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Bürger im Protest vereint : Ein Dorf wehrt sich gegen Kiesabbau

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Spinkebüller überreichen Unterschriftenliste gegen den geplanten Kiesabbau in ihrem Ort an den Bürgermeister, das Amt und den Kreis. Die Bürger haben Angst vor viel Lastwagen-Verkehr in der ländlichen Idylle.

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erstellt am 05.Apr.2016 | 11:00 Uhr

Die Spinkebüller sind sauer. Sie wollen keinen Kiesabbau vor der Haustür. Sie übergaben dem Bürgermeister von Norstedt eine Liste, die nahezu alle Bewohner unterzeichnet haben. In einer Einwohnerversammlung am 14. März wurde die Bevölkerung des Norstedter Ortsteils Spinkebüll darüber unterrichtet, dass unmittelbar an der Bebauungsgrenze zwei bislang noch landwirtschaftlich genutzte Flächen künftig dem Kiesabbau dienen sollen. Das Kieskontor H. W. Dohle möchte das Gebiet, auf dem bereits Probebohrungen stattgefunden haben, je nach Bedarf die nächsten Jahrzehnte nutzen. Gleich nach Bekanntgabe der Pläne wurden erste kritische Stimmen laut.

Bürgermeister Volker Carstensen ist von dem massiven Einwohnerprotest überrascht worden. „Wir hatten im Vorwege als Gemeindevertretung eine vorläufige mündliche Zusage für den Kiesabbau gegeben.“ Eigentlich hätten die Planungen auch etwas anders ausgesehen, nämlich weiter vom Dorf entfernt sollte der Rohstoff abgetragen werden. „Doch der Landbesitzer hat diese Flächen angeboten. Nun müssen wir mal sehen, wie es weitergeht.“ Carstensen war gleich gestern beim Amt Viöl vorstellig geworden, um das weitere Vorgehen zu beraten. „Wir wollen mit allen Beteiligten beraten. Unser Ziel ist es, einen von allen getragenen Kompromiss zu finden. Wie der dann aussehen wird, kann ich noch nicht sagen.“

Schon in der Versammlung wurde die Gemeindeführung aufgefordert, einem Ausverkauf der Flächen vorzubeugen – und als Herr des Verfahrens die wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens mit denen der Anwohner sorgfältig abzuwägen. Aufgefordert wurde die Gemeinde auch, zu prüfen, ob in der weiteren Umgebung des Dorfes nicht auch noch andere passende Flächen zur Verfügung stehen. Volker Carstensen sagte damals: „Ich bin nicht sicher, ob wir das Vorhaben überhaupt verhindern können.“ Mittlerweile gibt es in Spinkebüll eine Bürgerinitiative. Die Dörfler haben bereits 50 Unterschriften gegen den Kiesabbau gesammelt. „Das ist quasi das ganze Dorf“, sagt dazu der Bürgermeister. Ein Schreiben wurde verfasst und an den Gemeinde-Chef, das Amt und den Kreis geschickt. Zudem soll auch ein Flyer gedruckt werden, der an die Bürger in der Gemeinde Norstedt verteilt werden soll. In dem Schreiben heißt es unter anderem: Zwei Flächen, von denen eine direkt an das Dorf grenzt, sollen für die Firma H. W. Dohle GmbH bereitgestellt werden. Diese beiden Flächen befinden sich nicht in dem von dem Gemeinderat festgelegten Kiesabbaugebiet, das im Regionalplan und F-Plan bewusst mit einiger Entfernung zum Dorf gelegt worden ist. Hier wird aus unserer Sicht ohne Not, über den Kopf der Dorfbewohner, eine große Belastung für alle auf den Weg gebracht. Wir sind empört darüber, dass wir nicht rechtzeitig über dieses Vorhaben umfassend informiert worden sind. Sollte dieses Vorhaben umgesetzt werden, werden mindestens zehn Jahre lang unzählige Lkw durch das Dorf rollen, große Lärmbelastung von 6 Uhr bis 18 Uhr erfolgen, Wege, die nicht für diese Menge von Lkw ausgelegt sind und die Banketten werden beschädigt, starke Lärm- und Staubbelastung, teilweise erhebliche Wertminderung der Häuser und drohender Leerstand von Miet- und Ferienwohnungen. Weitere Gefahren, die noch nicht klar benannt und besprochen worden sind, wie etwa Grundwasserabsenkungen in der Umgebung des Abbaugebietes.

Viele junge Familien mit Kleinst- und Kleinkindern haben sich ganz bewusst in dem Dorf Spinkebüll niedergelassen, um ihren Kindern und Familien ein natürliches und sicheres Aufwachsen ohne Gefahren zu ermöglichen. Dieses sehen wir als Dorfbewohner nunmehr gefährdet.“

Gerd Carstensen, Leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Viöl, unterstreicht auf Anfrage, dass gemeinsam mit allen Beteiligten wenn möglich ein Kompromiss gefunden werden soll. Inwieweit aber von den Kiesabbau-Plänen auch Nachbargemeinden betroffen sein werden, kann Carstensen noch nicht sagen. Er erinnere sich aber an Absprachen hinsichtlich des Kiesabbaus mit anderen Kommunen, doch das liege bereits mehr als zehn Jahre zurück.

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