Nach den Sturmschäden : Drei Viertel der Flächen wieder aufgeforstet

Zur Mitgliederversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft gehörte ein Treffen am Gedenkplatz für Helmut Wree.
Zur Mitgliederversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft gehörte ein Treffen am Gedenkplatz für Helmut Wree.

Die Forstbetriebsgemeinschaft Nordfriesland/Schleswigsche Geest zieht eine positive Bilanz – und klagt über die EU-Bürokratie.

shz.de von
26. Juni 2018, 09:00 Uhr

Bevor Thomas Kühl, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Nordfriesland/Schleswigsche Geest, die Mitgliederversammlung im Kirchspielskrug eröffnete, trafen sich zahlreiche Mitglieder am neuen Gedenkplatz in Viöl. „Helmut Wree hat sich unermüdlich für die Bevölkerung, für die Kultur und Geschichte seines Landes eingesetzt“, betonte Kühl. „Er war beharrlich, hartnäckig und ließ sich nicht abschütteln.“ Auch Landrat Dieter Harrsen würdigte das Lebenswerk des ehemaligen FBG-Vorsitzenden und früheren Kreispräsidenten. „Ein besonderes Anliegen war ihm der Minderheitenschutz und die deutsch-dänischen Beziehungen in der Region Sønderjylland-Schleswig.“

Bei der Mitgliederversammlung begrüßte Kühl, der als Vorsitzender wiedergewählt wurde, gut 100 Gäste. In seinem Bericht ging er auf die Wiederaufforstung nach dem verheerenden Orkan Christian ein. „Trotz schwierigster Bedingungen ist die Wiederaufforstung weiter fortgeführt worden.“ So konnte auf einer Fläche von 500 Hektar Sturmholz abgearbeitet werden. Doch nun gehe es um die Aufforstung mit Jungpflanzen.

Einen beeindruckenden Überblick über die Aufforstung nach dem gigantischen Windwurf gab Dietmar Steenbuck von der Unteren Forstbehörde in Schleswig. Insgesamt seien allein in Nordfriesland 1250 Hektar Wald zerstört worden. „Bisher sind gut 75 Prozent der Flächen aufgeforstet worden.“ Somit sei man auf einem guten Weg.

Enttäuscht zeigte sich Thomas Kühl unterdessen über die schleppende Bewilligung von Förderanträgen: „Die EU-Bürokratie macht uns immer wieder einen Strich durch die Rechnung.“ Auch wünsche er sich eine freundlichere Zusammenarbeit mit der Forstabteilung der Landwirtschaftskammer. „Schließlich sind wir mit über 950 Mitgliedern die größte FBG in Schleswig-Holstein“, so Kühl.

Hans-Caspar Graf zu Rantzau, Vorsitzender des Schleswig-Holsteinischen Waldbesitzerverbandes, verwies darauf, dass nicht nur Stürme, sondern auch der Klimawandel eine große Gefahr darstelle für standortheimische Baumarten. „Trotz jahrelanger Mahnungen an das Ministerium haben wir nur Kopfschütteln geerntet“, sagte er mit Blick auf Probleme wie die Schädlingsbekämpfung. „Noch sind die Eichen nicht davon betroffen, aber wir müssen das Ganze im Auge behalten.“ Und: „Es muss unser Interesse sein, für die geschädigten Waldflächen einen Ausgleich zu bekommen.“ Auch Dr. Christian Schadendorf, Leiter der Forstabteilung der Landwirtschaftskammer, machte deutlich: Es sei dringend notwendig, Sturmholz aus den Wäldern zu bringen, da sich der Borkenkäfer rasant ausbreite.

Positiv äußerte er sich zur Konjunktur: Auf dem Holzmarkt laufe der Absatz problemlos und die Preise seien stabil auf hohem Niveau. Bei Nadelholz sei jedoch mit einem Nachlass zu rechnen.

Hinsichtlich der Förderrichtlinien ging er mit dem „bürokratischem Monstrum“ der EU-Verordnung scharf ins Gericht. Zuwendungsbescheide erfolgten zwar früher als bisher, aber die Auszahlung würde in die Länge gezogen. 2017 seien die Fördergelder von gut 2,4 Millionen Euro komplett ausgezahlt worden. „Und auch in diesem Jahr steht wieder die gleiche Fördersumme zur Verfügung.“

Neben Thomas Kühl wurde auch sein Stellvertreter Jacob Bundtzen im Amt bestätigt. Beisitzer sind Jürgen Albertsen und Peter Hansen.

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