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Husumer Nachrichten

15. Dezember 2017 | 01:53 Uhr

Sturmflut in SH : Eidersperrwerk im Notbetrieb

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Zufahrten zum Eidersperrwerk in Tönning sind gesperrt, das gewaltige Diesel-Stromaggregat angeworfen. Volker Sönksen, dem Leiter des Sperrwerks, ist etwas mulmig zumute.

shz.de von
erstellt am 06.Dez.2013 | 00:31 Uhr

„Ich bleibe hier.“ Volker Sönksen (57) will das Eidersperrwerk und sein Team nicht allein lassen, bleibt solange, bis die letzte der drei Fluten überstanden ist. Er steht im Leitstand des 40 Jahren alten Sturmflut-Bollwerks, es ist 13 Uhr, der Pegelstand auf dem Kontroll-Monitor steigt und steigt. Draußen tobt die Nordsee, längst versunken unter den Fluten ist der Außenhafen, der Sturm aus Südwest drückt das Wasser über die Deichzufahrt, eine Polizeistreife sichert. „Wir werden die Zufahrten und die Zugänge zum Sperrwerk absperren“, sagt Sönksen kurz. Er hat Angst, dass Touristen die Gefahren unterschätzen. „Eine starke Windböe und die können ins Meer gerissen oder verletzt werden. Das ist jetzt lebensgefährlich.“

Um 14.30 Uhr erreicht die Flut am Sperrwerk ihren Höchststand: 2,75 Meter über Mittleres Tidehochwasser – ab 2,50 Meter sprechen Küstenschutz-Experten von einer schweren Sturmflut. Dabei ist es gar nicht so sehr der Orkan mit Stärken um die 100 Kilometer pro Stunde, der Sönksen nachdenklich macht. Er hat vielmehr ein mulmiges Gefühl, „weil wir uns in der Springtide befinden“. Denn der Neumond sorgt durch seine Anziehungskraft dafür, dass das normale Hochwasser ohnehin schon einen halben Meter höher steht – und der Sturm trägt seinen Teil dazu bei. Das Tückische: Der Orkan drückt nicht nur das Hochwasser mit Macht an die Küste, er hält es auch über die Ebbe hinweg fest.

Mit einigen Sorgenfalten im Gesicht blickte der Sperrwerks-Leiter deshalb gestern in die Nacht zu heute: „Die Flut wird bei Ebbe nicht weit zurückgehen, das Niedrigwasser könnte fast so hoch sein wie ein normales Hochwasser.“ Hinzu kommt, dass der Orkan in der Nacht Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern erreichen sollte. „Das wird sehr, sehr schwierig.“

Alle verfügbaren Kräfte kamen deshalb gestern Abend um 22 Uhr zurück zur Arbeit. Die ganze Nacht überprüften die Techniker jede halbe Stunde die Maschinenkammern des Sperrwerks, die sich unter der Wasserlinie befinden und durch einen Tunnelgang erreichbar sind. „In erster Linie müssen wir nach möglichen Wassereinbrüchen schauen.“

Auch ließ Sönksen das Sperrwerk vom öffentlichen Stromnetz freischalten, brachte das gewaltige Diesel-Stromaggregat in Betrieb. „Damit können wir die ganze Anlage fahren. So haben wir mehr Sicherheit, das ist schon für den Betrieb unserer Computer wichtig“, erklärt Sönksen und blickt etwas angespannt auf die Nacht: „Ich rechne ein bisschen damit, dass es einen neuen Höchstwasserstand gibt, höher als 1962 und 1976.“

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