Pellwormer Trifun : Durchgestartet auf Pellworm

Kurz vor dem Start: Martin Tschepe (li.) macht sich bereit, während Dierk Jensen die Teilnehmer begrüßt.
Kurz vor dem Start: Martin Tschepe (li.) macht sich bereit, während Dierk Jensen die Teilnehmer begrüßt.

Beim Triathlon im Wattenmeer gingen 200 Sportler an den Start – auch unser Autor, der doch eigentlich nur schwimmen wollte.

shz.de von
14. August 2018, 07:00 Uhr

Sie strahlen schon beim Start von einem Ohr zum anderen. Die meisten sind Wiederholungstäter und kennen das schöne Gefühl anzukommen beim Trifun – so wird hier der Triathlon genannt – auf Pellworm. Ankommen nach 600 Metern schwimmen im Salzwasser, nach 20 Kilometern Rad fahren bei steifer Brise und nach fünf Kilometern rennen auf der Insel im Wattenmeer. Etwa 200 Sportler gehen bei der 14. Auflage dieses Triathlons an den Start. Und ich bin einer von ihnen.

Die Bedingungen für den Trifun sind gut. Das Wasser im Hafenbecken hat etwa 20 Grad. Alle Einzelstarter und die Staffelschwimmer springen ins Hafenbecken. Rechts ein Krabbenkutter, links ein Ausflugsschiff und im Wasser, mit den Triathleten, ein paar Quallen. Dann legen wir los: Volle Pulle auf Pellworm – das ist das Motto an diesem Nachmittag. Jeder ist so schnell unterwegs wie eben möglich.

Wir kraulen zunächst hinaus in Richtung Nordstrand. Eigentlich wollte ich ja nur schwimmen, denn schwimmen, das kann ich ganz gut. Ich bin schon viel weiter gekrault als 600 Meter. Im vergangenen Sommer von Pellworm bis nach Hooge. Zusammen mit Dierk Jensen. Mein Schwimmfreund und Journalistenkollege ist auf Pellworm aufgewachsen, er ist einer der drei Hauptorganisatoren des Trifuns. Er hatte mir in Aussicht gestellt, wenn ich zum Trifun kommen sollte, extra für mich eine schnelle Staffel zu organisieren. Kurz vor dem Tag X dann die ernüchternde Nachricht: „Keine Staffel, du musst den kompletten Triathlon allein machen.“ Okay, hab ich gesagt – es half ja nichts.

Also kraule ich ein klein bisschen mit angezogener Handbremse – zur Wendeboje, die auf den Wellen tanzt, und dann wieder zurück zum Hafen. Wir sind zu dritt in der Spitzengruppe. Auf den letzten paar Metern beschließe ich: jetzt Vollgas, als erster aus dem Wasser kommen, das wäre doch schön – und dann sehen wir weiter. Der Plan geht auf. Dann wird es allerdings hart. Meinen bis dato letzten Triathlon hab ich vor geschätzt 20 Jahren absolviert. Damals war ich noch stolzer Besitzer eines Rennrads.

Schon in der Wechselzone verliere ich ein paar Minuten. Die Ausrüstung tauschen, das ist die vierte Disziplin eines jeden Triathlons. Als ich endlich auf meinem voll-gefederten Reiserad sitze, kommt die Ernüchterung. Die Cracks auf ihren Rennrädern werden viel schneller unterwegs sein. Schon jetzt rast alle paar Sekunden eine Rennmaschine an mir vorbei.

So ein Dreikampf geht in die Knochen. Aber das Gefühl, ein kleiner Teil dieser Veranstaltung sein zu dürfen, ist grandios. Nach der Radstrecke sind dann doch noch einige Sportler hinter mir. Wie viele genau, das weiß auch später im Ziel zunächst keiner. Die Veranstalter räumen offen ein, dass sie erstmals Probleme hätten mit der Zeitnahme. Dierk sagt über die Mikrofonanlage sinngemäß: tut uns leid, aber wir stehen dazu. Und was machen die Triathleten? Keiner mosert, viele klatschen Beifall. Beim Trifun ist der Name eben Programm. Es geht in erster Linie darum, ein Sportfest zu feiern. Alte und neuen Freunde zu treffen.

Als die schnellsten Sportler ins Ziel rennen, stelle ich mein Reiserad ab – und muss noch laufen. Die Gewinner sind eben erst mit mir aus dem Meer gestiegen, sie benötigen für den ganzen Triathlon weniger als eine Stunde. Respekt. Meine letzten fünf Kilometer per Pedes beginnen. Die laufen sich fast von allein. Die Oberschenkel und die Fußsohlen brennen zwar ein bisschen, der Schweiß rinnt. Alles egal. Nach einer Stunde und 21 Minuten bin ich im Ziel.

Und im nächsten Jahr komme ich wieder. Dierk hat versprochen, dass ich dann zwei Staffelpartner haben werde. Womöglich will er selbst Rad fahren. Der 15. Trifun findet am 31. August 2019 statt. Mehr Informationen gibt es unter www.trifun-pellworm.de.


Martin Tschepe (53) ist Redakteur der Stuttgarter Zeitung. Er ist in Hörnum auf Sylt zur Schule gegangen.


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