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Bizarrer Rechtsstreit : Dürfen Kapitäne in den Betriebsrat?

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Betriebsratswahl der Wyker Dampfschiffs-Reederei findet ihre Fortsetzung vor dem Arbeitsgericht. Den Stein des Anstoßes lieferten zehn Kapitäne des Unternehmens, die an der Wahl teilgenommen hatten.

Die Betriebsratswahl der Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR) findet ihre Fortsetzung voraussichtlich im September vor dem Arbeitsgericht. Den Stein des Anstoßes lieferten zehn Kapitäne des Unternehmens, die an der Wahl teilgenommen hatten. Aus Sicht der Reederei ist das nicht gesetzeskonform, da die Schiffsführer als Vertreter der WDR an Bord leitende Angestellte seien. Ein Gütetermin hatte zu keinem Ergebnis geführt, erklärte Jürgen Reimer, Husumer Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Westküste, auf Anfrage. Eine Einigung sei nicht zu erwarten gewesen, weil es gelte, eine Grundsatzfrage zu klären.

Diese werde seit mehr als einem Jahrzehnt und längst nicht nur bei der Föhr-Amrum-Linie diskutiert, erläuterte der WDR-Betriebsratsvorsitzende Uwe Christiansen. Und obwohl man die Einstellung der Geschäftsführung kannte und die Reaktion abschätzen konnte, habe man die Kapitäne auf die Wahlliste gesetzt. „Nicht um zu provozieren“, wie Christiansen betont. Aber: Das Arbeitsgesetz betrachte den Schiffsführer als Besatzungsmitglied. Und das Gesetz sage auch aus, dass Schiffe, die innerhalb von 24 Stunden wieder den Hafen erreichen, zum Landbetrieb gehören.

Eine ähnliche Ansicht vertritt Fred Meyer, Personalchef der Norden-Frisia auf Norderney. Denn ausgerechnet bei der Partner-Reederei der WDR stellt sich die Grundsatzfrage nicht, wurde kürzlich ein Kapitän in den Betriebsrat gewählt. „Der Normalfall, der seit ewigen Zeiten im Unternehmen üblich ist“, sagt Meyer.

Natürlich sei der Schiffsführer der Vertreter des Reeders an Bord und könne alle Entscheidungen – bis hin zur Aufgabe des Schiffes – treffen. Allerdings nur, wenn dieses sich auf größeren Fahrten befinde. Da die Fähren in regelmäßigen, kurzen Abständen unter Land seien, gleiche die Position des Kapitäns eher der eines Busfahrers, und der direkte Einfluss auf das Tagesgeschäft sei fraglich, so Meyer.

Für WDR-Geschäftsführer Axel Meynköhn ist das kein überzeugendes Argument. Er sieht die Norden-Frisia als Ausnahme von der Regel. „Nach der derzeitigen Gesetzeslage des Betriebsverfassungsgesetzes ist unsere eindeutige Rechtsauffassung, dass die Kapitäne nicht wahlberechtigt sind.“ Komme das Arbeitsgericht zu einem anderen Ergebnis, werde man das anerkennen. „Kommt das Gericht aber zu dem gleichen Schluss wie die vorherigen Instanzen, dann wiederholen wir die Wahl hier.“

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erstellt am 27.Aug.2014 | 18:30 Uhr

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