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Kirchturmdenken adé : Eiderstedt lebenswert erhalten

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zehn Kommunen wollen in Sachen Wohnen, ärztliche Versorgung und Mobilität zusammenarbeiten. Die Stadt Garding ist der Mittelpunkt dieses Kooperationsraum. Ein Vertrag wurde jetzt unterzeichnet.

Die Mitte Eiderstedts rückt enger zusammen. Die Bürgermeister von zehn Gemeinden unterzeichneten jetzt eine Vereinbarung für eine Kooperation. Das war der krönende Abschluss einer Veranstaltung mit den beteiligten Bürgermeistern oder ihren Vertretern und mit Amtsdirektor Herbert Lorenzen in der Gardinger Dreilandenhalle. Zu den in dem Schriftstück vereinbarten Zielen gehört die Förderung der Wirtschaft, des sozialen Zusammenhalts und der Lebensqualität, der Schutz von Natur und Kultur sowie eine Verbesserung der Mobilitätsangebote für alle. Außerdem sollen die Interessen von Garding und den Gemeinden Grothusenkoog, Kirchspiel Garding, Katharinenheerd, Osterhever, Poppenbüll, Tetenbüll, Vollerwiek, Welt und Westerhever nach außen mit einer Stimme vertreten werden.

Bevor die Stadt- und Gemeindeverantwortlichen sowie der Amtsdirektor ihre Unterschriften leisteten, hatten Dr. Susanne Dahm und Torsten Beck von einem begleitenden Büro für Regionalplanung in einer umfangreichen Präsentation die Situation und die Perspektiven der Region sowie die Ergebnisse eines zweitägigen Workshops in Westerhever (wir berichteten) dargestellt. „Der zu erwartende Rückgang der Bevölkerung um rund fünf Prozent in den nächsten zehn Jahren ist nicht besonders dramatisch“, erklärte Dr. Dahm. „Damit müssen wir leben.“ Wesentlich größere Auswirkungen auf die künftige Gestaltung des Wohnens, der ärztlichen Versorgung und der Mobilität habe der erheblich ansteigende Anteil von älteren Menschen an der Bevölkerung. Der „Tourismusbonus“ könne sich in vielen Bereichen vorteilhaft auf die Einwohner auswirken.

In seinem Rückblick auf die Pilotierungsphase in den vergangenen Monaten schilderte ihr Kollege Torsten Beck, wie Themen der Daseinsvorsorge gemeinsam mit Vertretern der betroffenen Gemeinden, des Amtes sowie mit interessierten Bürgern aufbereitet wurden. Dabei sei klar geworden, dass Garding eine hervorragende Ausgangssituation als Versorgungszentrum des Kooperationsgebietes habe. Dazu informierte Oliver Franz von der Fachhochschule Westküste die Ergebnisse einer Einzelhandelsanalyse. „Die Stadt genießt gute Sympathiewerte“, sagte er. Allerdings werde von vielen Teilnehmern einer Befragung ein Discounter vermisst. Eine Verschönerung des Ortsbildes sowie mehr Kunst und Kultur wurden ebenfalls gewünscht.

Burkhard Jansen vom Kreis Nordfriesland bezeichnete die Kooperation als Ausrufezeichen für die Region, mit der das Kirchturmdenken überwunden werden könne. „Damit können sie Eiderstedt lebenswert und lebensfähig erhalten“, betonte der Fachbereichsleiter für Kreisentwicklung in den Bereichen Bauen, Umwelt und Kultur. Angesichts der demografischen Veränderungen gäbe es keine Alternativen, sagte er und verwies auf die ersten Auswirkungen, wie Pflichtfeuerwehren und Leerstände von Immobilien. Er sicherte den Beteiligten die Unterstützung des Kreises zu.

Die Rolle des Amtes bei dem Vorhaben als Initiator und organisatorischer Begleiter erläuterte Herbert Lorenzen. „Wir machen keine Vorgaben und nehmen auf die Inhalte der Themen keinen Einfluss“, versicherte er. Jetzt gehe es darum, die nächste Phase einzuleiten. Darin soll die vorläufige Steuerungsgruppe, bestehend aus jeweils zwei Vertretern der mitwirkenden Gemeinden, die Grundlagen für einen verbindlichen Steuerungsprozess schaffen. Besonders wichtig sei ihm eine nachhaltige Beteiligung der Einwohner. Das erste Treffen der Delegierten findet bereits im Dezember statt. Die Kosten der bisherigen Pilotierungsphase von rund 32 000 Euro trägt zur Hälfte das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. 30 Prozent haben die Kooperationspartner aufzubringen. Mit jeweils zehn Prozent beteiligen sich der Kreis und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft NF. An die Adresse der nicht an dem Projekt beteiligten Orte richtete Lorenzen den Hinweis, dass sie nicht ausgeschlossen werden und Verzahnungen möglich seien.

Wie seine Vorredner dankte der Welter Bürgermeister Dirk Lautenschläger allen, die sich an der bisherigen Planung beteiligt haben. „Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt“, sagte er. „Dabei wollen wir offen und ehrlich miteinander umgehen und die Bürger mitnehmen.“



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erstellt am 04.Nov.2014 | 13:45 Uhr

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