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Ärger um Bauauftrag : Drages Bürgermeister in der Klemme

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Rücktritt von Hans-Hermann Paulsen gefordert: Er soll einen Bauauftrag ohne Zustimmung der Gemeindevertreter vergeben haben.

Die Sitzung in Drage hatte noch gar nicht richtig begonnen, da kam es schon zum Eklat. Gemeindevertreterin Birte Überleer (UWGD) forderte den Rücktritt von Bürgermeister Hans-Hermann Paulsen (parteilos). Der Grund: Er soll die Reparatur des Dahrenweges beauftragt haben, ohne die offizielle Zustimmung der Gemeindevertreter eingeholt zu haben. Der entsprechende Beschluss sollte eigentlich auf dieser Sitzung erfolgen.

„Wenn vorher gemeinsam beschlossen wird, dass diese Baumaßnahme zurückgestellt wird bis zum Gemeinderats-Beschluss, und dann am anderen Morgen genau das doch getan wird, was wir nicht wollten, gibt es für mich nur eine Konsequenz: den Rücktritt des Bürgermeisters“, erklärte Birte Überleer. „Diese Forderung weise ich zurück. Ich weiß, dass es nicht zu hundert Prozent richtig war, aber die Straße ist jetzt auf warmem Grund gebaut worden“, entgegnete ihr Partei-Kollege Heldt-Heinrich Cornils. Zahlreiche Zwischenrufe und Bemerkungen folgten, bis von Jens-Uwe Beck (SPD) die entscheidende Nachfrage kam: „Wann ist der Auftrag erteilt worden – und wer hat die Bauaufsicht?“ Der Auftrag sei nicht von ihm erteilt worden, er habe der Firma nur gesagt, dass sie den Auftrag bekomme, machte Paulsen deutlich. „Da muss doch aber einer gesagt haben, es kann losgehen“, hakte Horst Jähnichen (AWGD) nach. Paulsen: „Ich wars nicht“. Doch auch wenn er selbst den Auftrag nicht gegeben habe, aber sehe, dass die Arbeiten beginnen, hätte Paulsen diese stoppen können, so Beck.

„Hätten wir gesagt, dass es grünes Licht gibt, dann würden wir jetzt kein Theater machen“, betonte Überleer und blickte in Paulsens Richtung. „Mir geht es darum, dass ich nicht weiß, ob ich mich in Zukunft noch auf deine Zusage verlassen kann“, fügte sie hinzu. Der Bürgermeister hätte wohl die Notbremse ziehen können, fasste Cornils zusammen.

„Dass wir diese Firma, mit der die Gemeinde schon seit langer Zeit erfolgreich zusammenarbeitet, beauftragen wollen, war im Grunde klar“, sagte der Bürgermeister auf Anfrage unserer Zeitung. „Was ich mir aber vorwerfe, ist, dass ich es versäumt habe, der Firma zu sagen, dass sie abwarten soll, bis der Beschluss endgültig steht.“ Er habe einfach nicht damit gerechnet, dass die Beton-Bauarbeiten „so fix anfangen“. Er habe sich nicht mehr eingemischt, weil der Zeitpunkt für Bauarbeiten ideal war. „Das Wetter war gut und die Gras-Ernte eingefahren.“

Dienstag war Paulsen mit dem Leitenden Verwaltungsbeamten des Amtes Nordsee-Treene, Claus Röhe, zu einem Krisengespräch verabredet und hat mit ihm das weitere Vorgehen besprochen. So soll am Mittwoch (28.), 19.30 Uhr, eine Sondersitzung stattfinden. Auf der Tagesordnung steht dann nicht nur die vertagte „Zustimmung zur Reparatur des Dahrenweges“, sondern auch „die Abwahl des Bürgermeisters“. Und dafür ist eine doppelte Mehrheit – also neun von insgesamt 13 Stimmen – der Gemeindevertretung notwendig. Darüber hinaus wird auch namentlich abgestimmt. Hat der Bürgermeister fünf Stimmen auf seiner Seite, kann er im Amt bleiben. „Ich bin zuversichtlich, dass das klappt“, sagt Hans-Hermann Paulsen.

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