Ausbildungskommissariat Husum : Ein Fall für die jungen Spürnasen

Jörgen Maaß (l.) und Leon Colombet testen, ob es sich bei dem konfiszierten Stoff um Amphetamine handelt – Jens Hartwig (l.), Sven Kies und Josefin Märzhäuser schauen ihnen über die Schulter.
Jörgen Maaß (l.) und Leon Colombet testen, ob es sich bei dem konfiszierten Stoff um Amphetamine handelt – Jens Hartwig (l.), Sven Kies und Josefin Märzhäuser schauen ihnen über die Schulter.

Zum ersten Mal ist die Kriminalpolizeistelle in Husum Ausbildungskommissariat für Bachelor-Studenten der Polizeifachhochschule in Altenholz.

shz.de von
07. März 2018, 16:00 Uhr

Leon Colombet (19) guckt keine Krimis. Und auch Jörgen Maaß (26) reagiert auf die Frage zurückhaltend: „Oft löst die Kripo im Film einen Fall quasi im Alleingang – dabei ist es die Schutzpolizei, die immer zuerst vor Ort ist.“ Solche Fehler im Drehbuch registriert er sofort, denn er weiß es besser: Schließlich möchte der 26-Jährige zur Schutzpolizei.

Jörgen Maaß absolviert ein Bachelor-Studium für den gehobenen Dienst in der Polizeifachhochschule in Altenholz und hat bereits vier Semester hinter sich. Zu den drei Fachhochschul-Jahren, in denen unter anderem Fächer wie Kriminalistik, Kriminaltechnik, Straf- und Verfassungsrecht, Psychologie, Einsatzleitung, Selbstverteidigung, Sport und Schießen auf dem Plan stehen, gehören Ausflüge in die Praxis. Zum ersten Mal ist auch die Kriminalpolizeistelle Husum ein sogenanntes Ausbildungskommissariat.

Für insgesamt fünf Wochen – die letzte ist jetzt angebrochen – gehören Jörgen Maaß, Leon Colombet und vier weitere Studenten der Fachhochschule zum Team der fast 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Husumer Kriminalpolizeistelle. Fünf der angehenden Nachwuchskräfte möchten zur Schutzpolizei – ein Student hat sich für die Kriminalpolizei entschieden. Denn in welche Richtung es gehen soll, muss möglichst schon vor dem Studium feststehen.

Betreut wird die Gruppe in der Poggenburgstraße von Ausbildungsleiter Jens Hartwig (54) und seiner Kollegin Josefin Märzhäuser (27). „Für den Anfang hatten wir eine Handvoll Fälle vorbereitet, sodass alle sofort in Vernehmungen einsteigen konnten. Danach sind die Sechs unserem Tagesdienst, der die eingehenden aktuellen Fälle bearbeitet, zugeteilt worden und stellen seitdem jeweils den zweiten Mann. Am Ende der fünf Wochen wird jeder Student 20 bis 25 Sachverhalte bearbeitet haben“, erläutert Hartwig – und Märzhäuser ergänzt: „Alle haben eine eigene Ablage und arbeiten allein – unter Anleitung.“

Wie baue ich eine Befragung am besten auf? Wie gehe ich bei einer Durchsuchung vor? Wie wird die Staatsanwaltschaft informiert? Wie erkenne ich Drogen und andere verbotene Substanzen? Auf viele Wie-Fragen haben die angehenden Polizisten inzwischen eine Antwort. Sie hatten bereits mit Verstößen gegen das Betäubungsmittel- und das Waffengesetz, Betrug, Diebstahl, Körperverletzung, Suizid und Sexualdelikten zu tun.

Dass man nie wisse, was einen erwarte, macht für Jörgen Maaß den Reiz des Polizeiberufs aus. „Es ist abwechslungsreich durch die unterschiedlichen Menschen, mit denen man Kontakt bekommt – ob mit einer alten Frau, die Opfer eines Betrügers geworden ist oder mit einem Jugendlichen, der Drogen konsumiert hat.“ Bereits mit Sechzehn hat er erste Eindrücke als Praktikant gesammelt – „mein Bruder ist auch bei der Polizei“. Leon Colombet merkt noch an, dass für ihn der Sport wichtig sei. Ein anderer aus der Runde, der namentlich nicht genannt sein möchte, da sein berufliches Ziel ein Mobiles Einsatzkommando ist, erklärt: „Ich sehe es auch idealistisch – ich möchte anderen helfen und Schaden von ihnen abwenden.“

Jens Hartwig, der sich bereits seit Jahrzehnten um Praktikanten in der Dienststelle kümmert, macht der Umgang mit jungen Menschen Spaß. Mit Blick auf seinen Beruf meint der alte Hase: „Man überprüft sich selbst immer noch einmal.“ Als Anleiter der Studenten sorgen er und Josefin Märzhäuser für eine umfassende Begleitung. Nach Hartwigs Worten ist es zum Beispiel nicht immer einfach, zu sehen, „wie einige Menschen leben oder leben müssen“. Gehe es um Leichenfunde, sei das Gespräch mit den Angehörigen eigentlich immer „am schlimmsten“.

Die Zeit im Ausbildungskommissariat dient den angehenden Polizeibeamten als Vorbereitung auf den Wechsel in das sich anschließende halbjährige Hauptpraktikum in verschiedenen Dienststellen in Nordfriesland. Der Leiter der Kriminalpolizeistelle Husum, Sven Knies, begrüßt, dass künftige Schutzpolizisten ihr Hauptpraktikum drei Wochen unterbrechen, um bei der Kripo reinzuriechen – und umgekehrt, der Kripo-Nachwuchs die Arbeit von Schutzpolizisten kennenlernt. „Wir sind letztlich alle ein Team.“

„Unser Beruf ist bei Frauen und Männern beliebt“, weiß der Polizei-Chef, dass auch zahlreiche Studentinnen die Polizeifachhochschule besuchen. Die Aussichten auf einen Job seien gut: „Viele stehen vor dem Pensionsalter – und es geht ja im Moment in die andere Richtung: Es werden keine Stellen mehr abgebaut.“

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