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Drogenersatzstoffe : Drei Jahre Freiheitsstrafe für Apotheker aus Husum

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Prozess um Drogenersatzstoffe: Ein 42-jähriger Husumer Apotheker ist zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden – ohne Bewährung. Eine Berufung vor dem Landgericht Flensburg ist möglich.

Flensburg/Husum | Sommerliche Temperaturen und ein strahlend blauer Himmel – fast idyllisch präsentierte sich von außen das Amtsgericht Husum. Innen dagegen gab es im Saal 1 wie von Eiseskälte versteinerte Mienen – bei dem angeklagten Apotheker und allen, die ihm bei der Urteilsverkündung moralischen Beistand leisten wollten. Im längsten und kompliziertesten Prozess in der Geschichte des Amtsgerichtes Husum wurde der 42-jährige Husumer zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt – ohne Bewährung.

Wie die Richterin in ihrer einstündigen Urteilsbegründung erläuterte, sah es das Schöffengericht als erwiesen an, dass sich der Apotheker in 142 Fällen des Verstoßes und in einem weiteren Fall der Beihilfe zum Verstoß gegen das Betäubungs- und Arzneimittelgesetz schuldig gemacht hatte. Noch im Gerichtssaal kündigte der Verteidiger des Apothekers Rechtsmittel an und will nach der schriftlichen Urteilsbegründung entscheiden, ob er Revision einlegt oder vor dem Landgericht Flensburg in Berufung geht.

In der Apotheke des 42-jährigen Nordfriesen waren ärztlich verordnete Rezepte über Drogenersatzstoffe bedient worden, von denen der Apotheker aus Sicht des Gerichts von Ende 2008 an gewusst habe, dass diese nicht einer geordneten Drogentherapie dienten. Er hätte sicherstellen müssen, dass in seiner Apotheke aufgrund dieser Rezepte keine Mittel ausgegeben werden – und ein Unterlassen stehe einem aktiven Tun gleich. Ohne die Apotheke des jetzt Verurteilten wären die Drogenersatzstoffe nicht in den Verkehr gekommen.

Außerdem hatte der Apotheker ohne eine ärztliche Verordnung 20 Kilogramm Lidocain verkauft, das Drogendealer zum Strecken von Kokain und Heroin missbrauchen können.

In der mündlichen Urteilsbegründung wurde festgestellt, die Initiative sei nicht von dem Apotheker ausgegangen und er habe auch keinen persönlichen Vorteil gehabt, sondern sogar „draufgezahlt“. Das Gericht gehe davon aus, dass keine Wiederholungsgefahr vorliegt und der Verurteilte bereits seit langem alle Gesetze und Vorschriften exakt einhält. Es sah denn auch von der Verhängung eines Berufsverbotes ab, wie es die Staatsanwaltschaft für die Dauer von drei Jahren gefordert hatte. Gegen den Arzt, der die Rezepte ausgestellt hatte, läuft ein gesondertes Verfahren.

Von bundesweiter Bedeutung für alle Apotheken könnten die Feststellungen des Gerichts in Husum sein, wonach ein Apotheker „nicht der Erfüllungsgehilfe des Arztes“ ist, der sich auf seine ärztliche Therapiehoheit berufen könne. Arzt und Apotheker bildeten vielmehr eine „Behandlungsgemeinschaft“, woraus sich für den Apotheker eine formale und auch eine inhaltliche Prüfungspflicht ergibt, bevor ein Apotheker ärztlich verordnete Rezepte – im konkreten Fall Betäubungsmittel-Rezepte – bedienen darf.

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