zur Navigation springen

Schönheitskur für Tönninger Bahnhof : Drahtesel unter Dach und Fach

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Tönninger Fachausschuss spricht sich für eine Bike+Ride-Anlage am Bahnhof aus. Der Antrag auf Förderung muss allerdings noch in diesem Jahr gestellt werden.

Attraktiv ist Tönnings Bahnhof und das Gelände drumherum nicht. Darüber sind sich die Stadtvertreter schon seit Jahren einig. Bisherige Gespräche über eine mögliche Verschönerung verliefen mit Verantwortlichen der Eigentümerin, der Deutschen Bahn (DB) AG, im Sande. Unerwartet zeigte sich nun Licht am Horizont. Bürgermeisterin Dorothe Klömmer informierte in der Sitzung des Verkehrs- und Wirtschaftsausschusses über das von der Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein GmbH (Nah.SH) initiierte Projekt Bike+Ride. Das Unternehmen hat bereits einen Planentwurf dazu vorgelegt.

Derzeit gibt es eine unüberdachte Anlage mit 80 Fahrradstellplätzen zwischen der Straße „Am Bahnhof“ und dem Bahnsteig Gleis 1. Die Drahtesel werden mehr schlecht als recht an den Vorderradhaltern befestigt. Dieser Umstand und der Bewuchs mit teilweise kniehohen Wildkräutern mittendrin lassen keine gute Laune bei den Nutzern aufkommen. Weitere acht Ständer sind am Bahnhofsvorplatz zu finden. Die gepflegte Anlage eines Hotels auf der gegenüberliegenden Straßenseite sticht förmlich als krasser Gegensatz ins Auge. Die Nah.SH plant, etwa 100 Bike+Ride- Stellplätze zu installieren, davon rund ein Drittel in einer überdachten Sammelschließanlage. Der einzige Wermutstropfen – oder, so die Stadt-Chefin, Chance, – ist, dass schon bis zum Jahresende die Fördergelder von 75 Prozent beantragt werden müssen, da sie sonst verfallen. Bisher liegen aber Zahlen für die Investition nicht auf dem Tisch. Die will die Nah.SH sobald wie möglich vorlegen. De facto hieße das: Sowohl die Mitglieder des Bau- als auch des Finanzausschusses und in letzter Instanz auch die Stadtvertreter müssten das Vorhaben so schnell wie möglich durchwinken. „Ich werde das Projekt in allen Ausschüssen vorstellen“, so Klömmer. Die Eigentümerin des Grundstücks hatte zugesagt, das Projekt zu unterstützen, und wäre sogar bereit, die Fläche an die Stadt Tönning zu verkaufen. Das hätte, so die Bürgermeisterin, Vorteile für die weitere Gestaltung des Areals. Sie befürworte das Konzept. „Die Umsetzung würde den Standort Tönning aufwerten. Der Bahnhof hat eine große Bedeutung für die Berufspendler, Schulkinder und immer mehr Touristen“, so ihr Statement. Auch die Reaktion der Ausschussmitglieder fiel positiv aus. „Der Fahrradtourismus nimmt zu. Das Projekt wird Tönning gut zu Gesicht stehen“, erklärte Mery Ebsen (AWT). „Das kann man wirklich nur befürworten“, sagte der Vorsitzende, Hans-Joachim Teegen (CDU).

Eine Vision bleiben wird dagegen wohl der schon öfter im Gespräch befindliche Radweg – genauer gesagt – die Fortsetzung des Weges von Groß-Olversum hin zum Info-Haus Spökenkieker und weiter bis zum Katinger Watt. Büroleiter Matthias Hasse berichtete, dass ein Ingenieur mit der Kostenschätzung beauftragt worden war. Die Stadt müsste zwischen 360.000 und 380.000 Euro – abzüglich etwaiger Fördermittel – löhnen. Hinzu kämen Planungskosten von 36.000 Euro. Noch nicht abgeklärt worden sei, ob Landkäufe von Anliegern erfolgen müssten. Der Weg hätte nämlich eine Breite von zwei Metern aufzuweisen und müsste im Abstand von 1,75 Metern von der Fahrbahn mit einem Grünstreifen dazwischen verlaufen. „Eine Menge Holz. Wir nehmen das mal zur Kenntnis. Ich rege an, dass wir das in den Fraktionen besprechen“, so der Vorsitzende. Angesichts des defizitären Haushaltes könne er sich im Moment mit einer Realisierung nicht anfreunden. Da sei der Finanzausschuss gefordert.

Die ebenfalls öfter diskutierte Schnellladestation für E-Mobile wird, so Hasse, demnächst an zentraler Stelle am Herrengraben installiert. Ein Investor ist im Boot. Es geht nur noch um vertragliche Absicherungen. Schließlich informierte die Stadt-Chefin, dass zwei Elektro-Cars als Dienstfahrzeuge geleast werden sollen. „Ich finde, dass die Kommune mit gutem Beispiel vorangehen sollte“, so Klömmer. Die Autos hätten eine Reichweite von bis zu 150 Kilometern, was ausreiche. Sie müssten aber nach dem Einsatz jeweils an der eigenen Ladestation – sie wäre dann nicht für die Öffentlichkeit bestimmt – angedockt werden. Da die Fahrzeuge ohnehin auf dem Marktplatz abgestellt werden, biete sich der Aufbau einer Säule direkt vor dem Rathaus an. „Dann kann endlich der hässliche Papierkorb verschwinden“, kommentierte Hans-Joachim Teegen schmunzelnd. Einstimmig fiel das Votum des Gremiums dafür aus.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen