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Schiffsmakler aus Leidenschaft : Ein Berufsleben mit Hafen-Blick

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Mehr als ein halbes Jahrhundert arbeitete Volker Saupe in der Schifffahrtsbranche. Jetzt geht er in den Unruhestand. Unter anderem plant der Husumer eine Reise in den schwedischen Scherengarten – mit dem Schiff.

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erstellt am 20.Dez.2015 | 18:46 Uhr

54 Jahre lang hatte Schiffsmakler Volker Saupe (72) im Husumer Außenhafen einen Logenplatz auf das Geschehen an der Pier. Nun sind die Tage gezählt, an denen er im Kontor des Unternehmens Wilhelm E. F. Schmid Schiffe kommen und gehen sah und die typischen Hafen-Geräusche wie Musik in seinen Ohren klangen. Seit 1990 war der gelernte Reedereikaufmann bei „Seeschmid“ Geschäftsführer und Gesellschafter und machte die Firma zu einem breit aufgestellten Schifffahrtsdienstleister. Auch für die Zukunft weiß er das 1949 gegründete Unternehmen bestens aufgestellt. Dennoch, der Abschied fällt schwer.

Gerne blickt der gebürtige Reinfelder zurück auf seine ersten Jahre in Husum und seinen damaligen Chef Horst Schultz, dessen Foto immer noch in seinem Büro hängt. „Als ich 1961 mit gerade mal 17 Jahren die Lehrstelle hier antrat, wusste ich noch nicht einmal, was ein Schiffsmakler ist“, sagt er und beschreibt den Beruf heute als „Vermittler zwischen Reedereien und Kaufleuten“ oder auch: „Spediteur zur See“. Damals, in den 1960er-Jahren, war der Husumer Hafen noch Dreh- und Angelpunkt für die Versorgung der Inseln und Halligen. „Jede Woche legten hier vor unserer Tür Fähren und Postschiffe nach Amrum, Föhr und Pellworm an“, berichtet Saupe und erinnert sich an die Sturmflut 1962, die nur deshalb für Husum relativ glimpflich abgelaufen sei, weil kurz zuvor etwas weiter draußen ein größeres, höheres Sperrwerk gebaut worden war.

Dann kommt er auf seine Jahre in Schweden 1966/67 zu sprechen: „Ich wollte die Holzwirtschaft kennenlernen, von der Produktion über die Verladung bis zum Transport“, sagt Saupe, der auch auf Schiffen mitfuhr, um mehr über die Seefahrt auf der Ost- und Nordsee zu erfahren. Dass er damals Schwedisch sprechen lernte, habe ihm später bei den skandinavischen Geschäftspartnern oft die Türen geöffnet, so Saupe. Deshalb hat er auch immer viel Wert darauf gelegt, dass seine Auszubildenden und Mitarbeiter auf Reisen gehen, um Land und Leute kennenzulernen; vor allem Wissenswertes über die Häfen herauszufinden, die von den Schiffen angelaufen werden. Stolz blickt er dabei auf das Modell der „Tora“ auf seinem Schreibtisch, eines der ersten Schiffe, die „Seeschmid“ in den 1980er-Jahren speziell für Holztransporte aus Schweden und Finnland bauen ließ.

„Auch die Jahre nach der Wende hatten für mich ihre besonderen Schwerpunkte“, blickt der 72-Jährige auf die 1990er-Jahre zurück, in denen er – inzwischen zum Geschäftsführer aufgestiegen – den Wunsch verspürte, in den neuen Bundesländern zu helfen. Seine Aufgabe fand er in der Sicherung und Befestigung der Küste Mecklenburg-Vorpommerns. 15 Jahre lang organisierte Saupe, der sich stets als fairer Kaufmann verstand und auch immer so zu agieren versuchte, Granitstein-Transporte von Bornholm und Südschweden nach Rostock, aber auch Schrott-Transporte von Rügen in den Ostseehafen sowie Düngemittel-Lieferungen von Rostock nach ganz Nordeuropa. Die Reservierungen für den maritimen Personen- und Ausflugsverkehr zu den Inseln und Halligen gehören bis heute ebenso zum Portfolio des Schiffsmaklers wie die seeseitigen Getreide- und Futtermittel-Transporte des stetig wachsenden Landhandels in Nordfriesland.

Bestanden bereits in den 1980er-Jahren enge Kontakte zur Karl-Meyer-Reederei in Wischhafen, so wurden diese Beziehungen mit der Jahrtausendwende noch intensiviert. Heute ist die Reederei am Unternehmen Wilhelm E. F. Schmid beteiligt. Aland, Halland, Langeland, Neuland, Seeland, Värmland  .  .  . so heißen ihre bis zu 3000 Tonnen großen Schiffe, die von Wilhelm E. F. Schmid erfolgreich gemanagt werden. Schiffe anderer Eigner komplettieren die umfangreiche Flotte, die dem engagierten „Seeschmid“-Team für die unterschiedlichsten Frachttransporte „von der Bottensee bis zur Biscaya“ zur Verfügung steht.

Künftig werden Dr. Frank Schernikau von der Karl-Meyer-Reederei sowie Tom Brodersen und Nicolay Wüst aus dem Hause Schmid das Unternehmen leiten. „Alle drei legen wie ich sehr viel Wert darauf, faire Kaufleute zu sein“, sagt Saupe und glaubt, die Geschäftsführung in Husum daher weiterhin in guten Händen zu wissen. Er selbst war von 2003 bis 2008 Vizepräsident der IHK Flensburg und Mitbegründer des IHK-Arbeitskreises Maritime Wirtschaft sowie der Vereinigung Offshore-Häfen Nordsee.

In Zukunft will er sich verstärkt seinen ehrenamtlichen Aktivitäten widmen, wie dem Rotarier Club Husum und seinem Amt als Klostervorsteher im Gasthaus zum Ritter St. Jürgen. Außerdem möchte er sich noch eine weitere Traumreise gönnen: „Die erste führte mich und meine Frau zur Midsommer-Zeit auf die Hurtigrute nach Norwegen. Jetzt möchten wir den wunderschönen Inselgarten, die Stockholmer Schären, mit ihren zahllosen kleinen Inseln vom Schiff aus erleben“, sagt Saupe über sein nächstes Traumziel in Schweden. Na dann: „Lycklig avgång!“ (Alles Gute für den Ruhestand).

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