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Gasthaus zum Ritter St. Jürgen : Ein Fest im Kloster, das kein Kloster ist

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Gasthaus zum Ritter St. Jürgen in Husum feiert Geburtstag – mit einem Tag der offenen Tür und der Einweihung des neuen Glockenturms. Finanziert wurde der Turm hauptsächlich durch Spenden.

Seit genau 550 Jahren gibt es das Gasthaus zum Ritter St. Jürgen, das viele Husumer einfach nur als Kloster kennen. Die Klosterkirche ist etwas jünger, kann aber auch schon auf eine 450-jährige Geschichte zurück blicken. Das wird nun morgen mit einem Gottesdienst und einem Tag der offenen Tür gefeiert. Zudem wird der neue Glockenturm auf dem Klosterfriedhof eingeweiht.

„Dr. Ulf von Hielmcrone hatte die Initiative für die Rückführung der Glocke gestartet“, erzählt Rainer Maaß, Speisemeister des Klosters. „Im Februar haben wir dem Antrag im Klostervorstand zugestimmt.“ Die rund 15.000 Euro für den Bau des Turmes wurden durch großzügige Zuschüsse von der Stadt, der Nord-Ostsee-Sparkasse und der Gesellschaft für Husumer Stadtgeschichte finanziert. „Den Rest spendierte die Klosterkirchen-Kasse“ so Maaß. Außerdem berechneten die Zimmerei Anklam, die Dachdeckerei Franzen und ElektroGoedrich nur die Materialkosten.

Die Entscheidung für einen eigenständigen Turm auf dem Friedhof am Kloster fiel aufgrund alter Quellen. Denn schon in der Landesbeschreibung von Casper Danckwerth und Johannes Mejer von 1652 ist ein Bild abgedruckt, das einen hölzernen Turm auf dem Friedhof zeigt.

Mit der morgigen Feier sollen die runden Geburtstage von Kloster und Kirche begangen werden. Um 11.15 Uhr beginnt der Gottesdienst, den Pastor Friedrich Mörs halten wird. Im Anschluss – gegen 12 Uhr – wird der neue Glockenturm geweiht. Von 15 bis 18 Uhr öffnet das Gasthaus zum Ritter St. Jürgen dann seine Türen und lädt alle Husumer ein, einen Blick hinter die alten Mauern zu werfen. Derzeit wohnen 38 Präbendare in dem Haus für betreutes Wohnen. In regelmäßigen Abständen werden morgen Führungen durch das Kloster angeboten, in denen man auch die Räume sehen kann, die sonst für die Öffentlichkeit gesperrt sind. Dr. Ulf von Hielmcrone wird um 15.30 und um 16.30 Uhr Vorträge zur Geschichte der Glocke, des Gasthauses und zur Klosterkirche halten. Kaffee und Kuchen im alten Speisesaal runden den Nachmittag im Kloster ab.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Gasthaus zum Ritter St. Jürgen im Jahr 1465. Damals war ein Gasthaus kein Restaurant, sondern ein Hospital, in dem „Arme, Lahme, Gebrechliche und Sieche“ untergebracht und betreut wurden. Niemand dachte jedoch daran, die Einrichtung „Kloster“ zu nennen.

Ganz in der Nähe aber lag das Franziskanerkloster, das mit der Reformation 1528 aufgelöst wurde. Die leer stehenden Räume übertrug König Friedrich I. an das Gasthaus zum Ritter St. Jürgen, das es als Armen- und Altenstift nutzen durfte. Auf dem nun brach liegenden Gelände des Gasthauses wurde die St.-Jürgen-Kirche gebaut und 1565 feierlich eingeweiht.

Herzog Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf – seit 1544 auch Landesherr des Amtes Husum – plante, ein Schloss in Husum zu bauen, um seine Herrschaft an der Westküste zu demonstrieren. Das ehemalige Klostergelände schien ihm geeignet – er musste nur das Armen- und Altenstift umsiedeln. Und so ließ er auf dem ehemaligen Gelände des Gasthauses zwei Gebäudeflügel an die St.-Jürgen-Kirche anbauen. 1571 zog das Stift vom Kloster zurück zum ursprünglichen Gelände und Herzog Adolf begann 1577 mit dem Bau seines Schlosses. Die Bezeichnung „Kloster“ blieb haften, auch als das Armen- und Altenstift zurück zog – und ist heute, fast 500 Jahre später, immer noch gebräuchlich.

1575, kurz nachdem das neue Gasthausgebäude fertiggestellt war, erhielt es eine neue Glocke. Die Melcher-Grapengeter-Glocke wurde von Melchior Lukas Brant in Husum gegossen. Sie ist aus Bronze, 78 Zentimeter hoch, hat einen Durchmesser von 65 Zentimetern und wiegt 250 Kilo. Sie hing ursprünglich im östlichen Giebel und diente als Stundenglocke, gab also die Zeit an. Neben ihr hing im westlichen Giebel die Franziskus-Glocke von 1507, die – wie schon im Kloster – zur Messe und Predigt läutete.

Nach dem Neubau der Fassade 1879 wurden die Glocken jedoch nicht wieder aufgehängt. Sie landeten auf dem Dachboden, wo sie den Ersten Weltkrieg unbeschadet überstanden. 1922 wurden sie an das Städtische Museum übergeben und gingen 1936 in den Museumsbestand des neu gebauten Nissenhauses über. Dort überlebten sie auch den Zweiten Weltkrieg. 1959 kam die Franziskus-Glocke zurück ins Kloster, wo sie seitdem über dem zugemauerten Osteingang hängt und wieder zur Messe läutet. Die Melcher-Grapengeter-Glocke allerdings blieb im Museum – bis jetzt.

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