Solidarität mit Yeziden : Ein Fest für mehr Toleranz

Yezidische Familien hatten für ein reichhaltiges Büfett gesorgt.
Yezidische Familien hatten für ein reichhaltiges Büfett gesorgt.

In Gedanken waren sie bei Angehörigen und Freunden im Nord-Irak: Yeziden aus ganz Schleswig-Holstein feierten mit Gästen, darunter Bischof Gothard Magaard, in Rantrum ein „Ida Ezi“ der leisen Töne.

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22. Dezember 2014, 10:30 Uhr

Zum ersten Mal feierten Yeziden aus ganz Schleswig-Holstein ihr Ida-Ezi-Fest öffentlich: Es steht für die Glaubensgemeinschaft am Ende einer längeren Fastenzeit. Die Sport- und Kulturhalle in Rantrum war Treffpunkt der Veranstaltung mit einigen Hundert Yeziden und Gästen.

Alle Generationen waren vertreten, darunter auch Nadia Beko, die vor einem Jahr mit ihren drei Brüdern aus Syrien geflüchtet ist. „Meine Eltern und meine Oma sind inzwischen auch hier“, erzählte uns die Zwölfjährige in fließendem Deutsch – „meine Lehrerin hat mir das beigebracht“. Es war ein Fest der Begegnungen und Gespräche, die eine Bereicherung für die Gäste darstellten, auch wenn deren Runde überschaubar war. Kerstin Hansen-Ruppenthal aus Rantrum war gekommen, weil sie neugierig auf die Kultur der Yeziden war. Außerdem wollte sie die neuen Mitbürger kennenlernen.

Mushtak Kassim, Sprecher der Yezidischen Gemeinschaft Husum, freute sich dennoch sehr. „Es ist mir eine große Ehre, sie begrüßen zu dürfen“, wandte er sich an Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen, Husums Bürgermeister Uwe Schmitz und Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.

„Sie alle sind im Kreis Nordfriesland sehr willkommen“, betonte der Landrat. Das gemeinsame Fest sei eine hervorragende Initiative. „Wir wollen alles für ein friedliches Miteinander tun und möchten Ihnen ein guter Partner sein.“ Mit Blick auf die Gewalt, die dem Yezidischen Volk in Krisengebieten, wie dem Nord-Irak angetan wird, sagte Dieter Harrsen: „Wir haben die Pflicht, sie in Schutz zu nehmen.“ Auch Husums Bürgermeister, Uwe Schmitz, ging auf die Gräueltaten ein, die religiösen Minderheiten widerfährt. „Die Verbrechen des Islamischen Staates sind unmenschlich.“ Er selbst gehöre zwar keiner Religion an, aber Respekt und Nächstenliebe stünden für ihn an erster Stelle. „Wir haben in Husum für jeden ein offenes Ohr. Ich akzeptiere keine Art von Fremdenhass und Diskriminierung. Für alle friedliebenden Menschen wird in Husum immer Platz sein“, schloss Uwe Schmitz.

Bischof Gothart Magaard freute sich ebenfalls, dabei sein zu dürfen. „Die Einladung an alle Mitbürger ist wie eine ausgestreckte Hand, die ich gern ergriffen habe.“ Ida-Ezi und Weihnachten lägen von der Zeit her dicht beieinander und auch inhaltlich feierten Yeziden und Christen auf ihre Weise, „das Gott Licht in die Finsternis bringt und die Welt hell machen will. Es verbindet uns, dass wir uns einem Schöpfer gegenübersehen, dem wir unser Leben verdanken – und vor dem wir in der Verantwortung stehen für diese Welt.“ Als Kirche in der Nachbarschaft der Yeziden in Norddeutschland wolle man ihnen zur Seite stehen: „Unrecht benennen, Schmerz teilen, Trost geben und Not lindern helfen.“ Vergangene Woche habe die Nordkirche zudem 100  000 Euro bereitgestellt, um die Flüchtlinge im Nordirak mit Nahrungsmitteln, Kleidung, Heizmaterial und vielem mehr zu versorgen. Bei 2,4 Millionen Flüchtlingen im Nordirak könne dies nur wie „ein kleiner Tropfen“ erscheinen, aber jede Unterstützung helfe den notleidenden Menschen.

„Die Terrormiliz des sogenannten Islamischen Staates schreibt sich den Islam auf ihre Fahne. Doch neben Yeziden und Christen ist die größte Gruppe, die unter dem IS-Terror zu leiden hat, die Gruppe der gemäßigten Muslime.“ Das viele Muslime ebenfalls zu Opfern der IS gehörten, werde leicht übersehen. „Für mich zeigt es aber, dass der IS den Islam verzerrt und für seine eigenen Zwecke missbraucht. Das deutlich zu sagen ist wichtig, weil ich mit großer Sorge sehe, dass Gruppen Zulauf haben, die Islamfeindlichkeit gepaart mit Fremdenfeindlichkeit vertreten“, erklärte der Bischof. Die Evangelische Kirche wolle Brückenbauer sein, und den Dialog zwischen den Religionen fördern.

In die Kultur der Yeziden und das besondere Fest führte ein yezidischer Religionsgelehrter ein. Für die Gäste wurden seine Ausführungen ins Deutsche übersetzt. In Anbetracht der Situation der Yeziden im Nordirak war es ein Fest der leisen Töne. Nach dem offiziellen Part wurde zusammen gegessen: Es gab ein Büfett mit vielen selbst zubereiteten Köstlichkeiten – jede teilnehmende Familie hatte etwas mitgebracht.

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