Bredstedt : Ein Club geht mit der Zeit

 Ausflüge führten unter anderem nach Berlin–Tempelhof.
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Ausflüge führten unter anderem nach Berlin–Tempelhof.

Der MC Rund um den Stollberg, Ortsclub Bredstedt im ADAC, zeichnet sich durch seine Vielseitigkeit aus. Gegründet wurde er in den 1950er Jahren.

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13. Februar 2018, 09:00 Uhr

Wenn der MC Rund um den Stollberg, Ortsclub Bredstedt im ADAC, heute seine Jahresversammlung mit Ehrungen, Wahlen und Terminplanungen abhält (19 Uhr, Drelsdörper Krog), so wird einmal mehr deutlich, was er alles zu bieten hat. Und doch gilt es für Vorstand und Mitglieder, immer wieder neu zu werben und auf sich aufmerksam zu machen.

Vorsitzender ist Lorenz-Peter Volquardsen. „In Schleswig-Holstein gibt es 67 Ortsclubs des ADAC – und alle sind unterschiedlich“, sagt er. Und damit räumt er gleich auch mit einem Missverständnis auf: „Auch wenn ich immer mal wieder angerufen werde und zu hören bekomme: Du, ich bin hier liegen geblieben, kannst du mal vorbeikommen? – das ist keineswegs unsere Aufgabe. Dafür sind die gelben Engel des ADAC da.“

Den ersten Club in Bredstedt gab es schon in den 30er-Jahren, berichtet Volquardsen, er wurde jedoch bald wieder aufgelöst. Der heute bestehende MC Rund um den Stollberg, Ortsclub Bredstedt im ADAC, wurde Anfang der 50er Jahre gegründet. „Damals noch, um die Verkehrsteilnehmer zu schulen und ihnen zu zeigen, was es alles gibt.“ Erste Hilfe, Pannenhilfe, Rad wechseln und Glühlampen austauschen – das alles wurde hier gelehrt.

Gänzlich ohne die heute genutzten Hilfsmittel, wie beispielsweise Rückfahr-Kameras sowie Einparkhilfen, ging es in den Anfangsjahren bei den Geschicklichkeits-Turnieren zu. Hier kam es auf Konzentration und Können der Fahrer an. „Beispielsweise, ohne Hilfen ein- und auszuparken oder mit dem rechten Vorderrad genau auf ein Papier der Größe DIN A 4 zum stehen zu kommen“, so der Vorsitzende.

Seither hat sich der Verein weiterentwickelt, tauchten die Bredstedter mit immer wieder ergänzten Angeboten auf: Sicherheitstrainings für Pkw- und Motorradfahrer, Oldtimer-Ausfahrten und -Teilemärkte, Info-Veranstaltungen und Fahrradhelm-Aktionen, aber auch Lotto- und Skat-Abende, Club-Anfahrten und Fahrradtouren gehörten und gehören auch teilweise heute noch zu den Aktivitäten.

Bekannt waren die Bredstedter durch ihre Orientierungs- und Nachtfahrten – also das Fahren nach Landkarte und mit Bordbuch – gänzlich ohne Navigationssystem und sonstige Hilfen. „Wir wollten den Leuten zeigen, wie man sich mit einfachen Mitteln orientieren und trotzdem ans Ziel gelangen kann. Im Moment bieten wie sie aber nicht mehr an.“ Mit 30 bis 40 Helfern, die ganztägig – das heißt von 7 bis 18 Uhr – im Einsatz sind, waren diese Fahrten, da die Teilnehmer unterwegs auch noch verpflegt wurden, sehr personalintensiv. „Wir hatten eine feste, eingespielte Crew, doch die sind jetzt mittlerweile alle zwischen 70 und 80 Jahre alt“, berichtet Lorenz-Peter Volquardsen. Das Programm aber abspecken? „Eine Qualitätsverschlechterung kam für uns nicht in Frage. Entweder ordentlich – oder gar nicht.“ So ruht es seither. Auch eine in den 80er Jahren aufgebaute BMX-Gruppe sowie eine Segelsport-Sparte gibt es derzeit nicht mehr.

Das Alter der Mitglieder bereitet dem Verein Sorge. Es fehlt – wie in vielen anderen Vereinen auch – an jungem Nachwuchs. Obwohl der MC Rund um den Stollberg mittlerweile 130 Mitglieder zählt, beträgt der Altersdurchschnitt 60 Jahre. „Es gibt zwar viele junge Menschen, die alte Autos fahren, doch sie sind meistens nicht organisiert“, bedauert Volquardsen. Dabei könne gerade das gemeinsame Erlebnis Auto viel Spaß machen.

Zu den Höhepunkten zählen heute noch die Club-internen An- und Abfahrten mit historischen Fahrzeugen. Rund 100 historische Pkw und Motorräder sind in Besitz der Vereinsmitglieder. Zum Vergleich: „Im Jahre 1909 waren in Bredstedt gerade einmal sieben Autos registriert. “

Der Ortsclub Bredstedt ist mit der Zeit gegangen. „Zu unseren Hauptaufgaben gehört heute das Thema Verkehrssicherheit.“ So ist der Verein in den Schulen präsent, um dort Fahrradturniere zu veranstalten. „Dabei handelt es sich nicht um eine Verkehrserziehung, wie sie die Polizei durchführt.“ Für die Schüler der vierten und fünften Klassen wird ein Geschicklichkeits-Parcours aufgebaut, den sie abfahren müssen. „Wir werden etwa zehn bis zwölf Mal pro Jahr von Schulen zwischen Bredstedt, Niebüll und Flensburg angefordert“, berichtet Volquardsen. Zu den Terminen bringt der Club seinen eigenen Anhänger mit Turniergerät sowie zwei Fahrräder mit. „Für die Schulen ist das Angebot kostenlos, bezahlt wird es vom ADAC. Auch Sicherheitstrainings auf großen Traktoren und die Schulung älterer Fahrer führt der MC Rund um den Stollberg mit großem Erfolgt durch. „Heute sind die Autos mit Technik überfrachtet – und davor haben viele Ältere Angst.“

Wer den Verein kennenlernen möchte, hat heute bei der Jahresversammlung in Drelsdorf Gelegenheit dazu. Oder bei den Benzingesprächen. Sie finden immer am zweiten Dienstag im Monat, 20 Uhr, in der Drelsdorfer Gaststätte statt. Der Jahresbeitrag beläuft sich auf 14 Euro, Partner zahlen sieben Euro. Lorenz-Peter Volquardsen: „Jeder darf reinschauen – ohne Verpflichtung.“

www.motorclub-bredstedt.de

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