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Abbruch der Gewoba-Siedlung : Drei Mieter im Streit mit der Stadt

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In der ehemaligen Gewoba-Wohnsiedlung an der Schobüller Straße rollen ab heute die Bagger an. In der Memeler Straße wohnen aber noch drei Mieter - und die sind mit der Behandlung durch die Verwaltung gar nicht zufrieden.

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erstellt am 31.Okt.2013 | 12:00 Uhr

Nun ist es so weit: Die ehemalige Wohnsiedlung an der Schobüller Straße wird abgerissen. Heute soll um 15 Uhr der symbolische erste Spatenstich gesetzt werden. Während in der Breslauer Straße die Bagger anrollen, leben in der Memeler Straße noch drei Mieter. Und sie möchten am liebsten dort wohnen bleiben, bis der geplante mehrgeschossige Neubau der Baugenossenschaft Gewoba Nord im südlichen Teil der Siedlung fertiggestellt ist. Die Stadt hält das aber für unmöglich und versucht, eine Lösung zu finden. „Im Moment stagnieren die Gespräche aber“, sagt Holger Sethe, einer der drei verbliebenen Mieter. Dem widerspricht Jörg Schlindwein. Man habe in der jüngeren Vergangenheit immer wieder miteinander geredet, sagt der Bauamts-Mitarbeiter: „Wir bekommen aber keine stichhaltigen Aussagen von den Mietern.“

Dabei geht es um die Aufhebungsverträge mit der Gewoba Nord, die Sethe und seine zwei Mitstreiter 2010 unterzeichnet haben. Darin steht, dass die Mieter ein Erstzugriffsrecht auf die Wohnungen im neuen Gewoba-Komplex haben. Diesen Vereinbarungen möchte die Stadt als neuer Vermieter auch nachkommen: „Es bleibt bei dem Versprechen, dass die Mieter neue Wohnungen in dem Gebiet bekommen, die den vereinbarten Konditionen entsprechen“, so Schlindwein. Er räumt aber ein, dass dies für die Zwischenunterkünfte während der Bauzeit nicht möglich sein wird. Nicht alle der angebotenen Ersatzwohnungen erfüllten die geforderten, laut Schlindwein „teilweise sehr individuellen“ Kriterien, wie sie für die Neubauten vereinbart wurden. Jedoch sei bei allen Vorschlägen die vorgegebene Miethöhe und Wohnungsgröße eingehalten worden – und die Wohnungen erfüllten alle Ansprüche an gesunde Wohn- und Lebensverhältnisse.

Sethe (55) fühlt sich von den Angeboten überhäuft. Dass er und seine Nachbarn bislang keines angenommen haben, sieht er als Grund für die Ende September erhaltenen Aufhebungsbescheide. Darin werden die drei Mietparteien dazu aufgefordert, ihre Wohnungen bis zum 4. April 2014 zu räumen. Schlindwein bestätigt, dass die Stadt zahlreiche Ersatzwohnungen angeboten hat. Der Grund für die Bescheide sei aber das Sanierungsrecht, das solche Kündigungen in offiziell gekennzeichneten Sanierungsgebieten erlaube. „Eine einvernehmliche Lösung wäre der Stadt auch am liebsten – aber die Mieter haben zum Teil auch unrealistische Ansprüche“, stellt Schlindwein klar. So würde das Trio gerne weiterhin unter einem Dach zusammenwohnen, sagt der Verwaltungsmann. Ein Haus mit drei freien Wohnungen gebe es aber zurzeit in Husum nicht.

„Mir wurde eine Wohnung in der Stettiner Straße 2 angeboten“, berichtet Gisela Vidishiqi, die neben Sethe wohnt. Nach ihrer Aussage fehlt es dort allerdings an Qualität. „In dieser Sache bewegt sich nun auch nichts mehr“, sagt Vidishiqi. Schlindwein sieht das anders: „Wir stehen bei diesem Fall kurz vor einer Lösung“, sagt er. Es ginge nur noch um Details.

Am einfachsten wäre es Sethe zufolge, wenn die drei in ihren Wohnungen bleiben dürften. Zumindest, bis die ersten Neubauten stehen. Dann könnten sie direkt dort einziehen, sofern es ihren Anforderungen entspricht. Aus seinen eigenen Aufzeichnungen vom Umwelt- und Planungsausschuss am 29. Mai diesen Jahres geht hervor, dass Husums Bauamtsleiter das für möglich hält. Auch während der Abriss- und Bauphase. Es sei zwar aufwendiger, aber technisch machbar, so Rudolf Hölscher seinerzeit. Schlindwein sagt jedoch, dass die Leitungen zur Ver- und Entsorgung der neuen Einfamilien- und Reihenhäuser so nicht gelegt werden könnten. Das Abkoppeln einzelner Häuser in der Memeler Straße führe schon jetzt zu einem höheren Aufwand.

Die Kosten für eine Aufrechterhaltung der Versorgung und der Sicherung der Mietparteien in dem Objekt Memeler Straße 12 und 14 sowie den entstehenden Mehraufwand bei der Neuerschließung beziffert die Stadt auf 200 000 Euro. Sethe, seine Nachbarn und die gemeinsame Anwältin, Linda Siewertsen, bezweifeln diese Summe. Vor allem, da nach Aussage der Juristin noch kein Bebauungsplan vorliegt. „Wir glauben, dass das Bauamt mit gezinkten Karten spielt“, sagt Sethe. 2010 hatte die Gewoba Nord noch Kosten von 35 000 Euro vorausgesagt. „Unsere Zahl ist eine Schätzung, aber die Gewoba Nord hat damals auch nicht die Kosten für die Ver- und Entsorgung berechnet“, erklärt Schlindwein dazu. Außerdem entstünden durch den Verbleib dieser Gebäude weitere Kosten in der Bauphase. Die Mieter fühlen sich dennoch „belogen und betrogen“, wie Vidishiqi sagt. Das Misstrauen gegenüber der Stadt wachse immer weiter. „Im Moment finden alle Gespräche im Beisein von Anwälten statt“, berichtet Sethe. Auch im Bauamt ist man von der Situation nicht begeistert, denn eigentlich wollte man schon viel weiter sein, sagt Schlindwein. Seit 2006 beschäftigt er sich mit dem Thema.

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