Kunststofftüren verboten : Ehrliche Bürger werden bestraft

Die Friedrichstädter Ortsgestaltungs-Satzung verbietet Kunststofftüren, sie werden aber dennoch eingebaut. Wer aber einen Antrag stellt, der hat keine Chance, der muss auf eine wesentlich teurere Holztür zurückgreifen.

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06. Juni 2014, 14:00 Uhr

„Wer ehrlich ist und einen Antrag bei der Stadt stellt, der ist der Angeschmierte. Wer darauf verzichtet, der spart Geld und kann sofort loslegen.“ So drastisch formulierte es der Friedrichstädter Olaf Jöns in der jüngsten Sitzung des städtischen Bauausschusses im Rathaus. Und das Gremium musste ihm stillschweigend Recht geben. Olaf Jöns berichtete, dass er in seinem Haus in der Flachsblumenstraße eine neue Haustür einbauen will, die alle Kriterien zum Energiesparen erfüllt. Doch dies sei ihm verwehrt worden, da er eine Kunststofftür einbauen lassen wollte. Die Ortsgestaltungs-Satzung der Stadt schreibt aber Holztüren vor. Diese aber, so argumentiert Jöns, würden die Energiekriterien nur sehr schwer erfüllen und seien zudem, in seinem Fall fast 1500 Euro, teurer.

Verstehen könne der Bürger die Ortsgestaltungs-Satzung nicht, denn diese erlaube explizit den Einbau von Kunststofffenstern, selbst in denkmalgeschützten Häusern, aber nicht den Einbau von Türen aus diesem Material. „Heute sind doch die verschiedenen Materialien kaum noch zu unterscheiden, Kunststofffenster und -türen sehen aus wie aus Holz, einige Holzfenster hingegen wie aus dem neuen Baustoff“, beschrieb Jöns das Dilemma.

Die Ausschuss-Mitglieder hörten sich die Argumentation des Einwohners an , konnten aber nicht helfen, denn schließlich, so berichtete Jörn Norden, ehemals Vorsitzender des Gremiums, gebe es ein Urteil des Bundesgerichtshofes zum diesem Thema. Ein Betroffener hätte vor Jahren gegen den Denkmalschutz geklagt, weil er moderne Fenster in sein unter Schutz stehendes Haus einbauen wollte, die Denkmalbehörde dies aber untersagt hatte. Schließlich habe das Gericht dem Kläger Recht gegeben. „Aber, es handelte sich nur um Kunststofffenster, nicht um -türen“, betonte Norden, daher gelte diese Regelung auch nur dafür.“

Mehrheitlich stellte das Gremium fest, dass diese Regelung nicht mehr zeitgemäß und daher unsinnig sei, zumal sicherlich die Auflage gemacht werden könnte, dass Kunststofffenster ausschließlich in Holzoptik eingebaut werden dürften.

Einwohner Jöns fühlte sich aber dennoch ungerecht behandelt, denn er führte viele Beispiele von Häusern im Geltungsbereich der Ortsgestaltungs-Satzung im Innenstadtbereich an, an denen mittlerweile die neuen Materialien verbaut worden seien. „Die haben wohl alle keinen Antrag gestellt, sondern einfach losgebaut“, war sein Fazit. Das wollte Ausschussvorsitzender Wilhelm Wiebling nicht so einfach hinnehmen und betonte, dass es zu einem Rückbau kommen müsse, wenn der betreffende Hauseigentümer erwischt werde. Auf die Frage, warum es denn so viele Kunststoff-Haustüren in Friedrichstadt gebe, konnte das Gremium aber keine Antworten geben.

Bürgermeister Eggert Vogt, Wilhelm Wiebling und Anja Holm von der Amtsverwaltung Nordsee-Treene gaben die Empfehlung, sich an den Kreis zu wenden, um die dortige Denkmalbehörde um eine Ausnahmegenehmigung zu ersuchen. Allerdings stellte Anja Holm fest, dass sie dem nur geringe Erfolgsaussichten einräume.

Die Mitglieder des Bauausschusses zumindest wollen den Fall zum Anlass nehmen, gemeinsam mit der Denkmalbehörde nach neuen Möglichkeiten zu suchen und gegebenenfalls die Ortsgestaltungs-Satzung abzuändern.

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