Wechsel an Tönnings Verwaltungsspitze : Ein Bürgermeister aus Leidenschaft

Bis zum 31. Dezember hat Frank Haß noch einiges zu erledigen.
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Bis zum 31. Dezember hat Frank Haß noch einiges zu erledigen.

Nach 18 Jahren im Amt hört Tönnings Stadt-Chef Frank Haß Ende des Jahres auf. Er blickt zufrieden auf diese Zeit zurück und ist stolz darauf, dass Straßen und Gebäude in einem guten Zustand sind.

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16. Dezember 2014, 08:00 Uhr

Wie lange er in Tönning bleibe, nein, darüber habe er damals gar nicht nachgedacht, sagt Frank Haß. Damals, das war Anfang November 1996, als er zum ersten Mal zum Bürgermeister von Tönning gewählt worden war. Haß ist der Eider-Stadt 18 Jahre oder drei Wahlperioden treu geblieben, nun hört er zum Ende des Jahres auf. Und er muss vieles richtig gemacht haben, denn er wurde zwei Mal wieder gewählt. Mit seiner gesamten Amtszeit ist Haß übrigens einer Bürgermeister-Tradition in Tönning treu geblieben. Seine Vorgänger Gerhard Bittner und Rolf Pankuweit standen ebenfalls jeweils 18 Jahre der Stadtverwaltung vor. Und Heinrich Christensen war immerhin 14 Jahre von 1946 bis 1960 Bürgermeister. Die Tönninger – im Vergleich zu anderen Städten – sind also seit dem Zweiten Weltkrieg recht sparsam mit ihren Stadtoberhäuptern gewesen.

Die Fraktionen der Stadtvertretung hätten Frank Haß Tönning sogar gern noch länger anvertraut, doch dieser lehnte ab. Mitte März erklärte er, dass er nicht wieder kandidieren würde. „Ich wollte aufhören, so lange die Leute mich noch nicht loswerden wollen“, erklärt der 52-Jährige. „Als Bürgermeister sitzt man immer auf einem Pulverfass, man wird für alles verantwortlich gemacht, Sachen, die schiefgelaufen sind, prägen dann das Bild, Gerüchte bleiben hängen. Das wollte ich nicht.“ Sein Amt habe er immer gern ausgeübt. „Ich habe viel für die Stadt erreicht. Da bin ich stolz drauf.“

Deswegen fuchst es ihn auch besonders, wenn ihm von der CDU-Fraktion und von einigen Bürgern vorgeworfen wird, dass er der Stadt einen großen Schuldenberg von mehr als 20 Millionen Euro aufgebürdet hat. Leidenschaftlich verteidigt Haß die Investitionen in Straßen, Gebäude, Schulen, Kindergärten, in neue Gewerbe- und Wohngebiete. „In meiner Zeit wurde die ganze Stadt erneuert.“ Beispiel Straßen: Die werden ständig benutzt, nach 25 Jahren sind die auf, so Haß, das sei auch gängige Rechtsprechung. Da müsse kontinuierlich investiert werden, man dürfe nicht sagen: Jetzt werden erstmal die Schulden abgebaut. „Dann kommt das dicke Ende später.“ Wohin solche Sparpolitik führe, könne man jetzt beim Land und seinen Straßen sehen. In Tönning müsse es jetzt auch weitergehen, rät er der Stadtvertretung und seiner Nachfolgerin Dorothe Klömmer. Er denkt dabei an die Braren-Straße und Umgebung und die Bahnhofstraße und an die Außenbezirke.

Auch jetzt, wenige Tage vor Schluss, ist Haß immer noch mit Leidenschaft bei der Sache, wenn es um Tönning geht. Auf seinen Resturlaub verzichtet er, so viel ist noch zu regeln. Und er will Dorothe Klömmer in ihrer Anfangsphase mit Rat und Tat zur Seite stehen. Er hat in all’ den Jahren nur zwei Mal kurz ans Aufhören gedacht. Zu Beginn seiner Amtszeit war ein Teil der SPD-Fraktion nicht einverstanden mit seiner Arbeit. Ruhe kehrte erst ein, als die kritischen Stadtvertreter 2002 zurücktraten. „Seitdem hatte ich das Glück, dass die Fraktionen immer hinter mir standen“, betont Haß. Auch innerhalb der Stadtverwaltung habe ein sehr gutes Klima geherrscht, wenn er von einigen Anfangsschwierigkeiten mit dem einen oder anderen absieht.

Das zweite Mal habe er während der Verwaltungsstruktur-Reform vor knapp zehn Jahren über einen Wechsel nachgedacht. Damals war es fragwürdig, ob die Stadt eine eigene Verwaltung und einen hauptamtlichen Bürgermeister behalten dürfte, aus dem Amt Eiderstedt gab es damals keine Signale, dass er dort Amtsdirektor werden könnte. „In der Phase habe ich mich sogar für eine Unterredung im Innenministerium frischoperiert aus dem Krankenhaus entlassen. Was Quatsch war, weil ich wegen der Medikamente fast nichts mitbekommen habe. Mein Arzt hielt mir hinterher eine Riesen-Standpauke.“ Haß blieb stur und kämpfte gemeinsam mit den Stadtvertretern um das hauptamtliche Bürgermeisteramt und einen Teil der Verwaltung. „Denn jede Stadt muss hauptamtlich verwaltet werden, für einen Ehrenamtler ist das Aufgabengebiet zu groß, und ein Verwaltungsangestellter setzt andere Prioritäten.“ Eine Gesetzeslücke brachte schließlich die Lösung zugunsten Tönnings: Im Reform-Gesetz war festgelegt, dass nur die Wahlen zum hauptamtlichen Bürgermeister in Städten mit weniger als 8000 Einwohnern, die vor dem 31. Oktober 2007 stattfinden sollten, vom Innenministerium zu genehmigen waren. In Tönning fand sie aber erst im September 2008 statt. Für ein Eingreifen des Ministeriums fehlte also die gesetzliche Grundlage.

Persönlich befürwortet Haß wie schon damals die ganz große Lösung für Eiderstedt: alle Gemeinden zu einer Stadt zusammenzuschließen. Das brächte Synergieeffekte im Schulwesen, beim Bauen, im Tourismus und in der Wirtschaft. „Doch sind die Eiderstedter noch nicht so weit wie auf Fehmarn, wo dieser Prozess schon vor Jahren gelungen ist.“ Auf Fehmarn kennt sich Haß aus, schließlich stammen seine Eltern von der Ostsee-Insel, er verbrachte als Kind und Jugendlicher seine Ferien dort. Und diese Zeit war auch der Grund, warum es den gebürtigen Hagener nach Lehr- und Wanderjahren in Verwaltungen in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Bayern nach Schleswig-Holstein zog. Haß will in Tönning wohnen bleiben. Zur Ruhe setzen will er sich noch lange nicht. Er wird, was er bislang schon freitags und am Wochenende getan hat, weiter an Verwaltungsschulen für den gehobenen Dienst unterrichten.

Heute Abend wird seine Nachfolgerin Dorothe Klömmer in der Sitzung der Stadtvertreter vereidigt. Sie beginnt um 19.30 Uhr im Rathaus.

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