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Mehr als 120 Vernissage-Gäste in Kiel : Eiderstedter Künstler im Landeshaus

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Gruppe Kunstklima präsentiert ihre Arbeiten zum Thema Fracking: Linoldrucke, Bilder und Fotos. Die Ausstellung soll Auswirkungen des Gas- und Ölabbaus dieser Art für Umwelt und Natur höchst dramatisch darstellen.

Man stelle sich vor, Bilder regen nicht nur den Betrachter zum Sprechen an, sondern können selbst sprechen. Große Stille, Eiszeitkälte hätte gespürt werden können und dann nur noch Schreie, Ächzen, Stöhnen, Wimmern, Klagen, Schluchzen, Grummeln, Donnern hätten jedes Gespräch der mehr als 120 Interessierten, die sich im Landeshaus in Kiel eingefunden hatten, erstickt. Dann hätten sie als Chor der Entrüsteten und nur scheinbar Ohnmächtigen wohl eingestimmt in das Klagelied der Erde.

In den Fluren und einigen Arbeitsräumen, darunter das Sitzungszimmer der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, hängen an die 50 Kunstwerke von Frauke Petersen, Wolfgang Groß-Freytag, Erhard Schiel, Dieter Staacken, Karin Dreyer, Helga Hoppe, Karen Seggelke, Sibille Rehder, Karl Heinz Höppner, Werner Siems, Gisela Schmidt, Britta Eilering und Gene Mark. Es sind Reliefs, Linoldrucke, Bilder in Öl, Mischtechnik, Tusche mit Aquarell und fotografische Arbeiten.

So verschieden die Techniken auch sind, es eint sie das Thema. „Künstler gegen Fracking“ heißt diese sehenswerte Ausstellung im Kieler Landeshaus. Alle Künstler haben einen persönlichen Bezug zu Nordfriesland, die meisten von ihnen kommen aus Eiderstedt und gehören der Gruppe Kunstklima an. Jazzloungemusik, von Alexander Wilken auf dem Saxophon vorgetragen, begleitete die Vernissage. Die Autorin und Kunsthistorikerin Dr. Constanze Wilken aus St. Peter-Ording hatte die Initiative zu dieser Ausstellung ergriffen und über Bettina Aust, der Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Kultur der Grünen, diese Ausstellung in Kiel ermöglicht. Dafür dankte sie nach der Begrüßung durch Marlies Fritzen, Umwelt- und Naturschutz und Kulturpolitische Sprecherin, und erläuterte ihre Beweggründe so: „Nie werde ich den Anblick von Gas- und Ölbohrfeldern in Colorado und Texas vergessen und den bestialischen Gestank, als ich durch die zerstörte Landschaft zum Strand am Golf von Mexico gefahren bin. Und nun soll Fracking auch hier bei uns zugelassen werden?“ Sie stellte dar, warum die Auswirkungen von Fracking für Umwelt und Natur höchst dramatisch sind. Dr. Silke Schneider, Staatssekretärin im Umweltministerium, präsentierte in ihrem Fachvortrag politische Absichtserklärungen und Initiativen gegen Fracking seitens der Kommunen und des Landtags in Schleswig-Holstein sowie des Bundesrates, machte aber zugleich auch auf das antiquierte Bundesbergbaugesetz aufmerksam, das eine Beteiligung der Öffentlichkeit ausschließt. Das Thema sei bedrückend, aber sie freue sich, dass sich Menschen für ein frackingfreies Schleswig-Holstein und über Deutschland hinaus für eine Welt ohne Fracking einsetzen.

Constanze Wilken wandte sich dann den Künstler und ihren Werken zu. „Sie mahnen, erfreuen, rütteln auf und regen an und auf. Künstler sind Seismografen – feinfühlige Menschen, die auf vielfältige Weise mit bildnerischen Mitteln Inhalte transportieren und dem Betrachter nahe bringen.“ Von dem, was sie zu den Werken sagte, konnten sich die vielen Besucher selber überzeugen. Man stand und betrachtete sie, kam mit seinen Nachbarn ins Gespräch.

Zu der Ausstellung gibt es eine Broschüre und eine Liste aller ausgestellten Bilder. Bis zum 11. November ist sie im Landeshaus, Düsternbroker Weg 70 in Kiel zu sehen. Kontakt über Bettina Aust, Telefon 0431/988 1500 oder per E-Mail bettina.aust@gruene.ltsh.de.

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erstellt am 19.Sep.2014 | 16:00 Uhr

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