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Angst vor Rasern : Drelsdorf will Ortsschild versetzen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Hohe Geschwindigkeiten und Lärm stören Drelsdorfs Anwohner am Rande des Dorfs. Daher will die Gemeinde nun in öffentlicher Sitzung darüber beraten und einen Antrag beim Kreis stellen.

Seit mehr als 60 Jahren wohnt Peter Martin „Putti“ Friedrichsen bereits an der Bredstedter Straße. Der gebürtige Drelsdorfer ist resigniert, weil tagtäglich zigtausende Autos, Motorräder und Lastwagen an seinem Haus am Ortseingang der Gemeinde zwischen Breklum und Drelsdorf vorbeirauschen. Wie laut es dort wirklich ist, wird bei einer Ortsbegehung mit dem gegenüberliegenden Nachbarn André Kersten, der Bürgermeisterin Antje Hansen und ihrem Stellvertreter Tim Friedrichsen deutlich: Immer wieder rasen Motorradfahrer auf der Straße in einer gefühlten Höllengeschwindigkeit und ohrenbetäubenden Lärm an der Gruppe vorbei, während sie auf dem Fuß- und Fahrradweg vor den Häusern stehen.

Ziel der Anwohner und der Gemeinde ist es, das Ortsschild zwei- bis dreihundert Meter in Richtung Breklum zu versetzen, weil in dem Bereich noch fünf, sechs Häuser zu Drelsdorf gehören, vor denen dann auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 Stundenkilometern gelten würde. „Der ehemalige Bürgermeister Harald Paulsen hatte das Ortsschild schon mal umgestellt“, erinnern sich die Drelsdörper Urgesteine, aber da damals keine Genehmigung des Kreises vorlag, musste das Schild wieder zurückversetzt werden.

Wieder düst eine ganze Kolonne an der Gruppe vorbei. „Und wenn erst die Sommersaison anfängt, wird es noch mehr“, hadern die beiden Drelsdorfer, die zwischen etwa 150 bis 200 Meter vor dem Ortsschild wohnen. Laut Straßenverkehrsordnung ist dort Tempo 100 erlaubt. „Außerhalb von Ortschaften sind keine Geschwindigkeitsmessgeräte erlaubt“, verrät Hansen. Ein Gespräch scheint unmöglich. Erneut rast ein Fahrer auf seinem Moped vorbei. „Als die Geschwindigkeitsmessung im Dorf gemacht wurde, zeigte die Tafel nur rot“, erinnert sich Peter Martin Friedrichsen. Demnach fuhren alle Verkehrsteilnehmer zu schnell in Drelsdorf. Kurz hinter dem Ortsschild befindet sich zudem eine Kindertagesstätte. „Glücklicherweise ist noch kein tragischer Unfall passiert“, schätzen sich Friedrichsen und Hansen als Gemeinde-Oberhäupter glücklich. Die Tochter von Kersten, „Putti“ Friedrichsens Nachbar, musste ihrerzeit den Weg zur Kita täglich gehen. „Aber nie allein“, betont Kersten. Das Zimmer seiner Tochter liegt zur Bredstedter Straße hinaus – aber an ein Öffnen der Fenster sei nicht zu denken. „Wir haben sogar unsere Terrasse verlegt, obwohl wir nun keine Abendsonne mehr haben“, verrät der Unternehmer Kersten, der bereits einen Antrag auf Geschwindigkeitsbeschränkung und Lärmbelästigung beim Kreis Nordfriesland gestellt hat. Sein Anliegen wurde abgelehnt.

Auch die Option einer Tempo-70-Zone ist für Gemeinde und Anwohner denkbar. Dann würden alle Verkehrsteilnehmer, wenn sie das Ortsschild passieren, tatsächlich Tempo 50 fahren und es wäre viel leiser und sicherer. „Am besten wäre aber, das Ortsschild zu versetzen. Das war schön damals“, erinnern sich Peter Martin Friedrichsen und Kersten.

Die Bürgermeisterin will nun auf der Sitzung der Gemeindevertretung am Montag (6.) den gestellten Antrag der Einwohner befürworten, das Ortsschild zu versetzen. Wenn ein Beschluss gefasst wird, steht einem Antrag beim Kreis nichts mehr im Wege. Hans-Martin Slopianka, Pressesprecher des Kreises Nordfriesland hält sich bedeckt: „Nach Paragraf 45 der Straßenverkehrsordnung sind Verkehrszeichen nur dort anzuordnen, wo dies aufgrund der besonderen Umstände zwingend geboten ist. Unter anderem wo es für die Sicherheit des Verkehrs unbedingt erforderlich ist, was für die L 28 mit einem relativ übersichtlichen Verlauf nicht zutrifft.“

Tempo-Messungen hätten zudem ergeben, so Slopianka weiter, dass auf der Strecke keine erhöhten Geschwindigkeiten festgestellt werden konnten. Das ist für die Anwohner und Gemeindevertreter kaum vorstellbar. Daher wird die Gemeinde einen Antrag stellen, dass Ortsschild zu versetzen – selbst wenn dieser Antrag offenbar nicht unbedingt erfolgsversprechend ist.

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erstellt am 03.Jun.2016 | 07:00 Uhr

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