Kaufvertrag in Bredstedt vor dem Abschluss : Ehemalige BGS-Blocks: Stadt will Neubaugebiet

Seit vergangenem Dezember sind die ehemaligen BGS-Blocks komplett unbewohnt.
Seit vergangenem Dezember sind die ehemaligen BGS-Blocks komplett unbewohnt.

Die Eigentümerin der Ex-BGS-Blocks will jetzt verkaufen. Wird sie sich mit der Stadt einig, sollen die Gebäude abgerissen werden und ein Neubaugebiet entstehen, das auch die ehemalige BMX-Bahn und den Bolzplatz umfasst.

shz.de von
19. Mai 2015, 09:00 Uhr

Einzelne Fensterscheiben sind zerbrochen, durch die Dächer kommt der Regen, ein Keller steht unter Wasser. Seit Jahren schon zerfallen die ehemaligen BGS-Blocks an der Broder-Lorenz-Nissen-Straße und Am Bornbek in Bredstedt mehr und mehr. Auch von außen ist das deutlich zu sehen. Aus den Fassaden hängen Dichtungen, auf den Wegen zu den Hauseingängen fehlen Gehwegplatten, die Außenanlage wird nicht mehr gepflegt.

Mit dem Verfall hatte auch der Wegzug der Mieter begonnen. Ein Großteil der Wohnungen in den insgesamt fünf Blocks ist bereits seit einigen Jahren unbewohnt, im vergangenen Dezember sind die letzten Mieter ausgezogen. Und Ende April hat die Eigentümerin schließlich Heizung, Strom und Wasserversorgung komplett abgeschaltet.

Die Stadt würde die Gebäude gern übernehmen und führt seit einiger Zeit regelmäßig Gespräche mit der Berlinerin. Und so langsam scheint es nun zu einer Einigung zu kommen. „Sie will sich jetzt davon trennen“, sagt Bürgermeister Knut Jessen und ist optimistisch, dass es noch in diesem Jahr zu einem Vertragsabschluss kommt. „Wir sind nicht mehr weit voneinander entfernt.“

1974 waren die Blocks für Beamte der damals in Bredstedt eröffneten Bundesgrenzschutz-Schule entstanden. Auch viele Lehrer und Beamte der Landespolizei zogen kurz darauf ein. Für die heutigen Ansprüche seien die Wohnungen mit ihren rund 96 Quadratmetern aber zu groß, sagt Jessen.

Eine Studentengruppe der Fachhochschule Lübeck hat deswegen erarbeitet, inwiefern sich die Renovierung und ein Umbau der Gebäude lohnen würde. Aus zwei Wohnungen könnten laut dem Vorschlag der Architektur-Studenten drei gemacht werden, eine Kindertagesstätte und ein Mix aus familien- und seniorengerechten Einheiten könnte Mehrgenerationenwohnen ermöglichen.

Ideen, die dem Bürgermeister zwar gefallen, sich laut seiner Aussage allerdings nicht rentieren würden. Fassade und Dächer müssten ohnehin renoviert werden, zudem müsse die Heizungsanlage komplett erneuert werden. Er spricht sich deswegen für einen Abriss der Gebäude aus. Laut Gutachten würde dieser etwa 350.000 Euro kosten.

Nach Jessens Vorstellungen könnten dann neue Mehr- und Einfamilienhäuser im Norden der Stadt entstehen. „Wir müssen auch mal wieder an junge Menschen denken“, sagt er, nachdem in der Vergangenheit vor allem barrierefreie Wohnungen in Bredstedt gebaut wurden. Die Nachfrage junger Familien dafür sei da.

Insgesamt 13.000 Quadratmeter umfasst die Fläche um die Blocks, hinzu kommen die 12.000 Quadratmeter der benachbarten ehemaligen BMX-Bahn und des Bolzplatzes – eine Gesamtfläche von rund zweieinhalb Hektar mitten in der Stadt. „Das ist städtebaulich sehr interessant“, sagt Jessen. Das Land würde weitere Neubaugebiete am Ortsrand nämlich ohnehin nicht genehmigen, bevor nicht die Flächen innerhalb der Stadt genutzt würden. Deswegen hatte man sich zuletzt auch von einzelnen Spielplätzen getrennt.

Noch 60 Jahre läuft das zinsfreie Darlehen auf die Blocks offiziell, 1,4 Millionen Euro sind noch zu tilgen. Bekommt die Eigentümerin ein gutes Angebot, günstiger aus der Schuld entlassen zu werden, will sie verkaufen. Und kommt dieses Angebot bald, könnten vielleicht auch noch 2015 die Abrissbagger anrollen.

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