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Lebendige Geschichte in Norstedt : Dingstock: Besser als eine Mail

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Norstedter Gemeindevertreter bewahren nicht nur den Klönschnack, sondern auch eine ganz historische Art der Kommunikation. Mit dem eisernen Dingstock werden Einladungen weitergegeben.

Sich vorzustellen, wie vor mehr als 300 Jahren auf dem Land Nachrichten weitergegeben wurden, fällt in Zeiten moderner Kommunikation schwer. Denn das war lange vor der Erfindung von Telefon, Fax, E-Mail oder gar WhatsApp-Diensten. Wie erfuhren die Dorfbewohner also davon, dass eine Zusammenkunft anberaumt wurde oder der Bauernvogt zu Verhandlungen einlud? Die Antwort überrascht ein wenig: Der Vorsteher der Bauernschaft schickte einen Laufzettel herum. Und damit diese Bekanntmachung nicht unterwegs verloren ging, wurde sie in eine eiserne Vorrichtung geklemmt, dem sogenannten Dingstock (abgeleitet von Thing = Volks- und Gerichtsversammlungen).

Der Dingstock wurde in festgelegter Reihenfolge von Hofstelle zu Hofstelle weitergereicht, bis er schließlich am Ausgangspunkt wieder eintraf. Wurde die Weitergabe unterlassen oder verzögert, so wurde dieses Versäumnis bestraft. Harte Zeiten waren das damals. Kein Wunder, dass man stets versuchte, den Dingstock dem Nachbarn persönlich zu überreichen. War er nicht zu Hause, diente die Ringvorrichtung am oberen Ende dazu, den eisernen Stab an die Hoftür zu hängen.

Mit der Zeit lösten moderne Methoden den Dingstock ab. Ende des
19. Jahrhunderts war das Utensil fast überall außer Betrieb und in Vergessenheit geraten. Eine kleine nordfriesische Gemeinde hat sich diese Tradition allerdings bewahrt, denn Bürgermeister Harry Thomsen schickt seine Bekanntmachungen auch heute noch per Dingstock auf die Reise durch das Dorf Norstedt. Inzwischen allerdings nicht mehr mit dem wertvollen Original von 1670. „Vor einigen Jahren hat unser Dorfschmied Gerhard Gottburg drei neue Exemplare angefertigt, die dem Original recht ähnlich sehen und in unserer Gemeinde herumgegeben werden, wenn der Bürgermeister zur Sitzung einlädt oder eine Nachricht an die Bürger bekanntgeben will“, erzählt Thomsen. Er ist zu Recht stolz darauf, dass sich sein Dorf diese schöne Tradition bewahren konnte – eine Tradition, die auch der Kommunikation dient. Denn wer den Dingstock an den Nachbarn weiterreicht, tut dies selten schweigend. „Ein kleiner Klönschnack ist immer drin“, bestätigt Kai Carstensen. Dem Norstedter war gar nicht bewusst, wie alt diese Form der Nachrichtenübermittlung bereits ist. „Alle Achtung, eine schöne Sache.“

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