstellen.

Weitere Informationen gibt Annegret von Hielmcrone, Süderstraße 14, Telefon 04841/2666.

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