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24 Stunden Husum: 9 bis 10 Uhr : Ein Arbeitsplatz mit Panoramablick

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Von seinem Arbeitsplatz im Husumer Sperrwerk aus hat Jörg Bahnsen einen guten Überblick. Heute steht der Schleusenwärter aus Bredstedt selbst einmal im Blickpunkt – in unserer Serie „24 Stunden Husum“.

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erstellt am 06.Sep.2013 | 17:00 Uhr

In der Serie „24 Stunden Husum“ begeben wir uns an die unterschiedlichsten Orte der Stadt – jeweils für eine Stunde. Heute Teil 5: Einem Schleusenwärter am Sperrwerk über die Schulter geschaut.

Ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten wird wie ein Augapfel gehütet. Im Kontrollturm des Husumer Sperrwerks, das in seiner jetzigen Form 1976 errichtet wurde, hängt es neben der Eingangstür. Ein grauer Metallkasten, darin ein Pegelschreiber, der die Wasserstandskurven sauber auf Papier aufzeichnet. „Das Gerät ist längst ausgemustert, aber es schlägt die moderne Technik um Längen“, sagt dazu Sperrwerkswärter Jörg Bahnsen. Da es dafür schon längst keine Ersatzteile mehr gibt, wurde zum Beispiel die Schreibernadel in mühevoller Kleinarbeit wieder gerichtet. Mit den aufgezeichneten Kurven können, wie Bahnsen erläutert, nämlich gut die Wasserstandsentwicklungen prognostiziert werden.

Ansonsten aber hat auch im Bollwerk am Ausgang der Husumer Au der Computer die Mechanik abgelöst – doch nicht vollständig. Neben dem besagten Pegelschreiber im Gebäude des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) dominieren den Raum im Kontrollturm zwei Schaltpulte – eines für die Schleusentore, das andere für die Pumpen des Schöpfwerks. Es gibt auch ein Radargerät. Doch wird es nur noch bei dichtem Nebel genutzt, denn fast alle Wasserfahrzeuge seien heute mit AIS, einem automatischen Positionsbestimmungssystem, ausgerüstet. Dessen Daten werden in Echtzeit übertragen und auf dem Bildschirm sind die jeweiligen Schiffe dann mit ihren individuellen Kenn-Nummern in den Seekarten zu sehen.

Erst seit knapp einem Jahr übt der Bredstedter Bahnsen den Posten des Sperrwerkwärters aus. Der gelernte Wasserbauer wurde umgeschult und ist froh über seine Entscheidung, auf den Turm zu gehen. Der Blick von dort über die Marschen und die vorgelagerten Halligen und Inseln ist überwältigend. Einen Arbeitsplatz mit einem solchen Panoramablick wünschen sich viele Menschen. „Alle meine Kollegen schwärmen davon“, sagt Bahnsen und unterstreicht, dass ihn daher auch nicht der Drei-Schicht-Betrieb störe. Neben dem Ausblick auf atemberaubende Sonnenuntergänge oder Gischt, die bis an die Turmfenster schlagen kann, habe man auch viel frische Luft am Arbeitsplatz, denn Kontrollgänge auf der gesamten Anlage gehören ebenso zu den Aufgaben. Obwohl die Morgenschicht bei Niedrigwasser sehr ruhig verläuft, ertönt doch plötzlich ein durchdringendes Warnsignal. Bahnsen drückt schnell die so genannte Toter-Mann-Taste. „Da wir an Wochenenden und in der Nacht allein Dienst verrichten, müssen wir rund um die Uhr alle 30 Minuten quasi ein Lebenszeichen von uns geben“, sagt Bahnsen. Es sei nämlich schon vorgekommen, „dass ein Kollege die Treppe hintergestürzt ist“.

Doch warum gibt es eigentlich ein Sperrwerk am Auslauf der Husumer Au in das Wattenmeer? Bei hohen Wasserständen, nicht nur bei Sturmfluten, würde das Wasser sonst schnell über die Kaimauern in Husum schwappen. Die knapp 22 Meter breite Durchfahrt zur Nordsee kann durch zwei Tore, einem äußeren und einem inneren, geschlossen werden. Dadurch wird verhindert, dass der Hafenbereich schon bei leicht erhöhten Wasserständen überflutet wird. Zudem dient es als Bollwerk bei Sturmfluten. Die Tore gehen hydraulisch zu, im Regelfall wird nur eines geschlossen. Der innere Riegel wird nur bei schwerenm Wetter zusätzlich zugefahren, er sei dann die zweite Deichlinie, meint Bahnsen schmunzelnd.

Für die Instandhaltung und Überwachung der gesamten Technik sind fünf Mann verantwortlich. Drei im Schichtbetrieb und zwei, die tagsüber für den reibungslosen Ablauf sorgen. Dazu gehört unter anderem auch die Wartung der Maschinen und Pumpen, denn schließlich befindet sich direkt neben dem Sperrwerk auch noch eine Pumpstation. Gut 8,3 Kubikmeter Wasser in der Sekunde werden bei geschlossenen Toren außendeichs befördert, etwa wenn hohe Wasserstände in der Nordsee das Ablaufen des Auwassers verhindern. Schließlich werden über den Husumer Hafen rund 27 000 Hektar Fläche entwässert.

Damit die Tore immer reibungslos funktionieren, findet ein- bis zweimal im Monat eine Spülung statt. Die zwölf Meter hohen und rund 60 Tonnen schweren Stahltore werden dann so in die Strömung gefahren, dass sie durch diese vom Schlick gereinigt werden. Das ständige Überprüfen ist wichtig, denn mehrere 100 Mal im Jahr werden die Tore geschlossen. Sollte ein System ausfallen, kein Problem, dann springt der Notdiesel an und versorgt die Reserveanlage mit der nötigen Energie. Bahnsen berichtet zudem, dass die Tore auch beheizbar sind, damit sie bei starken Minusgraden nicht an den Seitenwänden festfrieren. Zudem sorge eine Sprudelanlage dafür, dass sich im eigentlichen Sperwerksbereich kaum Eis bilden könne.

Maximal 4,20 Meter Tiefgang dürfen die Schiffe haben, die den Husumer Hafen anlaufen. Und das können sie auch nur für zwei Stunden, dann fällt der Wasserstand wieder. Bei Niedrigwasser ist das Sperrwerk nur von kleinen Fahrzeugen mit einem Tiefgang von maximal 80 Zentimetern passierbar.

„Üblicherweise melden Kapitäne zwei bis drei Tage im Vorwege die Schiffspassage an“, sagt Bahnsen und zeigt auf das Funkgerät. Dort läuft neben dem Arbeitsfunk auf Kanal elf auch immer der Notrufkanal 16. „Wir sind auch eine Küstenfunkstation“, erklärt er. Meldungen werden von dort an die zuständigen Behörden weitergeleitet, etwa wenn es um Verschmutzungen auf See geht.

Teil 6 morgen: Warum es den Bewohnern im städtischen Alten- und Pflegeheim besonders gut schmeckt.

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