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Nordfriesland für Flüchtlinge : „Ein besonderes Stück Deutschland“

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Nordfriisk Instituut und der Kreis Nordfriesland wollen Flüchtlingen die Geschichte, Sprache und Kultur der Friesen näherbringen. Dazu gibt es jetzt ein gemeinsames, in sechs Sprachen übersetztes Faltblatt.

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erstellt am 17.Jun.2016 | 11:00 Uhr

Es geht um ein Stück Willkommenskultur, und dafür legen sich Nordfriisk Instituut und Kreis Nordfriesland gemeinsam ins Zeug. Zusammen haben sie „Friesische Flyer für Flüchtlinge“ auf Arabisch, Kurdisch, Persisch Russisch, das viele Armenier und Tschetschenen verstehen, sowie Englisch und Deutsch erstellt, um Neuankömmlingen Grundkenntnisse über Nordfriesland und die Friesen zu vermitteln. Das Gemeinschaftsprojekt wurde gestern in Bredstedt vorgestellt. Landrat Dieter Harrsen notierte dazu im Gästebuch der Einrichtung: „Friesische Vielfalt und die Aufgabe der Integration lassen sich gut verbinden.“

Das achtseitige Faltblatt wartet mit Informationen auf, die Geflüchteten die erste Zeit in der neuen Heimat erleichtern sollen. Das reicht von Grundzügen der Geschichte und der Lebensweise der Nordfriesen bis hin zu Erläuterungen, dass ein freundliches „Moin“ als Begrüßung meist ausreicht – oder, dass das Wattenmeer faszinierend ist, aber mit Ebbe und Flut auch seine Tücken hat. Die Broschüre nach dem Motto „Nordfriesland ist ein besonderes Stück Deutschland“ erscheint Ende Juni mit einer ersten Auflage von 750 Exemplaren, die das Nordfriisk Instituut noch selbst finanziert. Verteilt wird sie über die Asylbetreuer der Ämter und Städte. Bald soll es aber auch Download-Versionen im Internet geben.

„Zunächst ging es um die Unterbringung, jetzt ist das Jahr der Integration“, sagt der nordfriesische Integrationsbeauftragte Peter Martensen. Felix Carl, Kreiskoordinator für Flüchtingsfragen, weiß: „Die meisten Flüchtlinge interessieren sich sehr für ihre neue Umgebung und die regionale Kultur.“ Die Idee zu dem Flyer war quasi am Frühstückstisch der Familie von Instituts-Direktor Prof. Dr. Thomas Steensen entstanden. Dr. Claas Riecken vom Nordfriisk Instituut erarbeitete den Text, der im Auftrag der Kreisverwaltung von Dolmetschern übersetzt wurde.

„Wir haben die ausgeprägte Willkommenskultur schon vorher entwickelt“, lobte der Landrat. Im Kreisgebiet engagierten sich inzwischen mehr als 1000 Ehrenamtler für diese Aufgabe. „Ziel ist es, aus möglichst vielen Neuankömmlingen überzeugte Nordfriesen zu machen, die bereit sind, sich dauerhaft zu integrieren“, sagte er. Kulturelle Vielfalt sei als Gewinn und als Chance zu begreifen.

Dabei gibt es zeitgeschichtliche Zusammenhänge. „Auch viele Friesen hatten einst auswandern und eine neue Heimat finden müssen“, so Steensen. Und: „Integration hat immer eine wichtige Rolle gespielt für Nordfriesland.“ Traditionen und Werte wie Toleranz und die Weltoffenheit der Friesen sind es denn auch, die jenen Menschen vermittelt werden, die vor Krieg und Unterdrückung aus ihren Heimatländern fliehen mussten. Angekommen sind sie in einer Region mit vielen Minderheiten, in der es schon seit mehr als 150 Jahren keine blutigen Auseinandersetzungen um Grenzen mehr gegeben hat, sondern ein friedliches Miteinander aller Kulturen.

Ohne erhobenen Zeigefinger wird ebenfalls die Gleichstellung thematisiert: Dazu dient der Hinweis auf die Sage, wonach nordfriesische Frauen während einer Schlacht die Feinde mit heißem Brei bewarfen, damit ihre Männer wieder Mut für den Kampf schöpfen konnten. Und damit Neuankömmlinge verstehen, wie viele Nordfriesen „ticken“, gibt es für diese dann auch noch die beiden friesischen Leitsätze: „Leewer duad üüs slaaw“ und „Rüm hart, klaar kiming.“

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