Zugeparkte Straßen in Husum : Durchkommen in der Hebbelstraße in Husum ist reine Glückssache

Rechts vor links ist an dieser Stelle zwar vorgeschrieben, aber nur selten möglich.
Rechts vor links ist an dieser Stelle zwar vorgeschrieben, aber nur selten möglich.

Die Anwohner der Hebbelstraße sind mit der Verkehrssituation vor ihrer Haustür alles andere als zufrieden.

shz.de von
25. Januar 2018, 06:00 Uhr

Der Druck kommt vor allem von der Klaus-Groth-Straße. Darin sind sich die Anlieger der Hebbelstraße ebenso einig wie in der Frage, was passiert, wenn der Druck überhand nimmt. „Dann entlädt er sich in alle Richtungen“, sagen sie, „und wird dort den größten Schaden anrichten, wo er dem Epizentrum am nächsten ist“ – in diesem Fall in der Hebbelstraße. Die liegt genau in der Mitte der Klaus-Groth-Straße und gilt unter Autofahrern, die „gleich nebenan“ keinen Parkplatz finden, als nächstbeste Option. Aber das ist für die Menschen dort nur eines von vielen Problemen.

„Die Müllabfuhr hat uns an manchen Tagen zwei, drei Mal angefahren und musste am Ende doch unverrichteter Dinge wieder abziehen“, sagen Maike Marxen und Ralf Burdina. Und es geht noch schlimmer: Bei einem Küchenbrand im vergangenen September war die Hebbelstraße „so dicht beparkt“, dass die Einsatzfahrzeuge das Feuer von der Klaus-Groth-Straße aus löschen mussten. Ordnungsamtsleiter Malte Hansen bestätigt das. Allerdings, so Wehrführer Jürgen Jensen, habe die Brandbekämpfung von dort kein Problem dargestellt. Außerdem: Wenn es richtig drauf an komme und Menschenleben in Gefahr seien, werde sich die Feuerwehr schon ihren Weg bahnen – „notfalls auch ohne Rücksicht auf Schrammen und Blechschäden“.

Dessen ungeachtet stellen Klaus-Groth- und Hebbel-Straße aus Sicht des Ordnungsamtes und von Bauamts-Chef Jörg Schlindwein ein Problem dar – ebenso wie Lornsen-, Volquardt-Pauls-, Woldsenstraße und Jebensweg. Und deshalb sollen im Bauausschuss am 21. März auch Pläne vorgestellt werden, wie man der Gesamtsituation dort Herr werden könne (wir berichteten).

Die Anlieger plagen allerdings akute Sorgen und haben es daher nicht so sehr mit langfristigen Lösungsansätzen. Für Antje Leßmann ist „die völlig überproportionierte Bebauung an der Nordseite der Klaus-Groth-Straße“ Ursache allen Übels. Dort standen zwar auch schon vor dem Bau der Wobau-Wohnungen Mehrfamilienhäuser. Doch die Zahl der Wohnungen beschränkte sich auf 32. Heute sind es 56 – bei einem Parkplatzschlüssel von 1,0 (nach Nachbesserung durch die Politik). Doch viele, die hier wohnen, haben mehr als ein Auto. Dadurch ist der Parkdruck auf die Klaus-Groth-Straße erheblich gestiegen: „Und dank unserer günstigen Lage müssen wir nicht selten als Ausweichquartier herhalten“, so die Anlieger. Verkehr ist nun mal wie Wasser, haben sie beobachtet: „Das sucht sich auch immer den naheliegendsten Weg.“

Darüber hinaus gibt es in der Hebbel- wie in der Klaus-Groth-Straße nur wenige Anlieger-Parkplätze. Die meisten Menschen parken auf der Straße. Für Schneeräumfahrzeuge, Müllabfuhr, Polizei, Rettungswagen oder Feuerwehr wird es dadurch doppelt eng. Das wissen auch Wehrführer Jensen und Veolia-Disponent Norbert Bremer. Seit das Ordnungsamt im Kreuzungsbereich Hebbel-/Klaus-Groth-Straße Halteverbotsschilder aufgestellt habe, „hat sich die Situation für unsere Leute allerdings entspannt“, sagt letzterer. Besagtes Verbot gilt aber nur dienstags und mittwochs – „unsere Abfuhrtage“, so Bremer. „Aber damit ist es für uns Anlieger nicht getan“, erklären Karin und Ingo Friedrichsen. Wie Menno Peters und die anderen haben sie mehr als einmal zurücksetzen müssen, weil auch die westliche Seite der Klaus-Groth-Straße bis an die Einmündung zur Hebbelstraße zugeparkt war. „Wenn dann aus allen Richtungen jemand kommt, gibt es kein Vor und Zurück mehr“, sagen sie.

Trotz oder vielleicht sogar wegen dieser prekären Situation werde in der Klaus-Groth-Straße oft viel zu schnell gefahren, berichten die Anlieger und wünschten sich deshalb eine verkehrsberuhigte Zone mit Tempo 30. Zusätzliche Brisanz erhalte die Situation dadurch, dass viele Leute die Verkehrsregeln missachteten. „Und der niedrige Bordstein in der Klaus-Groth-Straße lädt zum Ausweich-Manöver auf den Gehweg ja geradezu ein“, sagt Berufskraftfahrer Burdina.

„Es kommt hier einfach vieles zusammen“, sagen die Anlieger achselzuckend und erhoffen sich seitens der Ordnungsbehörde wenigstens ein paar Hilfestellungen, „die nicht erst in zwei, drei Jahren greifen. Aber dafür stehen wir im Gegensatz zur Innenstadt wohl nicht so sehr im Fokus.“ Malte Hansen bestreitet das. „Wir schauen uns die Situation vor Ort regelmäßig an“, sagt er und bezeichnet das Aufstellen der Halteverbotsschilder als „ersten Schritt“. Auch dass der Wendehammer der Hebbelstraße oft zugeparkt sei und dadurch ein Problem darstelle, sei ihm bewusst. Dann müssen jetzt also nur noch Taten folgen und das – zumindest aus Sicht der Anlieger – lieber heute als morgen.

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