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Küstenschutz : Ein Deichbau im zweiten Anlauf

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Eindeichung der Nordstrander Bucht wird wieder zum Thema: Der Abschnitt nahe Wobbenbüll soll 2016 mit Millionenaufwand verstärkt werden.

Es war eines der größten und auch umstrittensten Deichbau-Vorhaben überhaupt – die Eindeichung der Nordstrander Bucht. Sie wurde begleitet von Protesten und gerichtlichen Auseinandersetzungen. Das liegt für die meisten Menschen inzwischen in weiter Ferne. Als 1987 der neue Deich geschlossen wurde, war der Beltringharder Koog – Schleswig-Holsteins größtes Festlands-Naturschutzgebiet – entstanden. Bald drei Jahrzehnte nach dem Mammut-Unternehmen soll nun eine Küstenschutz-Maßnahme folgen, die seinerzeit unter dem Eindruck der heftigen Auseinandersetzungen um den Verlust von mehr als 33 Quadratkilometern Wattenmeer fallen gelassen wurde: die Sicherung der Küste südlich des Nordstrander Damms im Bereich der Gemeinde Wobbenbüll.

Während der Küstenschutz die nach der schweren Sturmflut von 1962 ursprünglich angedachte große Eindeichung – vom Elisabeth-Sophien-Koog auf Nordstrand bis zum Hauke-Haien-Koog sowie den Bau eines Sicherungsdamms vom Festland zur Insel Pellworm nördlich der Hamburger Hallig – auf die heute existierende „kleine Lösung“ abspeckte, war die Mini-Vordeichung in der Bucht bei Schobüll ersatzlos gestrichen worden. Sogar das Landeskabinett hatte sich seinerzeit mit dem Thema beschäftigt und das Projekt südlich des Nordstrander Damms am 7. März 1989 endgültig beerdigt. Aus Sicht von Küstenschützern waren damit freilich die Probleme für den Hochwasserschutz und die Risiken für Menschen sowie ihr Hab und Gut nicht vom Tisch: Wenn die Nordsee bei einer schweren Sturmflut in die Bucht vor dem Husumer Ortsteil Schobüll drückt, könnte im schlimmsten Fall die tief im Urstromtal der Arlau gelegene Hattstedter Marsch volllaufen. Deshalb soll der vorhandene Damm mit einer Höhe von derzeit 6,80 Metern über Normalnull in Form eines kleinen Flügeldeichs vor der Ortschaft Wobbenbüll im Bereich der Landesstraße 30 auf eine Höhe von 8,20 Metern erhöht werden. Das Projekt ist im Generalplan Küstenschutz als „Geestanschluss“ aufgeführt, als „vordringlicher Bedarf“ eingestuft und deshalb auch mit entsprechenden Finanzmitteln hinterlegt. Der Hintergrund: Würde das Wasser an dieser Stelle bei einem statistisch berechneten 200-Jahr-Hochwasser über den Deich strömen, wäre hier die Gefahr einer rückschreitenden Erosion besonders groß. Deshalb soll der Deich erhöht werden und ein modernes Profil erhalten, wie es ein hölzernes Modell des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN) Spaziergängern vor Ort schon heute demonstriert.

Unter dem Begriff „Geestanschluss“ rangiert die Deichverstärkung, weil es in der Husumer Bucht bei Schobüll Bereiche gibt, wo die Geest direkt bis ans Meer heranreicht und damit für einen natürlichen Lückenschluss zwischen den Deichen sorgt. Das wird auch weitestgehend so bleiben.

„Die bauliche Länge ist mit 665 Metern überschaubar“, sagt denn auch Mathias Fiege mit Blick auf das Neubau-Vorhaben. Er ist im Landesbetrieb als Fachbereichsleiter zuständig für den Neubau von Deichen, Verstärkungen und für sonstige Küstenschutzanlagen. Die Bauarbeiten sollen im späten Frühjahr 2016 anlaufen und sind im Generalplan Küstenschutz mit 3,5 Millionen Euro veranschlagt.

Fast ebenso viel Geld – rund 3,1 Millionen Euro – sind im Generalplan für ein weiteres Projekt vorgesehen, das ebenfalls im nächsten Jahr startet. So soll der Deichabschnitt im Norden des Dagebüller Kooges auf einer Länge von 1000 Metern verstärkt werden. Zu dem Vorhaben gehört auch die geplante Verlegung eines Schöpfwerks. Dessen Standort wird vom Dagebüller Badedeich zu einem Standort nördlich der Mole verlegt.

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erstellt am 10.Aug.2015 | 13:00 Uhr

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