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Gemeinschaftliche Sisyphusarbeit : Ein Geduldsspiel mit 32.256 Teilen

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nichts weniger als das größte Puzzle der Welt hat sich das Kinder- und Jugendforum der Stadt Husum vorgenommen: Bis Ende 2015 werden 32 Motive des Pop-Art-Künstlers Keith Haring zusammengesetzt.

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erstellt am 25.Okt.2014 | 17:00 Uhr

Schon als das BISS noch Haus der Jugend hieß, war das heutige Kinder- und Jugendforum der Stadt bekannt für seinen Hang zum Gigantismus. Die Weltrekorde, die regelmäßig bei den Riesen-Spielfesten anlässlich des Weltkindertages aufgestellt werden, sind dafür der beste Beleg. Geht’s vielleicht auch mal eine Nummer kleiner? Doch nicht bei Stadtjugendpfleger Bernd Biermann und seinem Team, das mittlerweile in der Norderstraße heimisch geworden ist. Dort, im Haus mit der Nummer 15, geht es zurzeit wieder mal nicht nur ums Beraten, Informieren, Schnacken und Spielen (eben BISS), sondern auch ums Puzzeln. Und zwar bis die Fingerkuppen wund sind . . .

Kein geringeres Projekt als das größte Puzzle der Welt hat man sich hier vorgenommen: Seit Anfang Oktober setzen Kinder, Jugendliche und die achtköpfige BISS-Mannschaft 32.256 Teile zusammen – zu einem 5,44 Meter langen und 1,92 Meter hohen Pop-Art-Bild von Keith Haring. Double Retrospect nennt sich die Monster-Ansicht mit 32 Motiven des 1990 gestorbenen US-Künstlers, dessen typische bunte Graffiti-Figuren immer noch um die Welt gehen.

Eine lockere Umfrage unter den fleißigen Puzzlern – im Schnitt sind es täglich 20, die zwischen sechs Minuten und sechs Stunden in das Gemeinschaftsprojekt investieren – hat ergeben: Bis Ende 2015 müsste das gestanzte Mega-Poster fertig sein. Thomas Jarstorff, stellvertretender Leiter der Einrichtung, ist da allerdings optimistischer: „Wir schaffen das bis zu den nächsten Sommerferien!“ Das wiederum kann sich Thomas Johannsen vom Laden gegenüber so gar nicht vorstellen. „Ich glaube ja nicht, dass Ihr jemals fertig werdet“, unkt der Inhaber des Spiele-Paradieses „Magische Welten“ augenzwinkernd gegenüber Helge Holst. Der 29-jährige BISS-Ehrenamtliche war es nämlich, der dem Geschäftsmann den Haring aus den Rippen leierte. Das ob seiner inflationären Teilchenstruktur wohl eher abschreckend wirkende Puzzle, das beim Hersteller Ravensburger immerhin 299 Euro kostet, stand seit drei bis vier Jahren bei Johannsen im Regal. Auch aus alter Verbundenheit zum ehemaligen Haus der Jugend spendierte er es schließlich dem BISS, wo Holst in der Zwischenzeit Überzeugungsarbeit geleistet hatte. Der Leiter schlief eine Nacht drüber und nahm sein Team dann in die Pflicht: „Wenn Ihr alle am Ball bleibt, ist das okay“, so Biermann.

Geht klar, dachten sich Jarstorff und Bundesfreiwilligendienstlerin Merrit, die beide sofort Feuer gefangen hatten. Nun sorgen sie mit Holst, Biermann und den anderen BISS-lern dafür, dass das Puzzle-Fieber in ihrem Hause ja nicht abebbt. Das grassiert täglich von der Öffnung um 11 Uhr bis weit nach Feierabend, der offiziell bei 18 Uhr liegt. Unter den fleißigen Mitstreitern, die sich an einem der neun Tische (manchmal muss aber auch der Fußboden dafür herhalten) tummeln, ist die kleine Alara. „Zu Hause puzzle ich nicht so viel“, sagt die Siebenjährige – und wenn, dann auch eher die Disney-Prinzessin aus 25 Teilen.

„Viele kommen hier rein, machen ein bisschen mit und gehen dann wieder“, hat Holst festgestellt. Systematik, Akribie und vor allem Durchhaltevermögen – für eine derartige Mammut-Aufgabe schlicht unverzichtbar – ist eben nicht jedermanns Sache. Der große Karton, in dem acht verschweißte Beutel mit jeweils 4032 Teilen stecken, wird mit ausziehbarer Plastik-Sackkarre geliefert – das ganze Paket wiegt schließlich rund 18 Kilo. Angesichts eines solchen Geduldsspiels der Superlative heißt es: Strategisch vorgehen und die Motivation hochhalten! Das klappt so weit ganz gut im BISS.

Sack für Sack geht es voran. Sortiert wird nach Farbe, Form, Musterung und Stanzung. Kleine Rückschläge inbegriffen: So schien beim ersten fertigen Motiv, der Figur mit dem Delfin, zunächst ein grünes Teil zu fehlen. „Das habe ich dann später in einer Schale gefunden, in der andersfarbige Stücke lagen“, so Holst. Er ist froh darüber, dass der Hersteller für Puzzle ab 5000 Teile die Möglichkeit einräumt, Verluste nachzubestellen.

Zu den sogenannten Rand-Puzzlern, die sich seit Tagen um den zeitraubenden weißen Gitter-Rahmen kümmern, gehört auch Luca-Sophie. Die 15-Jährige ist so etwas wie ein Glücksfall für das BISS: Vor rund vier Jahren hat die Tönningerin mit ihrer Klasse an der Gesamtschule in Tellingstedt ein ebensolches Double Retrospect von Keith Haring gepuzzelt. „Mit fünf Leuten durften wir immer im Sportunterricht daran arbeiten“, sagt sie. „Für unser Klassen-Motiv haben wir dann drei Wochen gebraucht.“

Luca-Sophie hat also schon einmal gezeigt, dass es geht. Und da auch das BISS noch immer geschafft hat, was man sich jemals vorgenommen hatte, besteht kein Zweifel: Eines gar nicht so fernen Tages hängt der mehr als zehn Quadratmeter große 32.256-Teile-Haring an der Wand – gleich neben dem Eingang.

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