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Husumer Nachrichten

20. Oktober 2017 | 22:10 Uhr

Nachruf : Eiderstedt lag ihm immer am Herzen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Im Alter von 103 Jahren ist der letzte Kreispräsident der Halbinsel und ehemalige Landtagsabgeordnete, Hans Alwin Ketels, gestorben.

Dem Wohl der Menschen in Eiderstedt und in Nordfriesland zu dienen war ihm Pflicht und Aufgabe – getreu seinem Lebensmotto „Et gah uns wohl op unse olen Dage“: Nun ist Hans Alwin Ketels, der letzte Kreispräsident von Eiderstedt, am 12. April im Alter von 103 Jahren nach kurzer Krankheit im Kreise seiner Familie gestorben. Der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete war neben Uwe Ronneburger und Walter Peters, beide FDP, eine der großen Politikerpersönlichkeiten, die die Halbinsel im 20. Jahrhundert hervorgebracht hat. In seinem Wirken war er dabei immer geradlinig, an der Sache orientiert und ohne jede Eitelkeit. So hatte er bei der Landtagswahl 1967 gar nicht antreten wollen, weil er niemanden wegstoßen mochte. Doch sein Vorgänger konnte wegen eines Augenleidens nicht wieder kandidieren. Im Zuge der Strauss-Affäre war Hans Alwin Ketels 1965 das erste Mal Mitglied des Landtags geworden. Er rückte für Ministerpräsident Kai-Uwe von Hassel nach, der damals das Verteidigungsministerium übernahm. Im Alter von 70 Jahren schied Ketels 1983 aus dem Landtag aus. Es sollten nun Jüngere ran, fand er.

In seinem Engagement ist Hans Alwin Ketels von den dramatischen Entwicklungen gerade in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt worden. Noch im Kaiserreich wurde er am 19. Oktober 1913 in Osterhever in eine alteingesessene Eiderstedter Landwirtsfamilie hineingeboren. Er war der älteste der sieben Söhne von Ove Becker und Elisabeth Ketels, geborene Hinrichs, deren Familie ebenfalls aus Eiderstedt stammt. Nach der Grundschulzeit besuchte er von 1924 bis 1931 das Hermann-Tast-Gymnasium in Husum. Weil sein Vater wegen der Wirtschaftskrise die Ausbildungskosten nicht mehr zahlen konnte, musste er die Schule ein Jahr vor dem Abitur verlassen. Er entschied sich für den Landwirtsberuf. 1935 wurde er dann freiwillig Soldat. Am 18. November 1938 heiratete er seine Frau Helene, geborene Pauls. Beide hatten sich in der Landjugend kennengelernt. Sie übernahmen nach der Heirat einen 30 Hektar großen Hof im Norderheverkoog. Zwischen 1939 und 1950 kamen der Sohn Ove Becker und die vier Töchter Levke (2001 verstorben), Anke, Helma und Gunta auf die Welt.

Der Zweite Weltkrieg sollte dem Leben von Hans Alwin Ketels dann eine neue Richtung geben. Bei der Belagerung von Leningrad 1942 erlitt er als Soldat Erfrierungen an allen Fingern, in der Folge mussten ihm alle abgenommen werden. Da er nun nicht mehr praktisch als Landwirt arbeiten konnte, hatte er Zeit für etliche Ehrenämter, die ihm angetragen wurden. Als erstes engagierte er sich dafür, dass der Landesteil Schleswig deutsch blieb. Hans Alwin Ketels arbeitete dann am Aufbau des Bauernverbandes und der Landjugend mit. Er war von 1951 bis 1974 Vorsitzender des Kreisbauernverbandes und später auch Vorstandsmitglied im Landesbauernverband. Er wirkte ab 1950 am Wiederaufbau der Landwirtschaftskammer mit und gehörte dem Vorstand von 1953 bis 1978 an. Daneben hatte Hans Alwin Ketels zahlreiche Vorstands-, Aufsichts- und Beiratsposten im Bereich Meierei, Fleischwirtschaft, Banken- und Versicherungswesen.

1959 trat er der CDU bei, wurde im selben Jahr Mitglied des Eiderstedter Kreistages. 1966 wurde er zum Kreispräsident gewählt. Bis zur Kreisgebietsreform 1970 blieb er im Amt. Damals ging Eiderstedt in Nordfriesland auf. Für sein politisches Engagement erhielt er die Freiherr-vom-Stein-Medaille, 1975 das Bundesverdienstkreuz am Bande, 1981 die Schleswig-Holstein-Medaille und 1982 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse.

Doch so ganz verabschiedete sich Ketels nicht aus der politischen Landschaft: Von 1982 bis 1990 war er Stadtvertreter von Garding. Bereits 1964 hatte sein Sohn den Hof im Norderheverkoog übernommen. Ketels und seine Frau zogen nach Garding. 1994 verstarb Helene Ketels. Heute gehören zu seiner Familie auch elf Enkel und 16 Urenkel.

Eine große Leidenschaft hegte Hans Alwin Ketels für seine Heimat Eiderstedt. Intensiv widmete er sich der Geschichte der Landschaft. Von 1955 bis 1988 war er Vorsitzender des Heimatbunds Landschaft Eiderstedt, ab 1988 dann Ehrenvorsitzender. Außerdem war er Beiratsmitglied des Nordfriesischen Vereins. Intensiv erforschte er auch seine eigene Familiengeschichte. Jahrelang war er Stammgast auf Schloss Gottorf. Auch die Boßler, Ringreiter und Chöre der Halbinsel lagen ihm sehr am Herzen. Er war (Ehren-)Mitglied in vielen Vereinen. Auch noch nach seinem 100. Geburtstag besuchte er gerne die Versammlungen.

„Was er gesagt hat, hatte immer Hand und Fuß, dabei pflegte er seinen leisen Humor“, beschreibt ihn Eiderstedts Amtsvorsteher Christian Marwig, der ihm auch familiär verbunden ist, Hans Alwin Ketels war sein Schwiegergroßvater. „Er hatte die Gabe, dass die Leute ihm stets zuhörten, wenn er etwas sagte.“ Selbst der damalige Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg habe im Landtag dann die Zeitung weggelegt. Ausgezeichnet habe Hans Alwin Ketels auch, dass er sich bis zum Schluss für seine Mitmenschen interessierte, dass er mit allen auf Augenhöhe gesprochen habe. „Er hat sich besonders für seine Halbinsel eingesetzt. Und auch im hohen Alter konnte er erklären, warum sie in der Landes- und der Kreispolitik die Dinge für Eiderstedt so entschieden hatten“, erinnert sich Marwig.

Den Vorsitzenden des Heimatbunds, Hans Meeder, hat neben dem großen Wissen Hans Alwin Ketels sehr beeindruckt, dass er stets auch den Kontakt zu den jüngeren Generationen gehalten hat. „Er war daher immer auf dem aktuellen Stand.“ Und so war auch immer noch sein Wort gewünscht, wie beispielsweise beim Ringreiter-Wettbewerb „König der Könige“ in St. Peter-Ording vor zwei Jahren.

Es ist Hans Alwin Ketels vergönnt gewesen, getreu seinem Lebensmotto „Et gah uns wohl op unse olen Dage“ bis zum Schluss in seinem Haus in Garding zu leben. Sein Lebenselixier seien wohl auch die regelmäßigen Spaziergänge gewesen, sagt seine Tochter Anke Dellin.

Die Trauerfeier für Hans Alwin Ketels beginnt am Freitag (21.) um 11 Uhr in der St.-Christian-Kirche in Garding. Im Anschluss bittet die Familie in den Eiderstedter Krog in Tating.

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