Rantrum : Dorf ohne Mittelpunkt

Seit Anfang Januar steht der große Gasthof im Zentrum von Rantrum leer.
Seit Anfang Januar steht der große Gasthof im Zentrum von Rantrum leer.

Seitdem der Gasthof Harmsen geschlossen hat, fehlen der Gemeinde und den Vereinen eine wichtige Anlaufstelle.

shz.de von
25. Januar 2018, 12:00 Uhr

„Wo sollen wir denn jetzt hin?“ Diese Frage wurde immer wieder in der jüngsten Rantrumer Gemeindevertreter-Sitzung gestellt. Zum Jahresbeginn hat der renommierte Gasthof Harmsen seine Tore geschlossen. Damit ist eine mehr als 100 Jahre lange Ära zu Ende gegangen. Für die Rantrumer und die Bewohner der Nachbarorte ist das nicht nur kulinarisch ein großer Verlust. Die Räume der Traditions-Gaststätte waren auch lange Jahre Treffpunkt von Gemeinde und Vereinen.

„Wir müssen dringend zusammenrücken“, betonte Bürgermeister Horst Feddersen (SPD). Fritz und Karin Harmsen kündigten bereits im vergangenen Jahr an, ihren Gasthof aus gesundheitlichen Gründen zu schließen. Kinder, die das Restaurant hätten weiterführen können, hat das Ehepaar nicht. Die Inhaber und die Gemeindeführung begannen mit der Suche nach einem Nachfolger. Doch die blieb bislang erfolglos. Seit dem 1. Januar steht das große Gebäude im Ortszentrum nun leer.

Sämtliche Vereine der Gemeinde – davon gibt es aktuell 39 – hatten ihre Jahresversammlungen und auch sonstige Treffen im Gasthof abgehalten. Und auf der jüngsten Sitzung des Sozialverbandes beklagte dessen Vorsitzender, Hans-Jürgen Becker: „Seit 23 Jahren bin ich der erste Vorsitzende – und in all diesen Jahren haben wir unsere Zusammenkünfte in diesem Gasthof abgehalten. Wir haben hier gemeinsam gegessen und in sehr großer Runde immer wieder Lotto gespielt. Ich weise darauf hin, dass Sozialverband und das Rote Kreuz, die beide sehr gut zusammenarbeiten, mehr als 500 Mitglieder haben. Wo also sollen wir uns zukünftig treffen?“ Die Schützenvereins-Mitglieder haben „mit 20 Mann im Jugendraum in einer etwas größeren Umkleidekabine“ sitzen müssen, monierte Vorsitzender Gerald Michels.

Erschwerend komme hinzu, wie der Gemeinde-Chef betonte, „dass der Kindergarten, der ja auch aus allen Nähten platzt und den wir vergrößern wollen, zur Zeit zum Teil ebenfalls im Landjugendheim untergebracht ist. Also dort, wo sich die Vereine ausweichend treffen könnten und die Jugendbetreuung stattgefunden hat.“ Man müsse sich einigen, wie vorhandene Räume genutzt werden, erklärte auch Carsten Dircks (WGR). Er verwies dabei auf die Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses, die am 7. Februar stattfindet.

Der Gasthof Harmsen hatte auch in anderer Hinsicht überörtliche Bedeutung. Betroffen ist beispielsweise auch die Feuerwehr aus der Nachbargemeinde Oldersbek, die ihre Bälle mit großer Beteiligung im Gasthof Harmsen feierte. Erstmals muss die Oldersbeker Wehr am 10. März auf eine Schwabstedter Lokalität ausweichen. Ein Dorfgemeinschaftshaus, wie es zum Beispiel die kleineren Nachbargemeinden Ramstedt, Oldersbek, Seeth und Drage haben, hat das 2000-Einwohner zählende Rantrum nicht.

Auf die Frage, wie man das Problem denn jetzt angehen wolle, antwortete Horst Feddersen auf Anfrage unserer Zeitung: Man habe sich mit dem Leitenden Verwaltungsbeamten des Amtes Nordsee-Treene, Claus Röhe, zusammengesetzt und beschlossen, sobald wie möglich eine Such-Annonce aufzugeben. Schon bei der kürzlich einberufenen Einwohnerversammlung haben 300 Rantrumer dafür gestimmt, den Gasthof am Leben zu halten. Das Gebäude soll auf Leibrente verpachtet werden, die Gemeinde tritt dafür sozusagen in Vorleistung. „Um auch dem neuen Gastwirt zu zeigen, dass die Gemeinde wirklich dahinter steht.“ Nach 15 Jahren haben die Pächter die Chance, dass das Gebäude dann in ihren Besitz übergeht. „Bei 2000 Einwohnern und rund 40 Vereinen kommen wir stark an unsere Grenzen. Wir brauchen diesen Ort, um uns versammeln zu können. Und der Stadion-Treff ist ebenfalls übervoll“, so Feddersen. Wenn man so ein Angebot mache, müsse man natürlich auch verlässliche Pächter haben.

Am 7. Februar wollen sich Gemeinde- und Vereinsvertreter erneut treffen, um zu planen, wie man übergangsweise die Räume, die zur Verfügung stehen, bei Festlichkeiten am besten verteilt.

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