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Nach schwerem Unfall in Husum : Ein Asylbewerber kämpft um seine Reha

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Autofahrer verletzte Amin Kaba Mitte Dezember bei einem Unfall in Husum schwer – seitdem pendelt der 45-jährige Syrer unter Schmerzen zwischen Behörden und Ärzten hin und her.

Es war der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien, als sich der aus Aleppo stammende Flüchtling Amin Kaba am 18. Dezember nach dem Deutsch-Kurs von seinen Volkshochschul-Kollegen verabschiedete und aufs Fahrrad stieg. Gemeinsam mit einem anderen Syrer radelte er auf dem Radweg Richtung Husumer Innenstadt, als er hinter sich ein lautes Motorengeräusch vernahm – und dann wurde es plötzlich dunkel um den 45-Jährigen. Aufgewacht ist er auf der Intensivstation des Krankenhauses, wo man ihm erklärte, dass er bei einem Unfall schwer verletzt worden sei.

Wie sich später herausstellte, hatte ein 94-jähriger Mercedes-Fahrer auf der Schobüller Straße die Kontrolle über seinen Wagen verloren. Er war über die Gegenfahrbahn auf den Radweg gerast und hatte die beiden Radfahrer dort von hinten erfasst. Während sein Schulkollege nur leicht verletzt war und das Krankenhaus schnell wieder verlassen konnte, stand es um Amin Kaba lange Zeit mehr als schlecht: Mehrere Rippen waren gebrochen und hatten seine Lunge durchbohrt. Aufgrund der inneren Blutungen hing sein Leben eine ganze Weile am seidenen Faden. Es dauerte Tage, bis er stabil genug war, operiert zu werden – erst am kompliziert gebrochenen Arm und später auch an der verletzten Schulter.

Die Ärzte und auch das Pflegepersonal hätten sich rührend um ihn gekümmert, erinnert sich der Syrer. Dabei denkt er allerdings ungern an seine Entlassung aus dem Krankenhaus zurück, denn von dem Tag an fühlte er sich mehr und mehr allein gelassen. Auch weil sich weder die Familie noch die Versicherung des Unfallverursachers bisher bei ihm gemeldet hätten: „Dass keiner fragt, wie es mir geht, macht mich sehr traurig“, sagt er.

Aufgrund der schier unerträglichen Schmerzen schickte ihn sein Hausarzt zwar umgehend zurück in die Klinik, doch danach stand Kaba erneut vor einem Problem: Obwohl klar war, dass seine Verletzungen nur dann nachhaltig ausheilen können, wenn sich sofort eine Reha-Maßnahme anschließt, bekam er aus für ihn unerfindlichen Gründen keine Zusage zur Reha. Obwohl seiner Meinung nach alle dringend dazu geraten hatten. Und so schleppte sich der bisher kaum der deutschen Sprache mächtige Syrer Tag für Tag unter Schmerzen zu den Behörden und zum Arzt, fragte beim Sozialamt und beim Gesundheitsamt nach, zahlte die Taxi-Fahrten aus eigener Tasche und nahm sich in seiner Verzweiflung schließlich sogar einen Anwalt.

An diesem Punkt wurde Salem Hassoun aktiv, ein ebenfalls aus Syrien stammender Arzt. Bereits kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland hatten sich die beiden Flüchtlinge in Seeth angefreundet. Als Kaba von dort aus nach Husum kam und Hassoun ins ländliche Umland zog, hielten sie telefonisch Kontakt zueinander. Nachdem er so von dem schweren Unfall seines Freundes erfahren hatte, fuhr Hassoun fast täglich mit dem Bus ins Husumer Krankenhaus, um ihm beizustehen. Dass Amin nach seiner Entlassung Hilfe brauchen würde, war ihm klar: „Er kann nicht alleine aufstehen, kann kaum gehen, hat immerzu Schmerzen. Und die Treppe zu seiner Unterkunft schafft Amin auch nicht alleine!“

Kurzerhand holte der Arzt den Freund zu sich nach Sollwitt, wo Ute Andritter für die Betreuung der Flüchtlinge im Dorf zuständig ist. Bei einem Besuch bei den Hassouns sah sie mit Entsetzen, in welch schlechtem Zustand sich der Freund der Familie befand. Gemeinsam beschlossen sie, die Geschichte öffentlich zu machen, und wandten sich an unsere Zeitung.

Und so kam zumindest etwas Bewegung in die Sache: Auf Anfrage bei Hanna Diallo von der Fachstelle Migration im Diakonischen Werk in Husum setzte sich El Sarri, eine Arabisch sprechende Kollegin, mit Amin Kaba in Verbindung. Sie will dem Syrer nun ebenso unterstützend zur Seite stehen wie eine ihm zugeteilte ehrenamtliche Betreuerin.

Auch Felix Carl von der Migrationsberatung des Kreises Nordfriesland zeigte sich sichtlich bewegt von dem Fall und bemühte sich im Kreishaus um Klärung. Am Ende gab es dazu eine Stellungnahme vom Pressesprecher des Kreises. Laut Hans-Martin Slopianka verbiete das Asylbewerberleistungsgesetz zwar grundsätzlich die Übernahme von Reha-Kosten, „nachdem wir aber von Herrn Kabas starken Schmerzen erfuhren, haben wir schnellstmöglich reagiert und seinem Anwalt mitgeteilt, dass wir die Kosten für die Behandlung übernehmen, die auch einem gesetzlich Versicherten in dieser Situation zustünde. Wir wünschen Herrn Kaba alles Gute und hoffen, dass die Behandlung gut anschlägt.“

Für den Syrer bedeutet dies, dass er nun täglich in Husum Therapiestunden in Anspruch nehmen kann, die seinen Gesundheitszustand auf vielfältige Weise verbessern sollen. Eine kompakte Reha ist das bei Weitem noch nicht, ein kleiner Hoffnungsschimmer auf seinem beschwerlichen Weg aber schon. Allerdings ist seit dem Bescheid aus dem Kreishaus schon wieder eine Woche vergangen, ohne dass etwas passiert wäre. Bleibt zu hoffen, dass sich das nun sehr bald ändert.

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