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Husumer Nachrichten

23. August 2017 | 12:20 Uhr

Drei Tage lang Blues satt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In Joldelund begeisterten wieder großartige Gitarristen und ihre Bands das Publikum - mit Slow Blues, Funk und harten Klängen. An allen drei Tagen war das Guitar Heroes Festival super besucht.

Dass italienische Frauen besonders viel Temperament haben sollen, davon geht nicht nur Mann aus. Dass sie es auch auf der Weltbühne der Musik krachen lassen, ist spätestens seit Rockröhre Gianna Nannini Fakt. Was die 26-jährige Gitarristin Eliana Cargnelutti mit ihrer Band als ersten Act beim dreitägigen Guitar Heroes Festival in Joldelund hinlegte, war grandios. „Das war ein guter Ersatz für die ausgefallenen Gitarristen Laurence Jones und Larry Miller“, sagte Organisator Gerd Lorenzen. Dass er regelmäßig und just for fun großartige Musiker in sein 750-Seelen-Heimatdorf holt, hat sich längst herumgesprochen. Sein Motto gilt wie eh und je: „Wenn ich schon keine Zeit für Live-Konzerte habe, dann organisiere ich das zu Hause.“ Die treue Fangemeinde dankt es ihm. An allen Tagen war die Event-Scheune namens „Gerd’s Juke Joint“ bis auf den letzten Stehplatz gefüllt. Mit einer fulminanten Show brachte die Gitarrengöttin aus dem Süden das Domizil schon nach den ersten Minuten zum Beben. Immer wieder überraschte sie mit atemberaubenden Riffs oder Aktionen, die ungewohnte Klänge erzeugten, so strich sie mit einem Bierglas über die Saiten. Mit Hingabe spielten auch ihre Mitstreiter den Blues oder eigene Titel, wobei sie den Hardrock nicht vernachlässigten. „Mir hat das riesigen Spaß gemacht, auf der kleinen Bühne mit dem Publikum zu spielen“, so die Powerfrau. Tatsächlich brachte sie es gleich am Anfang zum Mitsingen.

„Was soll das bloß noch werden“, so die Flensburgerin Jutta Friedrich. Sie sei das zweite Mal dabei, und das Fest habe sich gesteigert. „Spitzenklasse und Achtung vor dem Organisator“, so ihr Statement. Dass es auch diesmal in immer höhere musikalische Sphären ging, war schon nach den ersten Tönen von Gitarrenmeister Tony Spinner aus den USA klar. Der blonde Musiker, der barfuß auftrat, und schon die Gruppe Toto oder Paul Gilbert zu großen musikalischen Taten anstiftete, hatte es drauf. Spielfreudig zog er sein Programm mit seiner Band durch. Und sie knackige Mischung aus Boogie, Funky-Style und gefühlvollem Slow-Blues begeisterte nicht nur die eingefleischte Fans.

Auch am zweiten Tag entfachten die Meister der Saiteninstrumente und des Schlagzeugs ein mitreißendes Blues- und Rock-Feuerwerk. Zu Recht reihten sich die Akteure der Flensburger Band „No Tricks“ – als wahre Einheizer – in die Reihe der „Guitar Heroes“. Sie gaben alles und spielten die volle Bandbreite von Rock und Blues mit überraschenden Improvisationen bekannter Melodien aus. Deftigen Blues-Rock mit eindeutigen Metal-Einflüssen brachte der Brite Simon McBride mit. Er verschmolz förmlich mit seinem Instrument und verstand es, sein Publikum mit auf Improvisationsreisen zu nehmen. Seine markante Stimme erinnerte zuweilen an Chris Rea. Als wahrer Saiten-Magier und Höhepunkt des zweiten Abends entpuppte sich der Australier Aynsley Lister. Auffallend leidenschaftlich entlockte er seiner Gitarre manchmal krachende „Gewitter“ und in der nächsten Minute gefühlvolle Soli à la Gary Moore. Im Duett mit André Bassing am Keyboard gab es erdigen Blues. Von den Läufen her an eine „Verfolgungsjagd“ erinnernd, gönnte er sich auch mit Bassist Steve Amadeo eine Duett-Einlage. Dabei suchte Lister besonders den Kontakt zum Publikum, und das stieg darauf nur zu gern ein. Großer Jubel kam bei der Zugabe auf: „Purple Rain“ wurde von den Musikern regelrecht zelebriert.

Einen musikalischen Leckerbissen gab es gestern zur besten Frühschoppenzeit: Aynsley Lister agierte ganz allein mit seiner Gitarre und verzauberte die Zuhörer mit Akkustik-Sound. Mittendrin im Geschehen hielt der Organisator Small-Talk mit seinen Gästen oder ließ seinem Bewegungsdrang freien Raum.

„In den Gesichtern der Menschen habe ich gesehen, dass sie einfach nur Spaß hatten. Mehr geht und mehr will ich nicht“, lautete das Resümee des Veranstalters. Sein persönlicher Dank gelte den Sponsoren und den ehrenamtlichen Rettungskräften der Freiwilligen Feuerwehr Joldelund-Kolkerheide sowie dem Team vom Sanitätsdienst.

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