zur Navigation springen

Erschreckendes Gutachten : Dreiviertel der Bäume sind krank

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

18 Schattenspender in der Friedrichstädter Innenstadt müssen gefällt und 90 ausgelichtet werden, stellt ein Gutachter fest. Insgesamt wurden 188 Bäume unter die Lupe genommen, dies entspricht etwa einem Viertel des Gesamtbestandes.

von
erstellt am 04.Jan.2014 | 17:00 Uhr

Rätselraten in der Friedrichstädter Innenstadt. Fast alle Bäume im Bereich des Marktplatzes, des Mittelburg- und des Fürstenburggrabens, des Westersielzuges und des Binnenhafens sind mit deutlich sichtbaren weißen Farbmarkierungen gekennzeichnet. Mal ist es ein weißer Punkt, ein großes F, ein V oder zwei Punkte. „Die Codierung ist ganz einfach zu entziffern“, sagt dazu Bürgermeister Eggert Vogt. Denn angebracht wurde sie von einem Sachverständigen, der etwa ein Viertel des Friedrichstädter Baumbestandes kritisch unter die Lupe genommen hat.

Für das Fällen der Bäume steht der Buchstabe F. Und der wurde auf 18 von 188 untersuchten Bäumen aufgetragen. „Sie sind nicht mehr zu retten und stellen womöglich eine Gefahr für Passanten da“, sagt dazu der Bürgermeister. Dass es um den Baumbestand nicht gerade rosig steht, war ihm bereits Anfang Dezember klar, als er einen Zwischenbericht auf den Schreibtisch bekam. Denn kurzfristig ließ Vogt in den Haushaltsentwurf für das Jahr 2014 noch einen Posten von 45.000 Euro für die Sanierung des Baumbestandes einarbeiten.

„Ob wir mit dem Geld auskommen, weiß ich nicht“, sagt der Bürgermeister und verweist auf eine Sitzung des Umweltausschusses am 21. Januar. Dann soll ein Konzept erstellt und entschieden werden, wie die Empfehlungen des Sachverständigen umgesetzt werden können.

Das Abholzen der 18 Bäume kann nach Einschätzung von Vogt der stadteigene Bauhof erledigen. Doch das fachgerechte Ausschneiden und Kappen der Kronen von 90 Bäumen dürfte den Betrieb überfordern, zumal dafür sehr viel gärtnerischer Sachverstand erforderlich sei. Unterstützung könne der Bauhof aber bestimmt leisten, ist sich Vogt sicher. Ganz auf Fremdfirmen ausweichen werde man wohl müssen, um bei 13 Bäumen in den Kronen eine so genannte Verseilung der Äste vorzunehmen. Dabei werden einige Äste und Zweige so miteinander verbunden, dass sich eine widerstandsfähige Krone ausbilden kann.

70,74 Prozent der untersuchten Bäume in Friedrichstadt sind krank oder müssen baumpflegerisch behandelt werden. Das dürfte nach Einschätzung des Stadtoberhaupts daran liegen, dass in der Vergangenheit zu wenig getan worden ist. Und auch nach der Sitzung am 21. Januar werde erst Kontakt mit der Naturschutzbehörde und dem Denkmalschutzamt aufgenommen werden müssen, denn allein, so Vogt, könne die Stadt nicht entscheiden. Als Beispiel führt er die Pflanzaktion von Linden auf dem Marktplatz vor einigen Jahren an. Ein Jahr später wurden die Bäume auf Kosten des Denkmalschutzes wieder entfernt, da sich die Behörde bei der Bestellung in der Sorte geirrt hatte.

„Vielleicht können wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, zeigt sich Vogt optimistisch, denn da allein im Bereich des Mittelburggrabens acht Bäume gefällt werden müssen, dürfte auch die Krähenproblematik ein wenig eingedämmt werden. Die Vögel bevorzugen die höheren Bäume in der Stadt als Brutplatz und könnten durch das Fehlen der acht Linden womöglich in ein anderes Revier abwandern.

Ob Friedrichstadt alle im Baumgutachten aufgeführten Maßnahmen bis zum 14. März umsetzen kann, ist ungewiss, denn nach den beiden Orkanen „Christian“ und „Xaver“ ist es nicht sicher, ob es noch Fachfirmen gibt, die einen freien Termin für die Arbeiten im Holländerstädtchen haben. Dabei drängt die Zeit, denn sollte ein in den Gutachten aufgeführter Baum bei einem der nächsten Stürme einen Schaden verursachen, beispielsweise ein herabstürzender Ast ein Fahrzeug beschädigen, dann ist die Stadtkasse, beziehungsweise die Versicherung Friedrichstadts gefordert. Wird der Schaden aber durch einen noch nicht untersuchten Baum verursacht, dann kommt für die Schadensregulierung die Versicherung des Fahrzeughalters auf.

„Wenn das Gutachten abgearbeitet ist, dann ist vorgesehen, langfristig alle Bäume in Friedrichstadt erfassen und untersuchen zu lassen. Ich erwarte da noch viele Überraschungen“, sagt Bürgermeister Eggert Vogt und hofft, dass die in den Haushalt eingestellten 45.000 Euro ausreichen.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen