Wasserverband rät zur Sparsamkeit : Dürre in SH: Lechzen nach jedem Tropfen

Ebbe: In den Gärten sollte jetzt äußerst sparsam mit Wasser umgegangen werden.
Ebbe: In den Gärten sollte jetzt äußerst sparsam mit Wasser umgegangen werden.

Wegen der großen Nachfrage stoßen erste Wasserversorger in Nordfriesland an ihre Grenzen – eine Umfrage bei allen Werken.

shz.de von
19. Juli 2018, 07:00 Uhr

Während sich die Natur und auch die Landwirte in diesem Jahrhundertsommer nach jedem Tropfen Regen sehnen, haben es die übrigen Nordfriesen dagegen gut: Sie können das Super-Sonnenwetter genießen und müssen nur den Wasserhahn aufdrehen und schon sprudelt das kühle Nass zu ihrer äußeren wie inneren Erfrischung. Und das tun sie auch kräftig – ebenso wie die tausende Urlaubsgäste: Die Wasserversorger für das nordfriesische Festland und für Föhr und Sylt melden deutlich gestiegene Wasserverbräuche. Der erste Versorger hat bereits einen Aufruf zum Wassersparen rausgegeben. Der Wasserverband Treene mit Sitz in Osterwittbekfeld bittet seine Kunden auf das Bewässern von Garten- und Rasenflächen zu verzichten, das Säubern von Hausvorplätzen, Terrassen, Fenster und ähnlichem sowie das Nachfüllen von Schwimmbädern zu unterlassen. Denn der Wasserverbrauch in seinen 22 000 Haushalten zwischen Hallig Südfall und Borgwedel an der Schlei ist extrem angestiegen. Fließen normalerweise 9000 Kubikmeter durch das Rohrnetz, sind es derzeit fast doppelt so viel. Am vergangenen Montag wurden 17 790 Kubikmeter abgegeben, das ist neuer Rekord, wie Geschäftsführer Hauke Thiesen erklärt. Damit seien 94 Prozent der Wasserwerkskapazität erreicht. Aus zehn Brunnen fördert der Wasserverband in Osterwittbekfeld das lebensnotwendige Nass. Es kommt aus rund 100 Metern Tiefe. Thiesen betont: „Nicht der fehlende Regen ist das Problem, sondern der hohe Verbrauch. Denn das Wasser, das wir fördern, ist mindestens 70 Jahre alt, andere Untersuchungen sprechen sogar von mehr als 1000 Jahren. Die Regentropfen bewegen sich also Jahrzehnte durch den Boden, ehe sie in unseren Brunnen ankommen.“ Doch fließt eben nur eine bestimmte Menge pro Tag nach, und so könnten, wie bereits in zwei Fällen geschehen, Brunnen für kurze Zeit ausfallen. Der Wasserstand sei derzeit insgesamt niedriger als normal. Und so appelliert Hauke Thiesen an alle Kunden, nicht nur im Garten und am Haus, sondern auch im Bad sparsam mit dem Wasser umzugehen, insbesondere in der verbrauchsstarken Zeit zwischen 17 und 21 Uhr.

Auch Norbert Jungjohann, Geschäftsführer der Stadtwerke Husum Netz, bittet um Umsicht. „Denn wir wissen ja nicht, wie lange die Trockenheit noch anhält.“ Es sei aber zu beobachten, dass die Kunden in Husum und Mildstedt ihren Verbrauch bereits angepasst hätten, „wohl auch aus Kostengründen“. Das war bei der ersten Hitzewelle im Mai noch anders. „Am Dienstag nach Pfingsten dachten wir, dass es einen Wasserrohrbruch gegeben hätte, so stark war der Verbrauch gestiegen. Das hat sich aber wieder normalisiert.“

„Wir kommen mit der Wasserversorgung noch gut klar“, sagt Thomas Gruß, Geschäftsführer des Wasserbeschaffungsverbands Eiderstedt. Es zeichne sich aber möglicherweise ab, dass in diesem Juli so viel Wasser wie noch nie gefördert werde, nämlich über 12 000 Kubikmeter. „Im Mai und Juni lagen wir jeweils bei 2000 Kubikmeter über dem Vorjahr.“ Gut ein Drittel der Wassermenge werde in St. Peter-Ording verbraucht.

Bei der Wasserversorgung Drei Harden in Niebüll sieht Geschäftsführer Heiko Thede drei Engpässe: Erstens stoße die Aufbereitung des Rohwassers an ihre Grenzen, denn im Werk müssten natürliche Stoffe wie Eisen, Mangan und Kohlensäure herausgefiltert werden. Zweitens gebe es gesetzliche Grenzen für die Fördermenge, wobei die letzten Jahre bereits aus immer größerer Tiefe gepumpt worden sei. Drittens müsse wegen des teils 50 Jahre alten Leitungsnetzes der Druck sorgsam reguliert werden, was dazu führe, dass bei der insgesamt großen Nachfrage am äußeren Rand des Netzes der Wasserstrahl dünner werde.

Eher entspannte Lage hingegen beim Wasserverband Nord in Oeversee: Udo Petersen, der kaufmännische Leiter, verzeichnete am Dienstag „mit 33 000 Kubikmetern ein Allzeithoch“, verglichen mit durchschnittlich 21 000. Aber die Lage sei „stabil und gesichert“, auch wegen der wohl sichersten Quelle im ganzen Land. Gefördert werde aus Tiefen zwischen 140 und 330 Metern, in die jetzt ausbleibender Regen erst in vielen Jahrzehnten durchsickern werde. Der Verband mit Wurzeln in Ockholm, Bordelum und Dörpum war nach Oeversee umgezogen, weil die örtlichen Speicher erschöpft waren und versorgt von dort aus nun das Gebiet von Ladelund bis Ahrenshöft inklusive der Stadt Bredstedt sowie die Halligen Hooge und Süderoog. Auf Pellworm werde zudem eine Station zur Druckerhöhung betrieben.

„Wir sind noch lange nicht am Limit“, sagt Hark Ketelsen vom Wasserbeschaffungsverband Föhr. Die abgegebenen 5730 Kubikmeter seien gerade 82 Prozent der Kapazitätsgrenze. Flachbrunnen holen aus 30 bis 50 Metern, Tiefbrunnen aus bis zu 200 Metern.

Nicht der Dienstag dieser Woche, sondern der 25. Mai gilt auf Sylt als der Tag des stärksten Wasserverbrauchs – mit über 10 000 Kubikmetern, betonte Karl Dettmar, technischer Leiter der Energieversorgung Sylt. Er und sein Kollegen Björn Hansen, Geschäftsführer der Ver- und Entsorgung Norddörfer, die Kampen und Wenningstedt beliefern, sehen die Trinkwasserbehälter gut gefüllt, und die Grundwasservorräte seien wegen früherer Niederschlagsmengen gut gefüllt. Allerdings steige der Verbrauch auf der Insel seit Jahren ständig an.

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