Stammtisch des Husumer Wirtschaftskreises : Die Wirtschaft drängt zur Eile

Schobüll gehört zu den Bereichen, die touristisch unbedingt besser erschlossen werden müssen. Hier der Campingplatz am Meer.
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Schobüll gehört zu den Bereichen, die touristisch unbedingt besser erschlossen werden müssen. Hier der Campingplatz am Meer.

Tourismus-Konzept und B5-Ausbau sind weiterhin die großen Sorgenkinder. Die Kreisverwaltung kündigt ein neues Inklusionsmodell für Arbeitnehmer mit Behinderung an.

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28. Januar 2015, 10:00 Uhr

„Es klumpt sich hier im Brauhaus“, konnte Peter Cohrs mit einem zufriedenen Blick in die Runde feststellen, denn mehr als 100 Gäste waren der Einladung des Wirtschaftskreises zum traditionellen Wirtschaftsstammtisch gefolgt. Cohrs als Sprecher des Kreises aus Werbegemeinschaft, Commerzium, Handwerkerverein und Interessengemeinschaft Gewerbegebiet Ost zeigte sich erfreut über „diese zehn Prozent plus gegenüber dem Vorjahr“. Und darüber, dass sich auch die Teilnehmer von Politik, Verwaltung und erstmals auch der Bundeswehr zahlreich unter die Gewerbetreibenden gemischt hatten. „Das ist gut so, denn damit bietet die Veranstaltung die beste Gelegenheit, miteinander über die wichtigsten Themen zu reden.“ Und welche das sind, gab Cohrs auch gleich vor: Einzelhandel, Tourismus und Verkehr.

Bezüglich der weiteren Planungen um das ehemalige Hertie-Haus warb er um die Teilnahme an der öffentlichen Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses morgen ab 17 Uhr im Rathaus, auf der es neue Informationen geben würde, denen er nicht vorgreifen wollte. Und kam nach einem kurzen Exkurs zu den anstehenden Messen auf die wirklich großen Sorgenkinder zu sprechen: „Der immer weiter verzögerte Ausbau der Bundesstraße 5 ist eine Katastrophe für die Wirtschaftskraft der Region.“ Es gebe schlechte Signale für die Zukunft der B  5 aus Berlin. „Aber wir bestehen auf den Ausbau, der uns seit Jahrzehnten versprochen wird“, forderte Cohrs, was mit Beifall honoriert wurde.

Beim Thema Tourismus beklagte er, dass sich im vergangenen Jahr zu wenig getan habe. „Für eine Hotelbedarfsanalyse wurden 365 Tage gebraucht, aber Antwort auf drängende Fragen gibt es nicht“, beklagte er. Es sei von höchster Wichtigkeit, schnell ein Konzept zu erarbeiten, mahnte er Politik und Verwaltung. „Husum muss sich endlich auf den Hosenboden setzen und das Thema angehen.“

Dieser Impuls sei angenommen worden, konterte Bürgermeister Uwe Schmitz in seiner Rede. „Ich gebe zu, dass wenig passiert ist, aber für ein belastbares Konzept ist Basisarbeit erforderlich, und die kostet Zeit.“ Der Tourismus-Experte der Industrie- und Handelskammer zu Flensburg, Dirk Nicolaisen, habe einen Rahmen von ein bis eineinhalb Jahren dafür vorgegeben. „Und ich bin auch sehr zuversichtlich, dass wir in dieser Zeit ein vernünftiges Tourismus-Konzept vorlegen können.“ Er bearbeite die Angelegenheit selbst und sei sicher, den Zeitplan einhalten zu können. „Bleiben Sie standhaft beim Vertrauen in ihre Stadtverwaltung!“

Dass die amtlichen Mühlen oft langsam mahlen, machte er am Beispiel der Straße Am Buschkamp fest, der geplanten Verbindungsstrecke zwischen Flensburger und Schleswiger Chaussee. „Das Bauen geht fix, aber die Planungen dauern. Das ist unserem System mit seinen Beteiligungsvorgaben geschuldet.“ Beim Buschkamp habe das Problem des Grunderwerbs für Verzögerungen gesorgt. „Aber ich verspreche Ihnen, dass die Straße bis zur Windmesse im Herbst fertig ist.“

Eine besondere Aktion konnte Isgaard Terheggen, die Fachdienstleiterin Soziales und Senioren in der Kreisverwaltung, vorstellen: „Wir wollen Menschen mit Behinderung in die Wirtschaft der Region integrieren.“ Das Land entwerfe dazu gerade ein Konzept, das stolze Zuschüsse für deren Bezahlung vorsehe: „50 Prozent werden vom Land getragen, 20 vom Kreis und nur 30 Prozent vom Arbeitgeber selbst – und das ohne zeitliche Beschränkung, sondern für die gesamte Dauer des Beschäftigungsverhältnisses.“ Das Projekt solle im Herbst beginnen. Der Kondensatoren-Hersteller Fischer & Tausche in Husum habe bereits gute Erfahrungen mit der Arbeitskraft dieser Menschen gemacht: „Das sind sehr motivierte Mitarbeiter.“

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