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Husumer Nachrichten

22. August 2017 | 00:28 Uhr

Witzwort : Diskussion um Meierei-Erweiterung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Geschäftsführer der Meierei Witzwort stellt sich teils kritischen Fragen der Anwohner zur geplanten Erweiterung. Nach seiner Aussage gibt es noch keine konkreten Pläne.

Der Tagesordnungspunkt Meierei garantierte einen vollen Saal zur Sitzung des Bau- und Umweltausschusses von Witzwort unter der Leitung von Holger Drosdowski (WGW). Der von der Gemeinde beauftragte Planer, Diplom-Ingenieur Reimer Ivers, präsentierte die Änderung von Flächennutzungs- und von Bebauungsplan für eine mögliche Erweiterung der Osterhusumer Meierei Witzwort.

Geschäftsführer Christoph Bossmann stellte den 1895 gegründeten Betrieb in Wort und Bild vor, der vor fast 15 Jahren mit der Osterhusumer Meierei fusioniert hatte. Im Jahr 2000 wurden 50 Millionen Liter Milch verarbeitet, 2005 waren es 80 und 2015 schließlich 150 Millionen Liter. 2003 war sie die erste, die den Schraubverschluss auf die Milchtüten setzte, 2006 die erste, die die Mikrofiltration einführte. „Wir wollen im Moment nur ein Baurecht schaffen. Wir möchten die neuen Flächen einfach nur haben, um einmal bauen zu können.“ Der Betrieb sei immer gewachsen. Nach dem heutigen B-Plan gebe es Bereiche auf dem Gelände, auf denen ein bis zwei neue Trinkmilchhallen und eine Verpackungshalle errichtet werden sollen. „Das ist noch erlaubt“, so Bossmann. Aber danach komme die Frage: Was ist dann? Es gehe um sechs Hektar Fläche, die einmal bebaut werden sollen. Die Hälfte gehöre bereits der Meierei. Es solle unter anderem ein Trockenturm errichtet werden, so Bossmann weiter, mögliche Höhe 50 Meter. Die Kläranlage solle zudem in diesen Bereich verlegt werden. „Es geht wirklich nur darum, das Baurecht zu bekommen. Ich möchte nicht, dass man mir unterstellt, ich wüsste schon, was wir da planen. Das stimmt nicht. Jede Veränderung, die bei uns passiert, muss vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume genehmigt werden. Ein letzter Satz noch: Wenn ich in der Nähe der Meierei wohnen würde, würde ich das auch nicht schön finden. Aber ich gebe zu bedenken: Das hier ist die Meierei der Milchbauern. Die Vorteile: Die Leute können vor Ort arbeiten – wir beschäftigen 100 Menschen.“ Er erinnerte auch an die Steuereinnahmen für die Gemeinde.

Drosdowski unterstrich: „Ich habe Verständnis, dass die Meierei ihre Visionen in feste Tücher packen möchte. Es ist ganz normal, dass sich Betriebe erweitern.“ Hinsichtlich eines höheren Lkw-Aufkommens sagte Bossmann: „Jede Stunde wird ein Lkw mehr ankommen.“ Etliche Zuhörer äußerten sich kritisch. So wünschte sich ein Einwohner Transparenz. „Stark für die Pläne der Meierei“ machte sich ein anderer: „Das Ganze ist doch hier erstmal eine Findung. Wenn ich eine Firma habe, will ich doch investieren, denn nur so kann ich am Markt bestehen.“ Die Gemeindevertreterin Gabi Lönne (WOF) sagte: „Die Mehrheit im Gemeindrat hat ja schon grünes Licht gegeben. Ich gebe aber zu bedenken: Es geht hier nicht um die Erweiterung einer Halle eines Tischlereibetriebes – sondern um mehr.“ Gerd Radcke (CDU) betonte: „Wenn wir mal bedenken, was hier in Witzwort an Arbeitsplätzen besteht und an Geld reinkommt – dann ist das sehr beachtlich.“ Auf die Bedenken von Peter Dircks: „Wenn die Kläranlage an den neuen angedachten Standort kommt, hat das ganze Dorf Gestank“ entgegnete der Vorsitzende: „Das glaube ich nicht, eine Kläranlage hat nach Vorgabe nicht zu stinken.“ Bürgermeister Willi Berendt (WGW) zollte schließlich große Anerkennung in Richtung Geschäftsführer: „Alle Achtung, dass ihr hier so wirtschaftet.“ Nach 50 Minuten signalisierte der Vorsitzende abschließend: „Jeder weiß jetzt, wo es langgeht. Nicht jeder wird ruhig schlafen – aber dann sprechen wir eben nochmal darüber.“

Anschließend ging es ausführlich um ein mögliches neues Wohngebiet. Die Landesplanung habe acht, maximal neun Grundstücke befürwortet, so Drosdowski. Eine Möglichkeit zur Aufstockung sei eingeräumt. Als Baugebiet komme das Gelände östlich des Friedhofs, südlich des Geschwister-Lorenzen-Weges und nördlich des Reimersbuder Sielzuges infrage. Die Grundstücke haben eine Breite von 23 Metern und eine Grundflächenzahl von 0,25. Es sollen Einzelhäuser errichtet werden.

Der Vorsitzende berichtete ferner von den Umbaumaßnahmen im ehemaligen Gasthof Tönnsen, den die Gemeinde gekauft hat, um darin Wohnungen für Flüchtlinge einzurichten. Es sind zwei Drei-Zimmer-Wohnungen und eine Zwei-Zimmer-Wohnung entstanden. Die Gesamtfläche beläuft sich auf 240 Quadratmeter. Hinzu kommt ein Versammlungsraum. Jede Wohnung erhält ein komplett neues Bad und eine Küche. Alle Stromleitungen wurden erneuert. Die Fertigstellung der Wohnungen ist für Anfang April vorgesehen.

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