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Krankenhaus Tönning : Eiderstedter befürchten Salami-Taktik

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Vertreter der Halbinsel fordern eine langfristige Sicherung des Krankenhaus-Standortes Tönning. Sie appellieren an die Kreistagsabgeordneten, sich dafür einzusetzen.

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erstellt am 18.Mär.2016 | 10:00 Uhr

Die Gegner der Schließung des Tönninger Krankenhauses waren eindeutig in der Überzahl. Die Stadt Tönning, die Ämter Eiderstedt und Nordsee-Treene hatten die Kreistagsabgeordneten zu einer internen Sitzung eingeladen. In ihr hatten die Bürgermeister der Halbinsel, die Stadt- und Gemeindevertreter sowie Vertreter von Vereinen, Verbänden, von Feuerwehr, DRK und DLRG Gelegenheit, ihre Bedenken gegen die Schließung und Vorschläge für die künftige Aufstellung des Krankenhauses vorzutragen. Am 23. März soll der Kreistag entscheiden, ob die stationäre Versorgung am Krankenhaus Tönning zum 30. Juni 2017 geschlossen, das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) dort weiterbetrieben und die Notfallversorgung für Eiderstedt sichergestellt wird. Der Kreis Nordfriesland ist Träger des Klinikums Nordfrieslands, zu dem das Haus in Tönning gehört. Das Klinikum schreibt seit Jahren rote Zahlen.

Rund 50 Frauen und Männer waren der Einladung ins Hotel Fernsicht in Tönning gefolgt. Von den 52 Kreistagsabgeordneten waren Nico Hamkens und Carsten F. Sörensen von der SPD, Ulrich Stellfeld-Petersen (SSW), Mery Ebsen (WGNF), Frank Petersen (CDU) und Uwe Schwalm (Grüne) anwesend. Viele andere fehlten entschuldigt, wie auch Kreispräsident Heinz Maurus und Landrat Dieter Harrsen. Hermann-Josef Thoben, Vorsitzender der Akademie für Ländliche Räume moderierte. Er legte Wert auf eine sachliche Diskussion, und in der Tat, alle hielten sich daran.

Aus den verschiedenen Beiträgen wurde deutlich, dass eine 24-Stunden-Notfallversorgung im MVZ Tönning das Minimalziel für den Fortbestand sein muss. Denn: „Allein im Sommer suchen 40 bis 50 Patienten pro Tag die Ambulanz auf “, so Tönnings Bürgermeisterin Dorothe Klömmer. Aber eigentlich werde das stationäre Krankenhaus dringend gebraucht, waren sich die Eiderstedter einig. Das machte Boy Jöns, Bürgervorsteher von St. Peter-Ording, deutlich. „2015 hatten wir 349  .000 Urlauber und 600  .000 Tagesgäste bei uns. Auf Eiderstedt leben rund 18  .000 Einwohner. In St. Peter-Ording haben wir von Ostern bis Oktober 20.000 Gäste pro Tag. Es wäre ein drastischer Einschnitt für die Region, wenn das Krankenhaus geschlossen würde.“ Dazu kommen noch 1200 Betten in den Reha-Kliniken im Badeort, so Jöns weiter. Davon 200 für Schwerstkranke. „Die brauchen ein Krankenhaus in der Nähe.“ Und außerdem: „Das Zentralkrankenhaus für die Westküste gehört nach Tönning. Denn Tönning liegt in der Mitte“, erteilte er den Plänen für den Standort Bredstedt eine Absage. Heidi Rohde, Seniorenheim-Betreiberin in Tetenbüll, wies auf die 300 Betten in den Alten- und Pflegeheime auf Eiderstedt hin. Auch die alten Menschen seien auf ein Krankenhaus in der Nähe angewiesen. Im Raum stand auch die Frage, ob das MVZ langfristig eine Überlebenschance habe. Einige bezweifelten sogar, dass daran ernsthaft gearbeitet werde. „Es darf nicht noch mal der Rotstift angesetzt werden“, warnte Dorothe Klömmer. „Oder ist das eine Salami-Taktik?“

Serge Hatzenbühler, Vorsitzender des Gardinger Gewerbevereins, stellte die Kosten zur Debatte. Er prophezeite, dass künftig öfter der Rettungsdienst gerufen werde, wenn es in Tönning kein Krankenhaus mehr gebe. Als Kosten für den Transport von Tönning nach Husum wurden 600 Euro genannt, von St. Peter-Ording nach Husum 900 Euro. Und Tönnings Ortswehrführer Stefan Klützke forderte eine Aufstockung des Rettungsdienstes.

Die Eiderstedter Kreistagsabgeordneten nahmen die Einwände ernst, wiesen aber auf die wirtschaftliche Zwangslage hin. „Wir haben auch Verantwortung für den Kreis“, sagte Nico Hamkens. Uwe Schwalm wurde sehr deutlich: „Bei einer Insolvenz würde das Klinikum für einen Euro verkauft. Und wie wären dann die Arbeitsbedingungen? Wir brauchen eine Fusion mit Flensburg und Heide, und die sind jetzt dazu bereit.“ Ein MVZ würde nur mit einer Kooperation mit Heide funktionieren, betonte er und versprach sich dafür einzusetzen, dass als Voraussetzung für die Schließung die Notfallversorgung gesichert sein müsse. Der Kreis könne nicht ständig Geld in das Klinikum schießen, betonte Uwe Stellfeld-Petersen. Er sprach sich für einen Erhalt des Tönninger Hauses aus – als MVZ mit Geriatrie, und auch ein Hospiz sei denkbar. Er sah eine Kooperation mit Flensburg und Heide als Chance und versicherte, dass es Ergänzungsanträge zur Beschlussvorlage geben werde. Dorothe Klömmer war das eine dringendes Anliegen. Die Vorlage dürfe so nicht bleiben. Denn es müssen Alternativen für die Weiterführung geprüft werden, wie eine Geriatrie und eine Palliativstation, ferner die komplette Verlegung der Neurochirurgie nach Tönning sowie die Aufnahme von Belegärzten. Der Durchgangsarzt für die Berufsgenossenschaften müsse in Tönning bleiben und die Erweiterung des MVZ geprüft werden. Das derzeitige Minus von 235.000 Euro sei nicht hinnehmbar. Träger müsse der Kreis sein, nicht die Kassenärztliche Vereinigung. Amtsdirektor Herbert Lorenzen forderte eine Möglichkeit, „unsere Ideen einfließen lassen zu können. Das haben wir bis heute vermisst“.


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