Vorlandbeweidung auf Eiderstedt : Diskussion um Salzwiesenpflege

Schafe sollen im Eiderstedter Vorland verstärkt für Ordnung sorgen, fordern etliche Bürgermeister.
Schafe sollen im Eiderstedter Vorland verstärkt für Ordnung sorgen, fordern etliche Bürgermeister.

Die Vorlandbeweidung wird von Eiderstedts Amtsausschuss und der Nationalparkverwaltung kontrovers erörtert. Diese will bei 50 Prozent Beweidung bleiben.

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29. Mai 2015, 07:00 Uhr

Über den Nationalpark Wattenmeer informierte sich der Amtsausschuss von Eiderstedt in seiner jüngsten Sitzung. Dafür war er in der Nationalpark-Verwaltung in Tönning zu Gast – an historischer Stelle. Die Verwaltung hat ihren Sitz in der ehemaligen Kreisverwaltung von Eiderstedt, die Zusammenkunft fand im früheren Kreistagssitzungsaal statt. Die Bürgermeister nutzten die Gelegenheit, eine bessere Informationspolitik einzufordern, und sie sprachen – wieder einmal - die Dauerbrenner-Themen Vorlandbeweidung und Prädatoren an.

So bemängelte Peter Theodor Hansen, dass er als Bürgermeister von Osterhever keinen Hinweis auf die Arbeiten im Vorland von Norderheverkoog erhalten habe. Die Baggerarbeiten hätten für einige Aufregung unter Anwohnern und Spaziergängern gesorgt. Und warum würde dort in der Setz- und Brutzeit gearbeitet? Im Vorland werden Dämme herausgebaggert, um die Deichfußentwässerung zu verbessern, erläuterte Dr. Martin Stock. Es soll auf der ganzen Länge des Norderheverkoogs ein selbsträumendes System entstehen. Alle Arbeiten im Vorland basierten auf dem Managementkonzept von 1985, so Stock weiter. Es werde stets nach drei einfachen Grundsätzen gearbeitet. Es sollen die Interessen von Natur- und Küstenschutz beachtet und das vorhandene Vorland erhalten werden. Dann sollen die Arbeiten, wo immer es geht, naturverträglich erfolgen, und abschließend werden sie begutachtet. Ferner gebe es einen Fachplan und jährliche Gespräche zwischen Küsten- und Naturschutz. Zum Thema Brutzeit sagte Stock, dass in der Praxis ein Ranger das Gebiet ablaufe und nach Gelegen schaue. Laut Gesetz darf keinem Vogel etwas passieren, aber wenn dieser Grundsatz bei allen Arbeiten beachtet würde, ergebe sich ein Zeitproblem. Sein Hinweis, eine Vorab-Information der Bürgermeister sei nicht leistbar, wollten Hansen und Amtsvorsteher Christian Marwig so nicht stehen lassen. Dr. Detlef Hansen, Leiter der Nationalparkverwaltung, versprach daraufhin, den Informationsfluss zu verbessern. Die Nachfrage von Bernd Petersen (Garding), ob das denn ein Versuch sei, bejahte Stock, es sollte im Herbst das erste Mal begutachtet werden. Auf Petersens Hinweis, dass sich das doch erst im Frühjahr lohne, entgegnete Detlef Hansen energisch: „Diese Arbeit ist seriös. Hier spielen keine großen Jungs in der Sandkiste.“

Ein weiteres Thema war die Prädatoren-Bejagung. Füchse und Marder sind ein starkes Problem für die Möwen, Watvögel und Seeschwalben. So gibt es in Nordfriesland nur noch auf Inseln und Hallingen große Möwen- und Seeschwalben-Kolonien, wie Experte Bernd Hölterlein erläuterte. Der Fuchsbestand habe zugenommen. In Westerhever, wo es seit 2009 einen Kunstbau gibt, um den Bestand besser zu kontrollieren, seien im vergangenen Jahr 22 Tiere zur Strecke gebracht. Der Effekt auf den Vogelbestand sei gering. Auf die Frage von Olaf Dircks (Westerhever) erklärte Hölterlein, dass auch versucht werde, über Vernässung und Inselbildung in den Salzwiesen, die Prädatoren von den Vögeln fernzuhalten.

Dircks sprach auch die Beweidung des Vorlands an, die im Nationalpark auf 50 Prozent der Flächen praktiziert wird. Zu wenig, wie viele Eiderstedter meinen. Das Thema ist seit Jahren Zankapfel zwischen Naturschützern und Landwirtschaft. Hölterlein wies daraufhin, dass auch auf den beweideten Flächen die Zahl der Vögel zurückgehe. Martin Stock unterstützte dessen Argumentation mit Hinweis auf eine Doktorarbeit, die keinen Zusammenhang zwischen Beweidung und Vogelbesatz ermittelt hat. Und auch in Holland gehen die Brutvogelzahlen zurück, obwohl sich die Beweidung in den vergangenen 20 Jahren nicht geändert habe. „Mich stört an der Debatte, dass nicht gesehen wird, dass der Nationalpark das Ziel hat, Natur Natur sein zu lassen. Sie soll selbst entscheiden, wie sie sich entwickelt“, wandte Detlef Hansen ein. Und weiter: „Wir sehen keinen Anlass, dieses bewährte Management zu verändern.“ Beendet ist diese Diskussion damit aber wohl auch für die Zukunft nicht.

Zu Beginn der Sitzung hatte Hansen einen Rückblick auf 30 Jahre Nationalpark gegeben und auf dessen große touristische Bedeutung für die Region hingewiesen. Auf Eiderstedt sind bereits140 Betriebe und Vereine Nationalpark-Partner.

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