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Schweizer Autorin in Norderstapel : Eider-Region als Quelle der Inspiration

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Schriftstellerin Katharina Geiser pendelt zwischen zwei Welten: der geschäftigen Schweiz am Zürichsee und dem ruhigen Norderstapel. Dort stellte sie ihr Werk „Vierfleck oder Das Glück“ im Kunstverein vor.

Zur Ruhe kommen. Stille finden. Mit der Natur leben. Für Katharina Geiser erfüllen sich diese Sehnsüchte in Norderstapel. Die Schweizer Schriftstellerin reist so oft wie möglich vom Zürichsee, wo sie lebt und arbeitet, zu ihrem idyllisch gelegenen Häuschen inmitten der kleinen Gemeinde zwischen Eider, Sorge und Treene. „Es ist ein Paradies für mich, das mir sehr viel Nahrung gibt“, schwärmt die 59-Jährige: „Hier habe ich kein Telefon, kein Internet, bin ich unerreichbar.“ Ihre Handy-Nummer kennen nur die engsten Freunde. Katharina Geiser genießt die Beschaulichkeit in dem kleinen Ort, die weitläufige Natur, das Alleinsein mit sich, aber auch die Gesellschaft ihrer Freunde, wenn sie das möchte. Dort treibt sie keiner. Dort hat sie einen perfekten „Schreib-Ort“ gefunden. Auch wenn sie mal gerade nicht schreibt.

„Ich würde gern etwas über die Gegend erzählen“, sagt die Autorin des preisgekrönten Romans „Diese Gezeiten“, die ihr jüngstes Werk „Vierfleck oder Das Glück“ beim Kunstverein in Süderstapel vorstellte: „Ich höre viele Geschichten. Aber es muss noch den ganz besonderen Anstoß geben.“ Sie gehe mit offenen Augen und Ohren durch den Tag: „Ich bin ganz sicher: Da kommt was.“ Ist die Schweizerin von einem Thema fasziniert, taucht sie bedingungslos ab. Recherchiert, lässt ihrer Fantasie freien Lauf – und schreibt, schreibt, schreibt. „Wenn ich an einem Projekt bin, bleibt alles andere liegen“, sagt sie. Vor allem brauche sie dann Ruhe.

Ruhe, die sie in Norderstapel findet. Daheim in Wädenswil am Zürichsee sei in den vergangenen Jahren alles sehr geschäftig und laut geworden, erzählt Katharina Geiser: „Man lebt dort sehr aufeinander.“ Umso beeindruckter war sie von der Stille und Weite der Eider-Landschaft, als sie vor drei Jahren das erste Mal nach Süderstapel kam, um dort Freunde zu besuchen. „Es hat mir auf Anhieb gefallen.“ So sehr, dass sie ihre Freunde bat, nach einer Bleibe für sie Ausschau zu halten.

Sie entdeckten das kleine Öko-Häuschen in Norderstapel. Und die Autorin krempelte erst einmal die Ärmel auf, kümmerte sich um den Garten und die Renovierung des Hauses: „Es gab viel zu tun.“ Schnell hatte sie Kontakt zu den Nachbarn, die sich liebevoll um das Häuschen der Schriftstellerin kümmern, wenn sie nicht da ist. „Ich bin zwar ein Wanderer zwischen zwei Welten“, sagt Katharina Geiser, „aber immer mit allen Sinnen an dem Ort, wo ich mich gerade aufhalte.“ Momentan in Norderstapel, wo sie viel Zeit für Natur, Garten und Bücher hat. Zurzeit liest sie besonders gern Werke der Freiburgerin Annette Pehnt. Vorbilder habe sie aber nicht, sagt Katharina Geiser, eher von Zeit zu Zeit bestimmte Vorlieben. Nach Norderstapel hat sie sich Werke von Marcel Proust bestellt: „Das ist dort der richtige Ort für Proust.“

Und auch der richtige Ort für die Schweizerin, um ihren eigenen, neuen Roman vorzustellen: „Vierfleck oder Das Glück“, die Geschichte eines Mannes, Eugen Esslinger, der einiges gewinnt und alles verliert. Vier Jahrzehnte deutscher Geschichte, von 1900 bis 1944, werden in Katharina Geisers Roman lebendig. „Sie macht das Lebensgefühl jener Jahre spürbar, und sie erzählt diese Geschichte so heiter, dass es schmerzt“, loben Kritiker. Wie schon bei ihrem ersten Roman hat es auch für dieses Werk einen ganz realen Auslöser gegeben, erklärt die studierte Germanistin und Mutter von drei erwachsenen Söhnen, die schon als Studentin zur Feder gegriffen hat. Ihre jüngste Roman-Figur Eugen Esslinger ließ der Autorin aber auch genügend Freiheit, ihre Fantasie auszuleben. Sie identifiziere sich nicht mit ihren Protagonisten, komme ihnen aber so nah, wie möglich: „Nah genug, um sie sympathisch oder unsympathisch zu finden“, sagt sie. Geschichten über Personen, die man schon kennt, interessieren sie nicht: „Mich faszinieren die kleinen Leute, die sonst untergehen.“ Bei Katharina Geiser bekommen sie – wie Eugen Esslinger – ganz viel Raum. Und eine große Bühne.

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